
Wenn der Norden aus dem Winterschlaf erwacht, lockt als erste
Veranstaltung der neuen Saison traditionell die Hengstschau. Man
trifft sich, zeigt seine neuen (und alten) Pferde und freut sich
über sportliche Leistungen beim Turnier. In diesem Jahr kamen
rund vierzig Hengste zum großen Schaulaufen nach Ehndorf,
auf das Islandpferdezentrum Störtal von Familie Schulz.
Den Anfang machten einige hoffnungsvolle Nachwuchssternchen im
Alter zwischen ein und vier Jahren, die sich der Materialprüfung
stellten. Da im Anschluss auch noch eine Körung bzw. Anerkennung
durch das Pferdestammbuch Schleswig-Holstein/Hamburg erfolgte,
war das Hengstschauprogramm auf drei Tage ausgedehnt worden und
fing nicht wie sonst erst am Samstagmittag an.
Die Materialprüfung wurde von Jens Füchtenschnieder,
der auch live kommentierte, und Karin Purrucker gerichtet. Die
gezeigten Vierbeiner präsentierten sich recht unterschiedlich.
Einige zeigten Gänge und gutes Benehmen, während andere
zwar schick liefen, es ihren Vorführern aber mit ihrem Verhalten
ein wenig schwer machten. Die höchste Note erhielt übrigens
der jüngste Starter dieses Felders: Der Merkur vom Birkenlund
Sohn Jupiter von Marxen. Seinen Vater ritt Johanna Beuk in den
Sportprüfungen zwei Mal zum Sieg (T3 und V2).

Der Hengstschau-Samstag, ganz im Zeichen des Sports, begann mit
dem Gædingarkeppni A-Flokkur, der neu ins Prüfungsangebot
aufgenommen wurde. Hausherr Daniel Schulz konnte sich, im Sattel
der Stute Daðla, über den Sieg freuen.
Die Prüfungen der Leistungsklasse 7 (LK 7)wurden live kommentiert.
Eine gute Entscheidung, denn Zuschauer und Reiter konnten so die
gegebenen Noten nachvollziehen und einiges mit Richteraugen sehen,
was sonst verborgen bleibt. Dank der hilfreichen Tipps von IPZV-Ausbilder
Jens Füchtenschnieder, der das Mikrofon in die Hand genommen
hatte, verbesserte sich mancher Vierbeiner im Laufe der Prüfung
sogar noch. Der Tag endete zu vorgerückter Stunde mit den
Flutlichtfinalläufen in den Töltprüfungen und dem
Speedpass, den Helmut Bramesfeld für sich entschied. Christina
Gerdts hatte zuvor die Viergangprüdung V5 der LK7 auf Manni
vom Hof Osterkamp für sich entschieden und Anoush Andrej
Bargh mit Valsi die Passprüfung.

Der Sonntag begann dann wie der Samstag zu vorgerückter
Stunde geendet hatte: Sehr sportlich orientiert und mit hohen
Noten für viele tolle Ritte. Insgesamt vier goldene Schleifen
konnte Frauke Schenzel am Ende mit nachhause auf den Kronshof
nehmen. Sie siegte mit dem fünfjährigen Andvari vom
Störtal (zwei Mal/LK 7), Þrár frá Wetsinghe
(T2) und Fannar frá Kvistum (F2).
Nach den Ehrungen für die erfolgreichen Züchter des
Jahres 2009 des IPZV-Nord (Familie Schenzel/Kronshof, Familie
Wruck/Ostetal, Günter Weber/Schloßberg, Marlis Oschmann/Nordsternhof)
begann schließlich die eigentliche Hengstschau. Die Zuschauer
strömten pünktlich sehr viel zahlreicher als noch bei
den Sportprüfungen auf die Anlage. Und auch der Wettergott
spielte weiter mit und schickte wie bestellt herrliches Frühlingswetter
nach Ehndorf, als der Testosteronspiegel in der Luft immer weiter
anstieg.

Traditionell beliebt sind die Schaubilder, bei dem der gezeigte
Hengst mit Nachkommen gezeigt wird. Auch dieses Jahr nahmen einige
Gestüte diesen Aufwand auf sich. Nicht allein auf die Bahn
kamen also Stigur vom Störtal, Alsvinur vom Osterberg, Tónn
frá Auðsholtshjáleigu und Glaður frá
Hólabaki.
Frauke Schenzel zeigte nicht nur Kronshofer-Hengste, sondern setzte
sich außerdem unter anderem in den Sattel des WM-Teilnehmers
Hördur fra Kolneset, der für seine Tölt- und Trabeinlagen
Szenenapplaus erntete. Den norddeutschen Züchtern wurden
aber nicht nur hochgeprüfte Sportkracher und altgediente
Vatertiere gezeigt. Dabei waren auch einige hoffnungsvolle Newcomer
und vierbeinige Neulinge im Deckgeschäft, die ihre Qualitäten
als Vererber oder unter dem Sattel erst noch unter Beweis stellen
müssen, aber nicht weniger spannend waren. Eine Turnier-
und Schaupremiere absolvierten beispielsweise Andvari vom Störtal,
Garpur von Carlshøj und Solon von Faxabol.

Moderiert wurde von Mareike Köhler und André Böhme,
der charmant nicht nur die Noten und Ahnen der Hengste kommentierte,
sondern mit kleinen Anekdoten würzte und damit für manchen
Lacher sorgte. Beste Unterhaltung war also garantiert, auch weil
einige Reiter die Qualitäten ihres Pferdes auf eine etwas
andere Art zeigten, statt nur in allen verfügbaren Gangarten
ihre Runden zu drehen. So verzichtete beispielsweise Corinna Langer
auf einen Sattel und stellten ihren braunen Hengst Nökkvi
frá Kjalarlandi vor dem Sulky vor. Ulrike Lohse ritt Gimli
vom Störtal in einer besonders freien Vorstellung, denn sie
verzichtete auf ein Gebiss und nutze stattdessen Bosal und Halsring,
um ihren Mausfalben um die Bahn zu lenken. Die Zuschauer mochten
diese Darbietungen offenbar ebenso wie die Einlagen im gekonnten
Rennpass und „Tölten ohne Zügel“.
Unter die geballte Macht der Hengste mischte sich dann sogar
eine Stute und stahl manchem männlichen Kollegen die Schau:
Kolbrá frá Ásmundarstödum, Stammstute
der Heesbergschen Zucht von Daniel Schulz, nahm am Rand der Ovalbahn
Aufstellung. Die Braunfalbstute hatte ein wenige Stunden altes
Hengstfohlen bei Fuß und wurde mit dem IPZV-Ehrenpreis für
Nachkommen ausgezeichnet, den sie -ladylike gelassen- entgegen
nahm.

Ebenfalls ausgezeichnet wurde ihr Sohn Kopernikus vom Heesberg,
der wie seine Mutter mit einigen seiner Kinder gezeigt wurde.

Die Hengstschau machte jedenfalls Geschmack auf mehr! Die neue
Saison kann kommen und den einen oder anderen Vierbeiner wird
man sicherlich wiedersehen. Vielleicht schaffen es nicht alle
bis zur Weltmeisterschaft, aber es gibt ja auch noch andere Ziele,
selbst für Hengste.
© Karen Diehn
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