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Irgendein Pferd ist schnell
gekauft: Aussuchen, Bezahlen, Mitnehmen - die Probleme beginnen
zu Hause. Das passende Pferd zu finden kann ein langer, beschwerlicher
Weg voller Fallstricke und Fettnäpfchen sein – es gefunden
zu haben, ist das sprichwörtliche Glück der Erde.Wenn
die Voraussetzungen stimmen und das Profil des Pferdes festgelegt
ist, kann die Suche beginnen.
Informationsphase
Einen ersten Einblick in den Islandpferdemarkt bieten die Anzeigenteile
einschlägiger Zeitschriften, Vereinszeitungen und das Internet.
Natürlich darf man nicht alles wörtlich nehmen: Papier
ist geduldig, die Webseiten erst recht, und ob der 7jährige
Wallach wirklich ein perfektes Geländepferd ist, ist ebenso
eine Frage der Interpretation wie die Ausdrücke schmiedefromm,
straßensicher, kinderlieb. Und auch der so genannte Festpreis
ist eigentlich immer nur Verhandlungsbasis. Trotzdem bieten diese
Anzeigen dem Käufer einen Überblick über das Angebot,
bevor er mit der konkreten Suche beginnt.
Eine Liste der chancenreichsten Möglichkeiten:
- Islandpferdereitschule
Es empfiehlt sich immer, einen geplanten Pferdekauf mit seinem Reitlehrer
zu besprechen. Er kann bei der Suche nach dem passenden Pferd wertvolle
Tipps geben. Manche Reitschulen geben regelmäßig Schulpferde
ab, bilden Verkaufspferde aus oder wissen von Einstellern, die ihr
Pferd verkaufen. Es ist ein enormer Vorteil, das erste eigene Pferd
über einen längeren Zeitraum beobachten zu können
und seine Qualitäten und Macken zu kennen.
Ein Reiter, der sich in seiner Reitschule als potentieller Pferdekäufer
outet, wird sich bald vor Angeboten, Geheimtipps und Schnäppchen
nicht retten können. Jetzt gilt es, Informationen zu sammeln
und trotzdem einen kühlen Kopf zu bewahren.
- Islandpferde-Reiter- und Züchterverband
Der IPZV veröffentlicht sowohl auf seiner Homepage als auch
in seinem Verbandsorgan DAS ISLANDPFERD Verkaufsanzeigen seiner
Mitglieder. Die meisten Regional- und Ortsvereine haben ebenfalls
Lisen von Verkaufspferden, die auch Nichtmitglieder anfordern können.
- Tageszeitung
In den Tageszeitungen befinden sich Verkaufspferde unter der Rubrik
Tiermarkt. Islandpferde werden hier eher selten angeboten.
- Reiterstammtisch
Mitglieder von Reiterstammtischen in der näheren Umgebung helfen
häufig gern und kameradschaftlich.
- Schmied
Hufschmiede kommen auf viele verschiedene Islandpferdehöfe
und sind immer bestens informiert. Manche sind auch bereit, beim
Ausprobieren als Berater zu fungieren.
Der Kreis möglicher Anbieter kann noch erweitert werden:
- Islandpferdegestüte
Große Zuchtbetriebe haben immer Pferde zu verkaufen. Normalerweise
bieten sie Pferde jeden Alters mit unterschiedlichstem Ausbildungsstand
an. Hier gibt es professionelle Beratung und beste Möglichkeiten
zum Ausprobieren. Die größere Entfernung muss nicht unbedingt
ein Nachteil sein, auf solchen Betrieben stehen meist mehrere Pferde
zur Wahl.
- Islandpferde-Reitbetriebe
Dasselbe gilt für große, gut geführte Islandpferde-Reitbetriebe.
Sie bieten vorwiegend erwachsene, gerittene Pferde an, die sich
für weniger routinierte Reiter hervorragend eignen können.
Unter Umständen ist es möglich, einen Reitkurs zu buchen
und verschiedene Pferde intensiv auszuprobieren, um anschließend
das richtige Pferd mit nach Hause zu nehmen – oder sich klar
zu werden, dass es diesmal eben nicht dabei war.
Die letzte Variante:
- Kaufgesuche in Zeitungen/Zeitschriften/Internet
Diese Möglichkeit hat neben den Kosten für die Anzeige
noch einen ganz entscheidenden Nachteil: Wird das gesuchte Traumpferd
sehr allgemein beschrieben, passt es auf viel zu viele Pferde. Geht
man zu sehr ins Detail, haben alle Anrufer genau das richtige Modell
im Stall, was stimmen kann oder nicht!
