Eike Ruckenbrod
Teil 6:
Das ABC der Bodenarbeit
Bei dieser Art mit Pferden zu arbeiten, wird das Leittier durch den Mensch ersetzt. Der Rangniedrigere muss dem Ranghöheren weichen. In jede Richtung und mit allen Körperteilen. Durch das viele Weichen, bekommen die Pferde Respekt. Diesen bekommen wir nur am Boden . Er ist schwer zu erlangen und leicht wieder zu verlieren, deshalb arbeiten wir ständig daran. Die Pferde werden dadurch aufmerksam, respektieren den Menschen, halten Dominanzabstand und werden nicht aufdringlich, grob oder rücksichtslos.
Vorbereitende Übungen zur Bodenarbeit
Das Vertrautmachen der Hilfsmittel
Bevor du ein Hilfsmittel am Pferd einsetzt, musst du es ihm erst vertraut machen. Das Ziel beim Einsetzen von Hilfsmitteln ist, dass du damit die Aufmerksamkeit des Pferdes erlangst und dass es nur dann weicht, wenn du es ihm durch deine Körpersprache signalisierst.
Beispiele dazu:
Dein Pferd soll dir durch Druck mit dem Seil weichen.
Du nimmst das 4 m lange Seil in beide Hände und hebst es in Augenhöhe. Du bringst durch Einatmen Spannung in deinen Körper und richtest dich auf. Du spannst und entspannst das Seil ruckartig zwischen deinen Händen und bewegst dich selbstbewusst auf das Pferd zu. So treibst du das Pferd aus deinem Dominanzbereich. Warte jetzt entspannt, ohne weiteren Druck auszuüben, bis es dort seine Sicherheit findet. Wenn das Pferd entspannt ist, nimmt es eine entspannte Kopfhaltung ein, hat ruhende Augen und die Ohren sind nicht nach vorne gerichtet.

Dein Pferd soll dir nicht weichen
Du gehst entspannt, mit gesenktem Blick und Händen, auf das Pferd zu und streichelst es. Es soll sicher in deiner Körpersprache lesen, dass es dir nicht weichen soll. (Foto unten) Jetzt fängst du an, mit ruhigen, rhythmischen Bewegungen, das Seil auf den Rücken des Pferdes zu schwingen. Falls es versucht zu fliehen, richte den Pferdekopf wieder zu dir und schwinge entspannt weiter. Schwinge so lange über Rücken, Beine und Hals des Pferdes bis es die Übung gelassen hinnimmt. Sobald es sich entspannt höre auf zu schwingen und streichle dein Pferd. Gib ihm Komfort und Sicherheit und zeige ihm, dass es dir vertrauen kann.
Dein Pferd soll dir durch den Druck mit dem Stock weichen
Du nimmst den Stock in die Hand und hebst ihn über deinen Kopf. Du bringst durch Einatmen Spannung in deinen Körper und richtest dich auf. Du bewegst den Stock rhythmisch vor und zurück und bewegst dich selbstbewusst auf das Pferd zu. So treibst du das Pferd aus deinem Dominanzbereich. Warte jetzt entspannt, ohne weiteren Druck auszuüben, bis es dort seine Sicherheit findet. Wenn das Pferd entspannt ist, nimmt es eine entspannte Kopfhaltung ein, hat ruhende Augen und die Ohren sind nicht nach vorne gerichtet.

Dein Pferd soll dir nicht weichen
Du gehst entspannt, mit gesenktem Blick und Händen auf das Pferd zu und streichelst es. Es soll sicher in deiner Körpersprache lesen, dass es dir nicht weichen soll. Jetzt reibst du den Stock an verschiedenen Körperstellen, wie eine verlängerte Hand. Dein Pferd wird die Streicheleinheiten genießen. Berühre dein Pferd auch an empfindlichen Stellen, wie Bauch, Schenkelinnenseiten, Euter usw.

Es gibt sechs verschiedene Richtungen, in die du dein Pferd weichen lassen kannst
Vorwärts,
Rückwärts,
Nach oben,
Nach links,
Nach rechts
Beachte:
Du solltest mit dem physischen (direkten) Druck anfangen, dein Pferd weichen zu lassen, weil es ihn in der Lernphase besser versteht. Erst wenn dein Pferd auf leichten direkten Druck mehrere Schritte, in die gewünschte Richtung weicht, kannst du zum mentalen (indirekten) Druck übergehen.
Der physische (direkte) Druck
Der physische Druck wird in vier Phasen aufgebaut, wie im vorigen Kapitel beschrieben und direkt am Pferdekörper eingesetzt.
Das Herholen
Du begibst dich in die Position vor das Pferd und bringst eine leichte Spannung in das Seil. Du bist entspannt, dein Blick ist auf den Boden gerichtet und dein Oberkörper ist leicht nach hinten geneigt.

