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Was tun bei brüchigen Hufen? - Hufbeschlagsschmied Roman Esser berät!

Am 12. September 2014 traf sich Simone vom Fleygur Team mit Hubeschlagsschmied Roman Esser auf einem Hof in Münster.

Münster war im Sommer 2014 von starkem Regenwetter und sogar Hochwasser betroffen gewesen. Zuvor gab es eine sehr lange warme und trockene Wetterperiode. Viele Pferdebesitzer im Münsterland hatten hierdurch Probleme mit brüchigen Hufen bei ihren Pferden.

Pferdebesitzerin Melani, deren Pferd betroffen war, hatte deshalb bei ihrem Pferd zunächst die Eisen für einige Zeit abnehmen lassen, damit der Huf etwas nachwachsen konnte. Jetzt war sie sich unsicher, ob schon wieder beschlagen werden könnte und wenn ja, wie. Roman Esser kam zur Beratung und Melani hatte Glück: Die Hufe konnten wieder beschlagen werden!

Zunächst hat sich Roman Esser aber den Wallach von Melani genau angesehen. "Es ist immer wichtig, das ganze Pferd in den Blick zu nehmen", antwortete er auf Nachfragen von Fleygur. Für einen guten Beschlag, sei es notwendig, sich genau über die Haltung des Pferdes und dessen Nutzung zu informieren. Neben den Hufen, der Fussung und dem Fesselstand, müssten auch Rücken und Gebäude Berücksichtigung finden. Dabei helfe ihm auch besonders seine derzeitige Weiterbildung zum Pferdeosteopathen.

Melanis Wallach Smari, der ausschließlich freizeitmäßig im Gelände geritten wird und unter nahezu optimalen Bedingungen gehalten wird (auf einem großen Sandpaddock mit 3 weiteren Pferden, großen angrenzenden Wiesen und guter Rauhfutterversorgung durch eigenes Heu) beurteilte Roman Esser den derzeitigen Hufzustand wie folgt:

"Smari hat recht flache Hufe, die lang in der Zehe sind. Die Wände sind jetzt ausgebrochen und die Nagellöcher zerstört. Ein neuer Beschlag sollte so aufgebaut sein, dass er Smari beim Abrollen gut unterstützen kann."

 


Da Smari auch sonst etwas fühlig ist, hat Melani sich von Roman Esser zunächst zum Thema "Platten- und Polsterbeschlag" beraten lassen.

"Das kann später eine gute Lösung für Smari sein", erzählte Roman Esser, "jedoch zum jetzigen Zeitpunkt eher nicht." Alles was zwischen Huf und Eisen zusätzlich eingebaut würde, müsse ja auch vom Nagel gehalten werden. Er empfehle lieber einen vernünftigen einfachen Beschlag zu machen, mit langen, schlanken Nägeln, die weniger Platzwirkung haben und über die schadhaften Stellen hinausreichen.

Um den flachen Huf auszugleichen, empfehle er außerdem lange breite Eisen zu nehmen, sozusagen als "bequeme Schuhe" für Smari. Vorn würde er mit 2 Aufzügen arbeiten wollen, damit er das Eisen weiter zurücklegen kann, was Smari dann beim Abrollen unterstützen soll. Die Aufzüge werde er hierfür am Amboss länger und breiter ziehen und zusätzlich am Eisen eine starke Zehenrichtung anschmieden. Das Eisen werde er überdies so abschleifen, dass Smari damit gut nach allen Seiten abrollen kann. Unter Schmieden würde man das auch umgangsprachlich "Rock'n Roll Beschlag" nennen.

 

Da Smari sonst immer Vidiastifte in den Eisen hatte, wollte Melani wissen, ob Roman Esser diese auch wieder für Smari nehmen würde. Er aber schlug vor, diese jetzt mal wegzulassen, da sie in seinen Augen keine so gute Dauerlösung seien und Melani ohnehin fast nur im Wald unterwegs sei und nicht auf Asphalt. Gerade weil Smari mit seinen 17 Jahren schon etwas älter sei, könnten die Stifte auch Arthrose begünstigen.

Schließlich wurde mit dem eigentlichen Beschlag begonnen.

 

Während des Beschlagens kam Melani noch über weitere Themen mit Roman Esser ins Gespräch, z.B. über die Möglichkeit, das Pferd vorne mit 10er und hinten mir 8er Eisen zu beschlagen.
Das sei schon eine Möglichkeit noch ein wenig "rauszukitzeln" , sagte Roman Esser, aber eigentlich keine wirkliche Dauerlösung. Für Smari jedenfalls würde es es jetzt nicht empfehlen. Smari würde ja ohnehin gut "laufen" und nur freizeitmäßig geritten. Außerdem habe es mal eine Unterusuchung an einer Klinik mittels Röntgnenaufnahmen gegeben, die gezeigt hätte, dass es zumindest bei dem Pferd, das untersucht worden sei, keine Wirkung erzielt habe. Letztendlich sei es ein Ausprobieren bei jedem einzelnen Pferd, ob es etwas nütze.

 

 

Zum Schluss wurde Smari erneut kurz vorgetrabt und von Roman Esser beäugt. Da er gut lief, brauchte nichts weiter gemacht werden. "Es kann trotzdem sein, dass Smari jetzt die ersten 2-3 Tage nach dem neuen Beschlag noch nicht wieder ganz so läuft wie früher", so Roman Esser, "aber dann sollte er sich an den neuen Beschlag nach der bisherigen Barfussphase gewöhnt haben."

Auch Simone von Fleygur hatte im Anschluss an den Beschlag noch ein paar allgemeine Fragen zum Gangpferdebeschlag, die alle eingehend beantwortet wurden. Gut gefallen hat ihr Roman Essers Haltung. "Er ist sehr pferdefreundlich und im Gepräch fällt einem auf, dass er auch "über den Tellerrand schaut" und offen und interessiert ist an neuen Methoden und interdisziplinärer Zusammenarbeit. Gerade seine Weiterqualifizierung zum Pferdeosteopathen ist für eine ganzheitliche Einschätzung des Pferdes sehr von Vorteil. Außerdem konnte er Melani gut und verständlich beraten, welche Möglichkeiten es für Smari gibt und warum. Ich würde auch von ihm beschlagen lassen."

Kontakt:

www.roman-esser-hufschmied.de/

© Bilder und Text von Simone Sander