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Zum Hof des Jahres 2009

 
 
Fleygur Höfe des Monats

Hof des Monats Januar 2009 ist
der Islandpferdehof "Hestabakki" - 29690 Buchholz / Aller
hier geht's zur Fleygur Website von "Hestabakki"

 

 


Zwischen Bremen und Hamburg liegt Hestabakki. Hier bieten Nina Müller (IPZV Trainer A & Jungpferdebereiter) und Hólmgeir Jónsson (Bereiter FT) das Rundumangebot für's Islandpferd:
Egal ob Sie ein Pferd für Sport oder Freizeit suchen, sich oder Ihr Pferd professionell ausbilden lassen möchten oder Sie den optimalen Hengst für Ihre Stuten suchen, auf Hestabakki sind Sie immer richtig.

links: Nina auf Disa


Fleygur: "Hólmgeir, warum hast du Island verlassen und wie kam es zu dem Islandpferdehof Hestabakki?"

Hólmgeir: "Damals betrieb ich mit meinen Freunden þorri und Simmi einen kleinen Trainingsstall bei Akureyri. Im März 1992 kamen Elke und Lothar Schenzel zu uns, um Pferde zu kaufen. Von unserer Arbeit angetan, fragten sie mich und þorri, ob wir nicht Interesse hätten, mit nach Deutschland zu kommen, um dort bei der Arbeit mit den Pferden zu helfen. So kam ich nach Deutschland und bin hier geblieben. Nach meiner Zeit auf dem Kronshof ging ich ein halbes Jahr zu Marlise und Arno Grimm auf den Basselthof und machte mich im Juni 1993 selbstständig. Ich nannte meinen Bertrieb Islandpferdehof Hestabakki (= Pferdeufer). Es folgten vier Umzüge, bis ich Mitte 2003 auf meinem eigenen kleinen Pachthof hier in Buchholz seßhaft geworden bin. Ende 2003 kam Nina dann zu mir und seitdem betreiben wir Hestabakki gemeinsam."

Fleygur: "Nina, Islandpferde begleiten dich schon dein ganzes Leben. Mit 4 Jahren hast du angefangen zu reiten und deinen ersten Isländer bekommen, heute bist du IPZV Trainer A und Jungpferdebereiter und betreibst gemeinsam mit Holmgeir Hestabakki. Was bedeuten Islandpferde für dich?"

Nina: "Islandpferde machen natürlich einen sehr großen Teil in meinem Leben aus. Ich war in jungen Jahren das, was man als ein pferdeverrücktes Mädchen bezeichnet hat. Meine Eltern können sicherlich tausend Anekdoten zum Besten geben, wenn sie gefragt werden, wie es damals war. Ich wollte so sein wie ein Pferd, so denken und sogar wiehern können. Ich lachte und weinte mit ihnen, erzählte ihnen alle meine Sorgen und habe die schönsten Dinge mit ihnen erlebt. Im Prinzip haben sie mein Leben bestimmt und mir auch eine gehörige Portion Disziplin beigebracht. Freunde waren und sind mir sehr wichtig - aber es war manchmal schwer alles unter einen Hut zu bringen - das Wohl der Tiere ging nun einmal vor und so ist es auch heute noch."

Fleygur: "Gab es auch mal Momente in Euren Leben, wo ihr darüber nachgedacht habt, etwas ganz anderes zu tun? Und wenn ja, was hättet ihr gemacht?"

Hólmgeir: "Nach der Schule machte ich eine Ausbildung zum Landmaschinenmechaniker. In dieser Zeit entflammte mein Interesse für Traktoren und Geländewagen, was mir auch heute noch Spaß macht. Natürlich war ich den Pferden in der Lehre weiterhin treu. In dieser Zeit lernte ich Reynir Hjartarsson á Brávollum kennen, der damals einer der bekanntesten Passreiter Islands war. Ich durfte viel bei ihm lernen und diese Zeit hat mein Leben in soweit verändert, dass mein Hauptinteresse der Arbeit mit dem Pferd galt."

Nina: "Ich habe auch nach meinem Abitur studiert - Diplompädagogik. Man wollte ja auch etwas Vernünftiges lernen. Mein Diplom habe ich 2001, aus damals persönlichen Gründen, erst einmal auf Eis gelegt und angefangen, hauptberuflich mit Pferden zu arbeiten. Die erste Zeit habe ich mich geschämt, so kurz vor dem Abschluß das Studium geschmissen zu haben. Jetzt sehe ich es etwas anders. Das man sich manchmal wünscht, etwas anderes machen zu können, ist klar. Das geht doch fast jedem Menschen in seinem Job so - und klar fänden wir es mal toll, für nur eine Woche gemeinsam Urlaub machen zu können - aber allein, wenn man morgens zum Füttern in den Stall kommt und die Köpfe fliegen hoch und man wird freundlich begrüßt, weiß man genau, warum man das alles tut."

