Fleygur: "Gaby, Ihr betreibt eine traumhafte Anlage für Islandpferde und Reiter. Wie kam es zum Sonnenhof und wann ist eigentlich das erste Islandpferd hier eingezogen?"
Gaby: "Der Ursprung des Sonnenhofes lag natürlich in der Liebe zu den Pferden. Seit meiner Jugend habe ich immer schon geritten, damals noch Warmblüter. Als unsere beiden Kinder Nora und Sarah klein waren, suchten wir nach einem gemeinsamen Hobby für die ganze Familie. Natürlich lag der Gedanke an die Reiterei nah. Nun ging es aber noch um die Entscheidung, was für Pferde es sein sollten. Ich hatte da einmal etwas über diese kleinen, widerstandsfähigen Pferde aus dem hohen Norden gelesen, die sogar noch so eine Spezialgangart besaßen. Nach einigen Erkundigungen über Islandpferde ritten wir im Sommer 1984 das erste Mal auf ihnen. Danach stand die Entscheidung fest, Isländer sollten unsere neuen Familienmitglieder werden. So zogen im Juli 1984 die ersten beiden Islandpferde Tigull und Hrakför bei uns auf dem Hof ein. Schnell war klar, bei zwei Pferden würde es nicht bleiben und die Herde wuchs beständig. Als dann die ersten beiden tragenden Zuchtstuten Jorun und Tanja Einzug auf dem Hof hielten, entstand neben den, bis dahin den Alltag bestimmenden Schweinen, unsere Islandpferdezucht. Das waren die Anfänge des Sonnenhofes, der sich seitdem stetig weiter entwickelt hat."
Fleygur:
"Ihr seid ja ein Familienbetrieb, in dem Ihr
gemeinsam mit Euren Töchtern tätig seid.
Wie kann man sich das Zusammenleben und -arbeiten
bei Euch vorstellen?"
Gaby: "Darauf sind wir sehr stolz. Bei uns hat jeder sein eigenes Spezialgebiet. Natürlich sprechen wir uns viel ab und die besten Ideen entstehen gemeinsam. Das wichtigste ist, dass jeder seine Freiheiten hat und wir dennoch viel zusammen machen. Ich denke, es ist schon etwas ganz besonderes, wie wir es hier bei uns auf dem Sonnenhof haben, als ganze Familie gemeinsam so zu leben und zu arbeiten. Wir haben immer großen Wert auf die vielseitige Ausbildung von uns und unseren Kindern gelegt, wodurch ein sehr kompetentes Team entstanden ist. Unsere beiden Töchter haben die IPZV Trainer B Lizenz. Während Sarah sich im Moment etwas mehr der eigenen Familienplanung und dem Ende ihres Medizinstudiums widmet, hat Nora sich ganz der Reiterei und der Landwirtschaft verschrieben. Sie plant dieses Jahr ihren Trainer A Schein zu machen, ist Pferdewirtin und hat im letzten Jahr ihr Landwirtschaftstudium erfolgreich abgeschlossen. Wir können uns sehr glücklich schätzen, dass unsere beiden Töchter das Potential haben, den Sonnenhof zu übernehmen und weiter zu führen. So machen Investitionen in den Betrieb besonders viel Spaß. Dazu kommt noch, dass mein Mann Uli Ausbilder für Pferdewirte ist, wodurch wir immer weitere, sehr kompetente, Mitarbeiter in unserem Team haben. Das zeigt sich auch darin, dass alle, die ihre Ausbildung oder ein längeres Praktikum bei uns absolviert haben und anschließend eine Trainer Lizenz erworben haben, zu den Besten ihrer Kurse gehörten. Auch darauf sind wir sehr stolz. Abschließend kann ich sagen; durch unsere verschiedenen Charaktere können wir viele verschiedene Kunden und vor allem verschiedene Pferde optimal bedienen und individuell weiterbringen." Fleygur: "Gibt es eine Art Lebens- und Arbeitsmotto auf dem Sonnenhof?" Gaby: "Ganz oben steht bei uns das Wort "Respekt". Das gilt sowohl gegenüber allen Pferden und Lebewesen bei uns auf dem Hof, als auch unter den Menschen. Gerade der Reitunterricht und die Pferdeausbildung stehen unter dem Motto "Verstehen und Verständigung". Diese beiden Punkte sind uns ganz wichtig, denn ich denke, dass nur der, der versteht, sich auch dauerhaft verbessern und lernen kann. Es hat für uns keinen Zweck, wenn jemand unter Anleitung wunderbar reiten kann, aber das Gelernte nicht so verinnerlicht hat, dass er alleine weiter üben kann. Dann gibt es noch solche Schlagworte wie: "Horses first" oder "Horsemanship", die bei uns ganz groß geschrieben werden. "
Fleygur: "Gaby, Du hast es in all den Jahren Deiner Arbeit mit den Pferden und Deinen Reitschülern immer ganz genau wissen wollen. Wichtige Stationen Deiner Ausbildung waren Linda Tellingten Jones, Rolf Becher, Pat Parelli, Sally Swift, Wolfgang Marlie und Philippe Karl. Wer dieser Menschen hat Dich am meisten geprägt und wie zeigt sich das heute in Deinem Unterrichtsstil?" Gaby: "Ich denke, alle diese Menschen haben mich in einer gewissen Weise geprägt und mir den Horizont erweitert. Jeder Einzelne hat sicherlich einen gewissen Einfluss auf meinen Unterrichtsstil, dennoch kann und möchte ich nicht sagen: "ich unterrichte nach." das gibt es bei uns nicht. Ich, oder wir bei uns auf dem Sonnenhof, haben unseren eigen Stil in dem sich ohne Frage Elemente verschiedener Reitmeister oder Reitlehrer anderer Reitweisen wiederfinden. Mein Ziel ist es, nicht einfach "blind" ein System zu übernehmen, sondern das Beste für meinen Individuellen Reitschüler und mein individuelles Pferd zusammen zu stellen und dabei immer meiner eigenen Linie und meinen Grundsätzen treu zu bleiben." Fleygur: "Im Januar fand ja wieder das traditionelle Neujahrsspringen bei Euch statt. Turniere und Unterricht im Springen mit Islandpferden werden eher selten angeboten. Wie seid Ihr darauf gekommen diese Marktlücke zu schließen und wie wird das Angebot angenommen?"