Das Ergebnis der Informationsphase sollte eine Liste mit Adressen
sein, die passende Pferde zu verkaufen haben könnten.
Die Realisierungsphase
Bei allen Gesprächen sollte der zukünftige Islandpferdebesitzer
das bereits im Vorfeld entwickelte individuelle Pferdeprofil im
Hinterkopf haben.
Kontaktaufnahme
Die Adressen werden nun eine nach der anderen abgeklappert. Dabei
wird Geduld nötig sein: die erste Nummer stimmt nicht, die
nächste ist besetzt, bei der dritten ist der zuständige
Ansprechpartner nicht da, usw. usw. Da heißt es Nachforschen,
Auskunft anrufen, Wahlwiederholung drücken, Geduld haben, nicht
aufgeben – irgendwann ist der richtige Adressat an der Strippe!
Folgende Punkte sollten geklärt und am besten schriftlich
festgehalten werden:
- Alter
- Charakter
- Umgänglichkeit
- Größe
- Bisherige Reitweise
- Gangarten
- Abstammung
- Bisherige Haltung
- Bisherige Reiter
- Krankheiten
- Farbe
- Preis
Wie stimmen die erfragten Fakten mit dem Profil überein? Garantiert
passen einige überhaupt nicht ins Konzept: eines wird zu jung,
ein anderes zu klein sein, das dritte ist schon und das vierte wird
doch nicht verkauft. Es bleiben vielleicht noch vier oder fünf
interessante Adressen, eher weniger.
Mit diesen geht es jetzt in die konkrete Phase des Pferdekaufs.
Erste Testphase
- Terminvereinbarung
Es macht wenig Sinn, überraschend auf einem Islandpferdehof
oder bei einem Züchter aufzutauchen, um ein Pferd auszuprobieren.
Ohne Terminvereinbarung wird niemand Zeit haben. Bei größeren
Entfernungen empfiehlt sich eine Rundtour, auf der gleich mehrere
Betriebe abgeklappert werden können.
- Fachmann
Meine dringende Empfehlung ist es, einen vertrauenswürdigen
Experten mitzunehmen. Das kann ein Freund sein, der schon zwanzig
Jahre reitet, ein bekannter Züchter, der Reitlehrer oder der
Hufschmied. Wichtig ist, dass der Auserwählte auf jeden Fall
einen kühlen Kopf behält, sehr viel Erfahrung mit Islandpferden
hat und die reiterlichen Qualitäten oder Unsicherheiten des
angehenden Pferdebesitzers kennt.
Natürlich muss man damit rechnen, dass jeder Experte seinen
Schwerpunkt hat: so wird ein Reitlehrer vorwiegend die Reiteigenschaften
bewerten, ein Schmied Beine und Hufe, ein Züchter Abstammung
und Gebäude.
- Video
Mit der Videokamera wird das Pferd im Stand, in der Bewegung und
unterm Reiter aufgenommen. Den Film kann man zu Hause nochmals in
Ruhe, von mir aus auch in Zeitlupe, betrachten, weitere Experten
zu Rate ziehen, und das so oft man mag.
- Vorführen lassen
Es sagt schon viel über Umgänglichkeit und Charakter aus,
wenn man dabei sein kann, wenn das Pferd aus dem Auslauf oder von
der Weide geholt wird. Auch Putzen und Satteln sollte ein Interessent
aufmerksam beobachten, eventuell sogar selbst alle vier Hufe hochheben.
Wie sich das Pferd an der Hand im Schritt und Trab, gegebenenfalls
auch im Tölt, vorführen lässt, ermöglicht realistische
Aussagen über Charakter, Gehorsam, Nervenstärke und angeborene
Gangveranlagung. Das gehört selbstverständlich auf Video
dokumentiert.
- Vorreiten lassen
Anschließend wird das Pferd vorgeritten (Video). Natürlich
darf der Verkäufer die Qualitäten des Pferdes zu betonen,
die Schwächen kaschieren, das ist sein gutes Recht. Eben darum
ist es gut, das Wunschprofil seines Pferdes im Kopf zu haben und
gezielt nachzufragen: Kann der Isländer auch traben? Kann man
das Pferd auch mit Gerte reiten? Wie töltet es ohne Glocken?
