Die Chiropraktik
ist eine manuelle Methode, mit der Bewegungsstörungen des Skelettsystems
so behandelt werden, dass die Gelenke ihre ursprüngliche Beweglichkeit
wiedererlangen. Hierdurch wird eine optimale Stimulierung des Nervensystems
erreicht. Das leistet einen wichtigen Beitrag zur Gesunderhaltung
des Körpers.
Im Mittelpunkt steht die Funktion der Wirbelsäule (siehe unten
„Die Wirbelsäule“). Für einen optimalen Informationsfluss
zwischen dem Zentralen Nervensystem und allen Organen und Geweben
des Körpers ist eine gute Beweglichkeit aller ihrer Gelenke
notwendig. Ist die Beweglichkeit zwischen zwei Wirbeln eingeschränkt,
kann es zu einer Beeinträchtigung des austretenden Nervenstranges
mit weitreichenden Folgen kommen.
Die herabgesetzte Beweglichkeit oder der eingeschränkte Bewegungsspielraum
eines Gelenks heißt Blockade. Der Chiropraktiker löst
diese, so dass das Gelenk wieder optimal funktionieren kann.
| Die Wirbelsäule...
besteht neben einer Vielzahl von Muskeln, Bändern und
Nerven beim Pferd in der Regel aus sieben Hals-, 18 Brust-,
sechs Lenden-, fünf (zum Kreuzbein zusammengewachsenen)
Kreuz- und 16 bis 18 Schwanzwirbeln. Diese bilden miteinander
etwa 200 Gelenke. An jedem Wirbel setzen etliche Muskeln an,
die die Beweglichkeit steuern. Diese erscheint zwar für
ein einzelnes Wirbelsegment gering, jedoch leistet jedes dieser
Gelenke einen Beitrag zur beträchtlichen Gesamtmobilität
von Rücken und Hals. Die Wirbelsäule schützt
das Rückenmark, das durch einen von den Wirbeln gebildeten
Zentralkanal verläuft. Vom Rückenmark zweigen die
Spinalnerven ab und treten zwischen zwei Wirbeln aus, um sich
dann in zahlreiche einzelne Nerven aufzuteilen. So vernetzten
sie Organe, Muskulatur und Haut mit dem Gehirn.
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Der Körper kompensiert
Hat ein Pferd Blockaden, kann dies zu Steifheit, Muskelverspannungen
und mangelnder Koordination führen. Versucht der Körper
die Blockaden zu kompensieren, ändert sich seine Haltung: Andere
Gelenke mit ihren Muskeln, Sehnen und Bändern werden mehr oder
überbelastet. Dies führt zu weiteren Blockaden und Schonhaltungen.
Das Pferd biegt sich schlecht, verliert Geschmeidigkeit, macht
den Rücken fest. Leistungsminderung, Kreuzgalopp, Taktfehler,
Fehltritte bis hin zu unspezifischen Lahmheiten können die
Folge sein.
Manchmal treten auch außergewöhnliche Schweißbildung,
Juckreiz oder Hitze-/Kälteüberempfindlichkeit auf, da
die Funktion von Hautnerven gestört ist.
Was Blockaden verursacht
Bewegungsblockaden können durch Makrotraumen hervorgerufen
werden, wie durch Stürze, Festliegen, im Halfter Aufhängen,
Unfälle, Transporte, Geburten oder Vollnarkosen.
Aber auch Mikrotraumen, die immer wieder über einen längeren
Zeitraum auf das Pferd einwirken, können die Gelenksfunktionen
stören. Dazu gehören Bewegungsmangel, falsche/r Beschlag/Hufpflege,
unpassender Sattel, übermäßiges oder falsch dosiertes
Training sowie ein schlechter oder schief sitzender Reiter. In diesen
Fällen sollten natürlich die Ursachen erkannt und beseitigt
werden, da sich die Blockaden sonst auch nach dem Lösen immer
wieder neu bilden.
... und wie sie gelöst werden
Zu Beginn einer chiropraktischen Behandlung wird das Pferd im
Stand und danach im Schritt und Trab auf der Geraden sowie auf gebogenen
Linien betrachtet. Der Therapeut achtet auf anatomische Besonderheiten,
Asymmetrien, Biegsamkeit, Schrittverkürzungen, Schleifen des
Hufes und andere Auffälligkeiten. Dann prüft er systematisch
die Mobilität der Wirbelsäulen-, Kiefer- und Gliedmaßengelenke.
Wird eine Blockade diagnostiziert, so erfolgt die Mobilisierung
des Gelenkes mit den Händen durch einen schnellen kurzen Impuls
(Stoß oder Zug), der in einem speziellen Winkel ausgeführt
wird. Die Chiropraktik arbeitet mit „Kurzhebeltechniken“:
Der Therapeut setzt möglichst direkt an einem am betroffenen
Gelenk beteiligten Knochen an. So arbeitet er sehr dosiert und effektiv.
Die Blockade wird dadurch gelöst, dass der gezielte Impuls
das blockierte Gelenk leicht über seine normale Beweglichkeit
hinaus bewegt, ohne dass die anatomischen Grenzen überschritten
werden.
Nachsorge ist wichtig
Nach der Behandlung sollte das Pferd zwei Tage nicht geritten
werden, sich aber frei bewegen können (keine absolute Boxenruhe).
