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Interview "Hof des Monats März 2012" mit Christine von der Waydbrink
vom Gestüt Islandpferde von der Waydbrink - 18442 Viersdorf

hier geht's zur Fleygur Website vom Hof Islandpferde von der Waydbrink

Nachdem Familie von der Waydbrink bis 1989 im privaten Rahmen Arabisches Vollblut gezüchtet hatte, entdeckten sie das Islandpferd mit seinen vielfältigen Möglichkeiten.

Heute leben bei Ihnen ca.5 km von der Boddenküste entfernt, vor den Toren Rügens bei Stralsund etwa 130 Pferde, davon ca. 30 Pensionspferde, die anderen sind Zucht -oder Verkaufspferde.

Schwerpunkt ist Zucht, Jungpferdeausbildung und Verkauf. Daneben betreut die Familie Pensionspferde und unterrichtet das Reiten auf Islandpferden.

 

Bild: Josephine von der Waydbrink in der Prüfung Tölt T2 beim Zügelüberstreichen - ihr Pferd heißt Fleygur!

 

Fleygur: Frau von der Waydbrink, bis 1989 haben Sie mit Ihrer Familie arabisches Vollblut gezüchtet und dann mit der Islandpferdezucht begonnen. Wie kam es dazu, dass Sie sich damals entschieden haben einen jungen Elitehengst und 10 Stuten zu erwerben und zu importieren?

Frau von der Waydbrink: Vor dem Mauerfall 1989 war es im Osten Deutschlands nicht möglich Islandpferde zu importieren. Das erste Mal hatte ich von Islandpferden gelesen als ich ungefähr 16 war. Seither war es ein Traum für mich einmal Islandpferde zu züchten. Besonders gefällt mir am Islandpferd die Robustheit, wodurch sie recht einfach zu halten sind. Außerdem hat mich ihre Vielfältigkeit begeistert. Als es dann ab 1989 möglich war Islandpferde zu importieren, haben wir die ersten Stuten gekauft. Später hatten wir dann das Glück, unseren Stammhengst Frosti frá Vatnsleysu (Sohn von Otur frá Sauðárkróki) zu erwerben. Er hat unsere Zucht maßgeblich beeinflusst und den Grundstein unserer Zucht gelegt.


Fleygur: Heute leben bei Ihnen in Viersdorf, vor den Toren Rügens an der Boddenküste, 130 Islandpferde, ein Großteil davon sind Zucht- und Verkaufspferde, die Sie selbst nach klassischen Grundsätzen ausbilden. Welche grundlegenden Unterschiede sehen Sie in der Zucht und Ausbildung von arabischem Vollblut im Vergleich zum Islandpferd?

Frau von der Waydbrink: In erster Linie sind Islandpferde viel robuster als arabische Vollblüter, wodurch deren Haltung um einiges einfacher ist. Die Grundausbildung ist bei beiden Rassen ähnlich. Die weitere Ausbildung unterscheidet sich natürlich maßgeblich, da das Islandpferd ein Gangpferd ist. Islandpferde bieten ein viel weiteres Spektrum, wodurch die Zucht für mich viel interessanter ist. Es gibt sowohl das ruhige verlässliche Freizeitpferd, als auch das temperamentvolle Sportpferd. Arabische Vollblüter sind vor allem für Distanzreiter mit Erfahrung geeignet und sind vom Charakter her meist viel anspruchsvoller.

Fleygur: Sie bieten auch Reitunterricht an und betonen, gutes Reiten setzte „reiterliches Handwerkszeug“ voraus. Handwerk impliziert ja auch immer eine fundierte Ausbildung in Theorie und Praxis. Zum Ihrem Unterrichts-Konzept gehört auch ein monatlicher Theorieabend. Mangelt es Ihrer Meinung nach bei vielen Reitern an einer soliden theoretischen Ausbildung?