- Ausprobieren
Das Ausprobieren durch den Käufer soll zeigen, ob das Pferd
seinen Vorstellungen und Erwartungen entspricht. Wer ein Freizeitpferd
zum Ausreiten sucht, wird Naturtölt, Ausgeglichenheit und bequeme
Grundgangarten schätzen. Das sichere Kinderreitpferd sollte
sich problemlos lenken, durchparieren und beschleunigen lassen.
Beim Isländer für den sportlich Ambitionierten spielen
die klar getrennten Gänge und der Gehwille eine große
Rolle.
Auch hier kommt die Videokamera zum Einsatz.
- Ausprobieren durch Experten
Wenn ein reitender Experte dabei ist, sollte der nun durch Ausprobieren
herausfinden, was in dem Pferd steckt und ob es geeignet ist. Dabei
müssen sie die Möglichkeiten und Wünsche des Käufers
im Auge behalten und dürfen es nicht danach beurteilen, was
sie selbst damit anfangen könnten.
- Überschlafen und Nachbesprechen
Nun gilt es Abstand zu gewinnen von den Eindrücken, Schwärmereien,
Hochgefühlen und Frustrationen der Testphase. Ein oder zwei
Nächte darüber schlafen, ist keine schlechte Idee. Auch
das Durchsprechen der Videos mit einem Fachmann kann helfen, um
die Pferde untereinander und mit dem Profil zu vergleichen.
Mit größter Wahrscheinlichkeit wird sich herausstellen,
dass das Idealpferd, das alle Erwartungen erfüllt, (noch) nicht
geboren ist und Abstriche gemacht werden müssen.
Spätestens jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, wo die Wertigkeit
der Vorstellungen eine Rolle spielt. Im Pferdeprofil müssen
also die drei oder vier Eigenschaften markiert werden, die besonders
wichtig sind. Ein Pferd kommt nur dann in Frage, wenn es in diesen
Punkten zu hundert Prozent mit dem Profil übereinstimmt.
Nach dieser vergleichenden Auswahl werden vermutlich wieder einige
Adressen aussortiert sein.
Zweite Testphase
Mit den verbliebenen Verkäufern gibt es einen zweiten
Termin zum Ausprobieren.
Diesmal liegt das Hauptaugenmerk auf dem Verwendungszweck. Wer
ein Geländepferd sucht, muss unbedingt einen Ausritt machen.
Ein Fünfgänger für Sportzwecke gehört auf der
Ovalbahn getestet. Es ist unklug, sich blind auf die Angaben des
Verkäufers zu verlassen, auch wenn er bestimmt kein professioneller
Rosstäuscher ist – der neue Besitzer muss das Pferd reiten
können, nicht der Verkäufer.
Natürlich muss nicht alles klappen – aber man muss wissen,
was funktioniert und was nicht. Wer keinerlei Tölterfahrung
hat, aber besonderen Wert auf diese Gangart legt, sollte die Finger
von einem Isländer lassen, der dauernd passt oder trabt. Es
ist dagegen kein Problem, wenn beim Ausprobieren des Vierjährigen
die eine oder andere Dressurlektion noch nicht klappt, wenn ohnehin
regelmäßiger Reitunterricht geplant ist.
Weitere wichtige Details:
- Vergangenheit des Pferdes?
- Welche Krankheiten, auch harmlose, hat es gehabt?
- Hat es Sommerekzem?
- Wie ist es beim Schmied?
- Wie verhält es sich beim Tierarzt?
- Gibt es im Umgang irgendwo Probleme?
Sollte der Verkäufer anbieten, das Pferd noch einige Male
zu reiten – unbedingt annehmen! Islandpferdekäufe enden
selten wegen unlauterer Methoden des Verkäufers im Desaster,
viel öfter ist unrealistische Selbsteinschätzung des Käufers
daran schuld. Häufiger Umgang und wiederholtes Reiten erleichtern
die Entscheidung, ob es das passende Pferd ist oder nicht.
Preisverhandlungen
Nun ist der Zeitpunkt gekommen, wo es ums Geld geht. Gute Pferde
haben immer ihren Preis, doch den Verkaufsstrategien professioneller
Verkäufer begegnet man am besten mit bestimmten Verhaltensweisen:
- Nicht alles, was über das Pferd erzählt wird, wörtlich
nehmen.