Phase 1 : Du schließt ein Finger und den Daumen und streichst so, mit leichtem Druck am Seil entlang. Phase 2: Du schließt drei Finger und streichst mit etwas mehr Druck am Seil entlang.
Phase 3: Du schließt beide Hände und streichst mit viel Druck am Seil entlang.

Phase 4: Du schließt beide Hände und hältst voll dagegen. Erhöhe den Druck nicht weiter, aber bleibe daran, bis dein Pferd reagiert. Sobald das Pferd einen Schritt auf dich zukommt, nehme den Druck sofort aus dem Seil und entspanne dich. Zähle bis fünf und baue den Druck erneut mit Phase 1 auf. Steht das Pferd direkt vor dir streichle es entspannt, an der Stirn und gib ihm eine kleine Denkpause, bevor du die Übung wiederholst. Mit einiger Übung kannst auch verlangen, dass dein Pferd im Trab oder Galopp auf dich zukommt. Dabei musst du aber dementsprechend schnell rückwärts laufen und den Druck mit dem Seilchen am Stock verstärken
Das Rückwärtsrichten
Du stellst dich vor dein Pferd, seitlich neben seinen Kopf. Halte mit der linken Hand das Halfter, um den Kopf etwas zu stabilisieren und streichle das Pferd am Nasenrücken. Erstens, um Kontakt aufzunehmen und zweitens, um ihm Vertrauen zu geben. Bevor du phasenweise Druck aufbaust, bringst du Spannung in deinen Körper, richtest ihn auf, beugst ihn leicht nach vorne und schaust das Pferd an. Dein Pferd sollte gerade rückwärtstreten.
Phase 1: Lege deinen Daumen und Zeigefinger leicht auf den Nasenrücken.
Phase 2: Lege den Handrücken mit etwas mehr Druck auf den Nasenrücken.
Phase 3 : Mache Druck aus deiner Schulter heraus auf den Nasenrücken.
Phase 4: Simuliere den Druck eines Pferdebisses, mit den Fingern auf dem Nasenrücken. Erhöhe den Druck nicht weiter, aber bleibe daran, bis dein Pferd reagiert.
So gehst du Phase 1 - 4 durch, bis dein Pferd einen Schritt, in die gewünschte Richtung weicht, dann nimmst du sofort den Druck raus und streichelst entspannt dein Pferd am Nasenrücken. Signalisiere ihm, dass seine Reaktion richtig war und gib ihm Vertrauen. Gönne ihm eine kleine Denkpause, bevor du die Übung mit Phase 1 anfängst zu wiederholen. Nach und nach kannst du die Schrittzahl und das Tempo erhöhen, die das Pferd vor dir weichen soll.
Du kannst dein Pferd auch am Hals, an der Brust oder an der Schulter rückwärts schicken. Dieses lernt dem Pferd an verschiedenen Stellen dem Druck zu weichen. Beachte dabei immer den phasenweisen Druckaufbau.
Verschiedene Positionen zum Rückwärtsrichten im Überblick:
An der Nase: Bilde mit Daumen und Zeigefinger ein "V", baue den Druck phasenweise auf bis das Pferd weicht. Nimm bei Erfolg den Druck sofort raus und streichle dein Pferd am Nasenrücken.
Am Hals: Lege fünf Finger einer Hand an den Hals deines Pferdes, baue den Druck phasenweise auf bis das Pferd weicht. Nimm bei Erfolg den Druck sofort raus und streichle dein Pferd am Hals.
An der Brust: Lege fünf Finger einer Hand auf die Brust deines Pferdes, baue den Druck phasenweise auf bis das Pferd weicht. Nimm bei Erfolg den Druck sofort raus und streichle dein Pferd an der Brust.
An der Schulter : Lege die Finger beider Hände auf die Seiten der Schultern, baue den Druck phasenweise auf bis das Pferd weicht. Nimm bei Erfolg den Druck sofort raus und streichle dein Pferd an der Schulter.