© Tina Wassing, prakt. Tierärztin
Vorbeugung und Behandlung des Sommerekzems
mit biologischen Präparaten Die große Zahl an Empfehlungen und Tipps, die zwischen den Besitzern eines „Ekzemers“ ausgetauscht werden, belegt die Schwierigkeiten bei der Wahl einer geeigneten und wirksamen Therapie des Sommerekzems. Eine leicht durchzuführende, effektive und unschädliche Behandlungsform stellt die Anwendung homöopathischer Kombinationspräparate dar. Diese biologische Therapie hat zum Ziel, die gestörte Immunabwehr des Pferdes zu regulieren (Desensibilisierung) und dadurch den Organismus bei der Selbstheilung zu unterstützen. Um zu verstehen, wie eine solche Behandlung mit biologischen Präparaten wirkt, sehen wir uns zunächst die Krankheitsentstehung des Sommerekzems an: Beim Sommerekzem handelt es sich um eine sog. Typ 1-Allergie. Die auslösenden Allergene werden von den Stechmücken mit ihrem Speichel in die Pferdehaut „injiziert“ und von B-Zellen abgefangen, d.h. von Zellen, die den Körper auf körperfremde Substanzen überwachen. Die – jetzt aktivierten – B-Zellen werden beim gesunden Organismus durch T-Zellen kontrolliert und gehemmt, wenn die eingedrungene Substanz als harmlos erkannt wird. Beim Allergiker funktioniert diese Kontrolle aber nicht: Hier regen die T-Zellen die B-Zellen sogar noch weiter an und diese wandeln sich zu Plasmazellen um. Die Plasmazellen beginnen, in großer Menge genau zu dem Allergen passende Antikörper zu produzieren, die sich an die Oberfläche von Mastzellen anheften. Zu diesem Zeitpunkt ist der Organismus sensibilisiert, aber zeigt keine Krankheitssymptome. Beim nächsten Mückenstich, d.h. beim nächsten Kontakt mit dem Allergen, ist der sensibilisierte Organismus gut vorbereitet: Das Allergen kommt in Kontakt mit den zu ihm passenden Antikörpern auf den Mastzellen, die daraufhin sogenannte Mediatoren (Histamin u.a.) freisetzen. Diese die Entzündung fördernden Substanzen lösen die bekannten Symptome des Sommerekzems in Form stark juckender Hautveränderungen aus. Das Sommerekzem entsteht also auf der Basis eines aus dem Gleichgewicht geratenen Abwehrsystems (Allergie). Das Ziel einer biologischen Therapie ist es, die Balance wiederherzustellen. Man erkennt bereits an dieser vereinfachten Schilderung der komplizierten Abläufe bei der Allergieauslösung, dass es hierfür zahlreiche Ansatzpunkte gibt. Im Idealfall fängt eine biologische Behandlung schon frühzeitig, d.h. einige Wochen vor der Mückensaison, mit einer sinnvollen Vorbeugung an. Es hat sich bewährt, hierzu biologische Präparate auf der Basis homöopathischer Inhaltsstoffe zu verwenden, die das Immunsystem umstimmen (Engystol ad us. vet.; Hersteller aller genannten Präparate Fa. Heel, Baden-Baden), eine die Leber unterstützende und damit entgiftende Wirkung besitzen (Carduus compositum ad us. vet.) sowie den Stoffwechsel aktivieren (Coenzyme compositum ad us. vet.). Speziell die beim Allergiker gehemmten T-Zellen werden angeregt, wieder die Kontrolle über die B-Zellen zu übernehmen, und auf diese Weise wird die überschießende Antikörperproduktion reduziert und letztlich eine echte Desensibilisierung, also eine bessere Toleranz gegen die Allergene erreicht (Engystol ad us. vet.). Die Wirksamkeit der biologischen Prophylaxe wird verstärkt, wenn das umstimmende Medikament kombiniert mit Eigenblut angewendet wird: der Tierarzt entnimmt hierfür eine kleine Menge (5ml) Blut aus der Vene und injiziert das Blut zusammen mit dem Präparat einmal wöchentlich für etwa 3-4 Wochen. Die beiden anderen Präparate werden zweimal wöchentlich unter die Haut gegeben. Diese prophylaktische Behandlung kann das Ausbrechen klinischer Symptome nicht immer verhindern. Es wurde aber in wissenschaftlichen Untersuchungen an Islandpferden belegt, dass dennoch auftretende Krankheitszeichen erst später erscheinen, milder verlaufen und auf die nachfolgende Behandlung besser ansprechen. Sobald die typischen juckenden Hautausschläge sich doch zeigen, erfolgt eine ähnliche Therapie ebenfalls mit biologischen Arzneimitteln. Nun wird neben den beiden entgiftenden und Stoffwechsel aktivierenden Medikamenten (Carduus compositum ad us. vet. und Coenzyme compositum ad us. vet.) ein anderes Mittel eingesetzt, das entzündungshemmende und die Heilung fördernde Wirkungen hat (Traumeel LT ad us. vet.). Dieses Arzneimittel kann besonders auch die Freisetzung von Entzündung fördernden Substanzen hemmen und die Abheilung der betroffenen Hautstellen fördern. Auch hier wird vorzugsweise die Kombination mit Eigenblut zur Intensivierung des Behandlungseffektes einmal wöchentlich gewählt, die beiden Stoffwechsel fördernden Präparate werden zweimal wöchentlich verabreicht. Durch die Anwendung dieser Therapie wurden die Symptome bei Ekzempferden sehr deutlich verbessert, d.h. der Juckreiz verringerte sich rasch und die Hautentzündungen heilten zusehends ab. Besonders gut war der Therapieerfolg bei den Pferden, die die oben beschriebene vorbeugende Behandlung zur Umstimmung des Immunsystems erhalten hatten. Zusammengefasst stellt die biologische Therapie des Sommerekzems, wie sie hier beschrieben wurde, eine sinnvolle und häufig gut wirksame Behandlungsmethode dar, mit der sich über einige Saisonzyklen hinweg aufgrund ihres Ansatzpunktes an der Krankheitsursache auch eine langfristige Besserung der Anfälligkeit für die Erkrankung erreichen lässt.
Tina Wassing, prakt. Tierärztin, Kreidestr. 6, 48683 Ahaus
Hersteller aller im Artikel genannten Präparate Fa. Heel,
Baden-Baden
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Info's auch auf der Webseite der Firma Heel
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