Frau von der Waydbrink: Ja, auf jeden Fall fehlt es vielen Reitern an theoretischen Grundlagen. Das ist ein großes Problem, denn viele Reiter verstehen den Grund der Hilfengebung und deren Anwendung nicht. Reitunterricht ohne theoretische Grundlagen ist wie ein Haus ohne Fundament und kann nicht zum langfristigen Erfolg führen. Reitschüler müssen verstehen, warum es so wichtig ist, ein Pferd über den Rücken zu reiten. Daher baut mein Unterricht immer auf vorangegangener Theorie auf.

Fleygur: In jedem Fall ist Ihr Unterrichtskonzept erfolgversprechend. Josephine, ihre Tochter, wurde z.B. schon mehrfach deutsche Meisterin. Welches Erfolgsrezept würden Sie anderen jungen sportbegeisterten Menschen noch mit auf den Weg geben?


Frau von der Waydbrink: Unser Erfolgsrezept ist Geduld bei der Ausbildung von Pferd und Reiter. Es ist wichtig, dass der Erfolg nicht über die Gesundheit des Pferdes gestellt wird. Die Ausbildung eines übern den Rücken gehenden Pferdes dauert länger, aber führt zu nachhaltigen Erfolg. Die hellen Kometen verglühen meist auch schnell und sind frühzeitig nicht mehr für den Sport einsatzfähig. Für uns steht harmonisches Reiten und ein gesundes, zufriedenes Pferd an erster Stelle.

Fleygur: Bei Ihnen können junge Menschen auch ein freiwilliges ökologisches Jahr absolvieren. Wie sieht solch ein Jahr bei Ihnen aus, was kann man lernen und was erwarten Sie von einem Bewerber/einer Bewerberin?

Frau von der Waydbrink: Ein freiwilliges ökologisches Jahr ist sehr facettenreich bei uns. Bei uns bekommt man in sämtliche Bereiche einen Einblick- von der Geburt der Fohlen, Aufzucht der Jungpferde bis zur Ausbildung und Verkauf der eigen gezogenen Pferde. Außerdem stellen wir unser Futter selber her und bewirtschaften die Weiden ökologisch. Daher bekommt man in alle Bereiche eines Pferdezuchtbetriebes einen Einblick. Gerne bieten wir den Praktikanten auch Reitunterricht an und geben unsere Philosophie gerne weiter. Vor allem brauchen wir immer Hilfe bei der Ausbildung unserer Jungpferde. Außerdem gehört Fütterung, Pflege und die Gesundheitskontrolle zu den Aufgaben eines Praktikanten. Ein Praktikant im Rahmen des freiwilligen ökologischen Jahres sollte vor allem selbstständig, eigenverantwortlich und zuverlässig sein. Zudem wünschen wir uns einen engagierten und lernwilligen Praktikanten. Außerdem sind wir auch immer offen für Anregungen und neue Ideen seitens der Praktikanten.

Fleygur: Abschließend folgt wie immer noch unsere Standardfrage. Mit welcher Person aus dem Pferdebereich würden Sie denn gerne einmal bei einem längeren Ausritt ein Gespräch führen und zu welchem Thema?

Frau von der Waydbrink: Ich würde gerne mal mit Philippe Karl ein längeres Gespräch führen. Die Ausbildung unserer Pferde basiert unter anderem auf Elementen seiner Reitweise. Das bedeutet, dass wir darauf Wert legen unsere Pferde mit einem schwingenden und deshalb gesunden Rücken auszubilden. Natürlich haben wir seine Reitweise nicht 1:1 übernommen, sondern speziell auf unsere Bedürfnisse abgewandelt. Vielfach wird er leider fehlinterpretiert und zum Leidwesen vieler Pferde falsch umgesetzt. Ich würde ihm gerne einmal meine Pferde vorreiten und seine Meinung hören und weitere Anregungen von ihm bekommen.

Fleygur: Vielen Dank für das Interview!


Fotos © Islandpferde von der Waydbrink