Fleygur: "Nina, was wir immer schon mal wissen wollten, Du giltst in der Szene als eine der talentiertesten Reiterinnen. Was ist dein Geheimrezept?"

Nina: "Es gibt eigentlich kein Geheimrezept. Ich hatte einfach das Glück, dass mein Papa ein pferdebegeisterter Mensch ist und mir viel ermöglicht hat. Ich konnte jeden Tag reiten und war in den Ferien oft bei Anne Trappe auf Brock, wo wir (Melissa, Fatma, Lio und ich) ebenfalls viel mit Pferden unternehmen durften. Unterricht gab es in dieser Form, wie es das heute gibt, noch nicht und so habe ich schnell begriffen, dass die Pferde dein bester Lehrer sind und ich habe angefangen, ihnen zuzuhören und versucht, sie zu verstehen. Natürlich haben auch Menschen meinen Weg geprägt. Meine Zeit bei Andreas Trappe war Gold für mein Verständnis in der Pferdeausbildung und seitdem holt man sich hier und da eine neue Idee von den unterschiedlichsten Menschen und Pferden und nimmt sie in seine Arbeit mit auf."

Fleygur: "Stichwort Unterricht. Wie kann man sich Nina Müller und Hólmgeir Jónsson als Trainer vorstellen? Sind eure Vorstellungen in Punkto Ausbildung von Pferd und Mensch konform oder gibt es auch Dinge die ihr grundsätzlich anders macht?"

Nina: "Als Trainer sind wir lustig und der Unterricht richtet sich nach der Mensch- Pferd- Kombination aus. Was können sie, was wollen sie, wo liegen die Probleme und wie können wir zu dritt das angestrebte Ziel erreichen. Hólmgeir und ich haben verschiedene Schwerpunkte, so dass man sagen kann, man findet viele Antworten hier bei uns auf Hestabakki, da wir unser Wissen für die Schüler kombinieren. Es liegt uns einfach am Herzen, dass es mit Reiter und Pferd klappt und alle fröhlich sind. Anders machen wir eigentlich nichts. Wir denken viele Wege führen nach Rom. Der eine Trainer macht es so und kommt zum Ziel und wir machen es so. Die Chemie muss stimmen und der Schüler muss mit unserer Unterrichtsidee halt etwas anfangen können."

Fleygur: "Hólmgeir, Du gibst Rennpasskurse und reitest den Rennpass auch selbst erfolgreich auf Turnieren. Wie ist deine Meinung zum Passreiten in der Fünfgangprüfung auf der Ovalbahn? Kann ein Pferd auf so kurzen Strecken guten Rennpass zeigen und ist ein harmonisches Reiten / Legen hier überhaupt möglich oder sollte der Rennpass nur auf der Passbahn ausgetragen werden?"

Hólmgeir: "Sicherlich eine Frage, die im Moment scharf diskutiert wird und auch schwer zu beantworten ist. Ich versuche es kurz zu halten. Das Rennpassreiten auf der Ovalbahn setzt sicherlich eine gute dressurmäßige Ausbildung des Pferdes voraus (ähnlich wie beim Tempoverstärken in der T1). Leider vergessen manche Pferde auch mal die gute Ausbildung und sie wollen mit dem Kopf durch die Wand und sich nichts mehr sagen lassen - und ich weiß wovon ich rede. Ich bin auch ein Isländer mit Temperament. Es hängt auch vom Pferd ab. Ein guter "Ovalbahnpasser" ist nicht immer ein gutes Pferd auf der Strecke. Die brauchen die Sicherheit, dass sie von A nach B können und machen es gut. Auf gerader Strecke wären diese Pferde total verloren. Für den guten Streckenpasser ist es auf der Ovalbahn sicher schwieriger. Ich denke, dass wir nicht die Frage nach Oval- oder P- Bahn stellen müssen. Wir müssen Wege finden, unsere Pferde immer weiter dressurmäßig auszubilden, damit sie den Anforderungen standhalten können."

Fleygur: "Noch eine Frage zum Pass: Woran erkennst du die Eignung eines Pferdes zum Rennpasser und wonach suchst du deine Turnierpferde aus?"