Die Muskulatur muss sich an die veränderte Körperhaltung
gewöhnen. Anschließend kann man mit leichter Arbeit anfangen
und einen etwa dreitägigen Übergang zum gewohnten Training
vollziehen. Muskelkater und ein neues Körpergefühl kann
in Einzelfällen zu einer vorübergehenden, einige Tage
dauernden Verschlechterung der Rittigkeit führen. Meistens
aber lassen sich die positiven Veränderungen schon bald feststellen.
Meist mehrere Behandlungen nötig
Wie viele chiropraktische Behandlungen notwendig sind, lässt
sich nicht pauschal sagen. Oft reicht eine nicht aus, vor allem
wenn Schonhaltungen und Blockaden schon längere Zeit bestehen.
Denn dann haben sich Muskeln und Bänder meist diesem krankhaften
Zustand angepasst und benötigen auch wieder Zeit, ihre Stütz-
und Haltefunktion im gesunden Körper zu erfüllen.
Im Abstand von drei bis vier Wochen kann nachbehandelt werden.
Nach einer bis maximal drei Behandlungen sollte eine deutliche Verbesserung
eintreten.
Vorbeugung ist besser
Bei Pferden im Leistungssport, bei alten und auch bei jungen Pferden
ist eine regelmäßige chiropraktische Betreuung als Prophylaxe
empfehlenswert: Durch eine optimale Gelenkbeweglichkeit kann das
Sportpferd sein volles Potential nutzen, das alte Pferd Arthrosen
und Gelenksdegeneration vorbeugen, das Jungpferd im Wachstum die
Basis für ein gesundes und belastbares Skelettsystem gelegt
bekommen.
Hilfe bei akuten Problemen
Bei folgenden akuten Problemen kann die chiropraktische Behandlung
von großem Nutzen sein: mangelhafte Losgelassenheit, Steifheit,
Verspannungen, Widersetzlichkeit unter dem Reiter, Hochreißen
des Kopfes, Wegdrücken des Rückens, Schweifschlagen, verkürzte
Tritte, Stolpern, Schwierigkeiten, sich vorwärts-abwärts
zu strecken, sich durchs Genick zu stellen oder mit der Hinterhand
Last aufzunehmen.
Nach Geburten, Vollnarkosen, Unfällen und Stürzen ist
eine chiropraktische Überprüfung vor Wiederaufnahme des
Trainings sinnvoll.
Bei Lahmheiten, extremen Rückenbeschwerden und Ataktikern
(das Pferd läuft unkoordiniert und wie betrunken) sollte das
Pferd unbedingt zunächst einem Tierarzt vorgestellt werden.
Erst wenn nach der Diagnostik mit den notwendigen Röntgenaufnahmen
aus schulmedizinischer Sicht nichts dagegen spricht, kann nach Absprache
mit dem Tierarzt die Chiropraktik begleitend oder im Anschluss an
die Therapie ergänzend hinzugezogen werden.
Chiropraktik zur Ergänzung
Bei chronischen Erkrankungen der Gliedmaßen (Spat, Arthrosen,
Hufrollenentzündungen) und der Wirbelsäule (Kissing Spines)
kann eine begleitende Behandlung sekundäre Rückenprobleme
verhindern und degenerative Prozesse verlangsamen.
Info
Chiropraktik
Da „Chiropraktiker“ keine geschützte Berufsbezeichnung
ist, ist es sehr wichtig, auf die fachliche Qualifikation
des Therapeuten zu achten. Empfehlenswert ist, sich an Tierärzte
zu wenden, die eine Zusatzausbildung zum graduierten Tierchiropraktiker
abgeschlossen haben. Sie wird seit 2003 in Deutschland von
amerikanischen Dozenten durchgeführt. Eine Liste findet
man im Internet auf der Seite der Gesellschaft für Veterinär-Chiropraktik
e.V.: www.ivca.de.
Es geht in der Chiropraktik nicht darum, ausgerenkte Wirbel
einzurenken! Diese leider oft gebrauchte Beschreibung ist
falsch. Ein tatsächlich ausgerenkter Wirbel bedeutet
einen lebensbedrohlichen Zustand. Er ist -falls überhaupt
- nur in einer Tierklinik mit Intensivmedizin behandelbar.
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Chiropraktik
und Osteopathie
Beide Therapieformen zeigen einen ganzheitlichen Ansatz.
Sie beheben funktionelle Störungen, so dass die Selbstheilungskräfte
des Körpers aktiv werden. In der Osteopathie spielt die
Blutversorgung, in der Chiropraktik dagegen die Nervenfunktion
eine zentrale Rolle.
Das Ziel beider Methoden ist der Mobilitätsgewinn mit
seinen günstigen Auswirkungen auf die Zirkulation/das
Nervensystem. Das Arbeitsfeld des Osteopathen ist breiter
(Anwendung von Faszientechniken, kranio-sakraler Therapie
und der visceralen Osteopathie).
Der Chiropraktiker konzentriert sich stärker auf den
Bewegungsapparat. Chiropraktiker arbeiten möglichst spezifisch
mit Kurzhebeltechniken.
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Copyright © Fotos und Text
: Fatma Ormeloh
Nachdruck und Verwertung – auch auszugsweise – nur mit
Genehmigung der Autorin.
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