- Keinem übereilten Vertragsabschluss zustimmen.
- Wenn so genannte ernsthafte Interessenten erwähnt werden,
sind stumme(!) Zweifel erlaubt.
- Neutral verhalten: die vorgestellten Pferde nicht schlecht machen,
Begeisterung nicht lautstark verkünden.
- Auch wenn der Pferdemarkt kein türkischer Basar ist –
Pferdepreise sind in der Regel auf Herunterhandeln angelegt. Zur
Not mit großem Bedauern verabschieden – kann sein, mit
jedem Meter in Richtung Hoftor sinkt der Preis ...
Eventuell gibt es Punkte, wo das Pferd nicht dem Anzeigentext oder
dem ersten Verkaufsgespräch entspricht.
Das können sein:
- niedrigerer Ausbildungsstand
- Gangverteilung
- Größe
- Probleme im Umgang
- Scheuen
- usw.
Es geht um Fakten und sachliche Gründe für einen Preisnachlass:
zusätzliche Ausbildung kostet Geld, weniger klar getrennte
Gänge erfordern Beritt, dauerndes Scheuen reduziert den Wert
des Geländepferdes. Mit Argumenten vom zu erfüllenden
Traum, dem niedrigen Budget, der großen Pferdeliebe lässt
sich kein Profi zu einer Preissenkung überreden. Vielleicht
gelingt es bei einem privaten Islandpferdebesitzer, wo der Verkauf
nur schweren Herzens erfolgt und oft Platz vor Preis entscheidet.
Der Kauf
- Ankaufsuntersuchung
Bei gerittenen Pferden empfiehlt es sich, den Tierarzt seines Vertrauens
eine große oder kleine Ankaufsuntersuchung machen zu lassen.
Die kleine Ankaufsuntersuchung ist natürlich billiger, aber
nicht so aussagekräftig wie die große, wo die wichtigen
Knochen und Gelenke geröntgt werden. Die Kosten gehen zu Lasten
des Käufers, aber dafür kann er sicher sein, dass das
Pferd zum gegenwärtigen Zeitpunkt gesund ist.
Es ist auch möglich, den Hoftierarzt des Verkäufers damit
zu beauftragen. Oft ist das einfacher, und das Risiko von Betrügereien
ist nicht wirklich groß, denn der Tierarzt haftet mit seinem
Namen für die Angaben, die er gemacht hat.
- Kaufvertrag
Früher wurde ein Pferdekauf immer mit Handschlag besiegelt.
Das gibt es auch jetzt noch, aber besser nur in Kombination mit
einem richtigen Kaufvertrag. Musterverträge gibt es in vielen
einschlägigen Büchern, Broschüren und Zeitschriften.
Ein Kaufvertrag sichert gegen unlautere Machenschaften ab. Es ist
im Sinne des Käufers, die zugesicherten Eigenschaften des Pferdes
in den Vertrag aufzunehmen, dadurch kommt er bei Betrug oder arglistigem
Verschweigen hoffentlich schneller zu seinem Recht. Dagegen wird
der Verkäufer eher zu wenigen, allgemeinen Formulierungen tendieren,
um möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten. Es ist eine
Frage des Verhandlungsgeschicks, welche Passagen erfasst werden.
Neben der Beschreibung des Pferdes enthält der Vertrag Name
und Adresse von Verkäufer und Käufer, den Preis, die Übergabe
der Abstammungspapiere, den Transport und den Zeitpunkt des Gefahrenüberganges.
Normalerweise ist die ausgehandelte Summe bei Übernahme des
Pferdes fällig. Wenn das Geschäft bargeldlos über
die Bank getätigt werden soll, behält der Verkäufer
nach Übergabe des Pferdes die Papiere ein, bis das Geld auf
seinem Konto eingegangen ist.
Damit hat das Pferd seinen Besitzer gewechselt und der Kaufvertrag
ist erfüllt. Gründliche Vorbereitung und Durchführung
haben sich auf jeden Fall gelohnt, wenn in den nächsten Monaten
das Glück der Erde auf dem Rücken seines ersten eigenen
Islandpferdes wahr wird.
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Mehr zum Thema: Margit Heumann, IPZV Trainerin B und Buchautorin
"Ein Hobby mit Konsequenzen", Tierbuchverlag Irene Hohe.
Zur Fleygur-Webseite
von Margit Heumann gehts hier:
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