Hólmgeir: "Das ist ganz einfach. Ein guter Passer muß über viel Vorwärtsidee und eine gute Passqualität verfügen. Daneben muss er Eigenschaften wie Mut und Eigenwillen haben - eigentlich muss das Pferd genauso bescheuert sein wie ich, aber es muss auch cool und abwartend sein, was in der Startbox extrem wichtig ist. Die Pferde müssen selber gewinnen wollen und das ist etwas, was du fördern aber ihnen nicht beibringen kannst. Meine Top- Pferde haben bislang mich ausgesucht. Das Budget ist klein und so einen Starpasser muss man sich erst mal leisten können. Vielleicht will ich das ja auch gar nicht. Ich habe viel Freude daran, mit interessanten Passpferden unseren Erfolg zu erarbeiten und auszubauen."

Fleygur: "Es wird zur Zeit diskutiert, ob das Islandpferd immer 5 Gänge haben sollte, und ob es in punkto Rennpass nötig ist, Pferde aus Island zu importieren, um die Rennpassqualitäten der hiesigen Pferde noch zu optimieren. Was haltet ihr davon und berücksichtigt ihr das in eurer Zucht?"

Hólmgeir: "Das können wir nur bedingt unterschreiben. Wir haben auschliesslich Fünfganghengste in unserer Zucht, was sicherlich auch daran liegt, dass wir die fünfgängigen Pferde persönlich sehr gerne mögen. Die Viergänger darf man in der Zucht aber auf keinen Fall vernachlässigen. Wir wollen sie als Reitpferde und wir brauchen sie in der Zucht, um das Gleichgewicht zwischen vier- und fünfgängigen Pferden zu halten. Der eine bringt das mit und der andere bringt etwas anderes mit. Nachher kommt es auf die Anpaarungen an - wir würden z.B. niemals einen sehr harten Viergänger, wie unsere Disa v. Habichtswald, eine der besseren Viergänger in Deutschland, mit einem Vierganghengst anpaaren. In unseren Augen ist die Gefahr, dass der natürliche Tölt verloren geht, zu hoch. Ob wir speziell Zuchtpferde aus Island bezüglich der Passverbesserung importieren müssen, sei dahingestellt. Die Isländer sind uns momentan in der Zucht sicherlich einen Schritt voraus und wir denken schon, dass wir stets frisches "Blut" aus guten Zuchtideen der anderen Länder brauchen können, um unsere hiesige Zucht zu verbessern. Dennoch sind wir sicher, dass wir in Deutschland sehr gute, spannende Vererber am Start haben, wo es sich lohnt, diese auch zu nutzen. Wie schon gesagt - es kommt auf die Anpaarung an und was man will."

Fleygur: "Die Rennpasser machen ja bestimmt nur einen kleinen Teil eurer Zucht aus. Was sind denn überhaupt eure Zuchtziele bzw. Zuchtideen?"

Nina: "Unser Zuchtziel sind Pferde mit einem sehr guten, höflichen Charakter, mit fröhlichem Temperament und viel Freude an der Arbeit. Das Exterieur soll weitgehend korrekt sein und sie sollen über viel natürliches Gleichgewicht verfügen und mit einer guten Hinterhandaktivität ausgestattet sein. Eine natürliche Töltidee der Pferde ist uns auch sehr wichtig. Unsere Zuchtstuten sind im Moment alles Fünfgangstuten mit sehr gutem Temperament - sie haben hier und da kleine Schwächen, die unsere hofeigenen Hengste bislang sehr schön ausgeglichen haben (natürlich leisten wir uns manchmal auch gute Fremdhengste, die neuen Wind in unsere Zucht bringen), so dass wir schon auf sehr schöne Pferde aus der Hestabakkizucht zurückblicken können. Ob Freizeit- oder Turnierpferd ist bei uns kein Maßstab - ein gutes Pferd ist ein gutes Pferd und da ist es egal, für welchen Bereich es genutzt wird. Wichtig ist auch für uns, dass unsere Pferde von der breiten Masse geritten werden können.Was nun die Zucht von Rennpassern betrifft, können wir sagen, dass ein guter Passer nicht speziell gezüchtet wird. Er wird einfach geboren und wenn alle Komponenten zusammenpassen (Veranlagung + Ausbildung), dann hat man vielleicht den nächsten "Renner" für Hólmgeir im Stall."

Fleygur: "Als wir uns Euer neues Kursprogramm 2009 angeschaut haben, sind wir über einen Kurs "isländisch Reiten, Sprechen und Singen" gestolpert. Was hat es damit auf sich?"

Hólmgeir: "Das ist ein lustiger und lehrreicher Kurs. Wir wollten ein Alternativprogramm zu den üblichen Lehrgängen schaffen. Ein wenig zurück zu der Islandpullifraktion (in keinster Weise negativ gemeint). Die Kursteilnehmer erhalten drei Unterrichtseinheiten mit mir. Anstelle der Theorie und Videobesprechungen, werden sie in die Geheimnisse der isländischen Sprache, durch unseren guten Freund Björn eingeweiht (bei dem Nina überigens auch alle zwei Wochen versucht, des Isländischen mächtig zu werden). Samstagabend gibt es Grillen mit Gesang und Sonntagnachmittag erfolgt ein gemeinsamer Ausritt mit Picknick und noch mehr Gesang."

Fleygur: "Wenn ihr euch eine Person aus dem Bereich der Islandpferdeszene in Deutschland aussuchen könntet, mit wem würdet ihr gerne mal bei einem gemeinsamen Ausritt ein längeres Gespräch führen und zu welchem Thema?"

Nina: "Ui, schwer zu sagen. Wir haben guten Kontakt zu vielen Menschen aus der IPZV Szene und wir unterhalten uns mit allen netten Menschen sehr gerne über viele Dinge. Wir treffen uns zum Beispiel einmal im Monat mit Suzan Beuk zum Erfahrungsaustausch und Training - sechs Augen sehen mehr als zwei. Wir würden uns aber, auf die Frage bezogen, gerne mal wieder mit Horst Becker an einen Tisch setzen, da er unseren Blickwinkel immer wieder aufs Neue erweitert hat und wir haben vor, uns mit anderen Trainern aus den unterschiedlichsten Sparten zu unterhalten und uns trainieren zu lassen, um immer mehr Ideen in unser tägliches Training einbeziehen zu können."

Fleygur: "Das neue Jahr hat gerade begonnen, natürlich wünschen wir euch dafür vor allem viel Glück und Erfolg. Was sind eure Wünsche und Ziele für 2009?"

Nina: "Unsere Wünsche für 2009 sind sicher viel Gesundheit für unsere Familie, unsere Pferde und natürlich auch für uns. Das letzte Jahr war in dieser Hinsicht etwas gruselig für uns - nachdem wir lange Jahre kaum Pech hatten, hat es uns 2008 arg gebeutelt und wir mußten uns von sieben Pferden aller Altersklassen verabschieden. Zwischendurch wußten wir gar nicht mehr, woher wir die Kraft zum Weitermachen nehmen sollten aber es ging irgendwie (hier gilt der Dank an Freunde, Familie und die Pferde, die jeden Tag unsere Aufmerksamkeit gefordert haben). Aus sportlicher Sicht wollen wir dieses Jahr mit unseren beiden Pferden Skarpur v. Hestabakki und Disa v. Habichtswald gut in der Szene mitmischen."

Hólmgeir: "Wir wünschen uns auch, dass unser neuer Hengst Hörður v. Neddernhof im Herbst eine gute FIZO absolviert. Ja und dann freuen wir uns dieses Jahr auf die Ausbildung von sechs Jungpferden aus unserer Zucht - spannend."

Fleygur: "Gehen wir noch etwas witer in die Zukunft. Nina Müller und Hólmgeir Jonsson in 10 Jahren, was werdet ihr dann tun und wie sieht es dann auf Hestabakki aus?"

Hólmgeir: "Wir hoffen, dass wir dann fit genug sind, unseren Traumjob weiter ausüben zu können. In unserem Alter ist es, denken wir, legitim solch Aussagen zu treffen."

Nina: "Wir sind ja auch nach wie vor noch auf der Suche nach einem anderen Hof in dieser Gegend und wir hoffen, dass wir dann in 10 Jahren, von unserem eigenen Hof, auf dieser schönen Homepage in einem weiteren Interview berichten können und dürfen.
In unserern Augen ist eure Fleygur Seite stets informativ und lesenswert."

Fleygur: "Na, für ein erneutes Interview werden doch hoffentlich nicht erst 10 Jahre vergehen müssen! Als große Hestabakki-Fans bleiben wir Euch ohnehin auf den Fersen....
Wir danken für das Interview und die Einblicke und auch für Euer Lob der Fleygur-Seiten.
Wir freuen uns bereits sehr (und sind auch - gestehen wir - schon etwas aufgeregt) auf die verabredete Fleygur-Trainingsstunde bei Nina, wenn sie das nächste Mal wieder hier in der Ecke ist........ "

Hólmgeir mit Skarpur von Hestabakki


 

 

 


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