Gaby: "Wir haben schon immer sehr viel Wert auf eine vielseitige Ausbildung von Reiter und Pferd gelegt. Dazu gehören unter anderem auch die Bodenarbeit oder das Horseball-Spielen genauso wie Springen und Springunterricht. Wir haben einfach gemerkt, nicht nur den Pferden tut es sehr gut, vielseitig gearbeitet zu werden, auch für die Reiter ist es eine tolle Abwechslung. Demzufolge war es nicht schwer, eine Veranstaltung wie das Neujahrsspringen bei uns zu etablieren. Dass Bedarf an solchen vielseitigen Prüfungen besteht, merkt man auch bei uns auf den großen Turnieren, wo wir seit einiger Zeit eine Springprüfung anbieten. Gerade hierfür melden sich immer viele Reiter an. Genauso bieten wir Reitkurse mit verschiedenen Schwerpunkten, wie zum Beispiel; Dressur, Bodenarbeit, Horeseball oder eben Springen an, die nicht zwangsläufig etwas mit den Spezialgangarten des Islandpferdes zu tun haben. Diese Kurse sind stets gut nachgefragt und man merkt einfach, dass die Reiter sich gerne vielseitig fortbilden möchten."
Fleygur: "Ein Schwerpunkt Eurer Arbeit sind auch die Reiterferien für Kinder und Jugendliche. Was erwartet Eure jungen Gäste bei einem ersten Urlaub auf dem Sonnenhof?"
Gaby: "In erster Linie würde ich sagen, eine spannende abwechslungsreiche Zeit mit ganz viel Spass, vielen neuen Ideen und Eindrücken, einem geselligen Miteinander, individuellem, qualifiziertem Reitunterricht, sehr gut ausgebildete Islandpferde, eine tolle Hofanlage, kompetente Betreuung 24 Stunden, ein vielseitiges Abendprogramm und leckeres Essen. Ich denke, das waren einige Stichpunkte. Was die Ferien auszeichnet ist, dass die Kindergruppen oftmals sehr gemischt sind, angefangen von Kindern, die noch nie auf Islandpferden geritten sind bis hin zu welchen, die mit ihren eigenen Pferden kommen und für bestimmte Abzeichen oder Turniere trainieren möchten. All dieses ist natürlich möglich bei uns. Was uns besonders stolz macht: Es gibt kaum ein Kind, welches nur einmal zu uns kommt, die meisten kommen immer wieder. Manche sogar von ganz weit weg (USA, Hongkong oder auch Italien). Ich denke, das spricht für sich."
Fleygur: "Das hört sich ja paradiesisch an. In welchem Paradies macht die Familie Kollmeyer den Urlaub?" Gaby: "Tja, gute Frage, Urlaub zu Hause ist leider etwas schwierig bei uns. Was wir als Familie schon seit etlichen Jahren gemeinsam machen ist das Skifahren. Wenn es aber um Erholung und Entspannung geht, steht bei uns die Sonne sehr hoch im Kurs. Aber auch eine Reittour auf Island ist für uns immer wieder ein toller und unvergesslicher Urlaub. Man merkt, ganz ohne Pferde und Sport ist es sehr schwer bei uns."
Fleygur:
"Stichwort - Zucht. Seit mehr als zwei Jahrzehnten
züchtet Ihr auch leidenschaftlich. Hat sich Euer
Zuchtziel im Laufe dieser ganzen Zeit verändert
und wenn ja inwiefern?"
Gaby: " Wirklich verändert hat sich das Zuchtziel nicht, dennoch möchten auch wir uns immer weiter entwickeln. Wir legen viel Wert auf leichtrittige Pferde mit gutem Vorwärtsdrang und viel natürlichem, fließendem Tölt, die ausdauernd, gesund und kräftig vom Körperbau sind. Doch entscheidend sind hierfür sicherlich nicht ausschließlich die Gene, auch die Aufzucht und die Ausbildung sind wichtige Faktoren die einen Einfluss auf die Entwicklung der Pferde haben. Dieses sind Punkte, die wir mit größter Sorgfalt betreiben. Natürlich ist es etwas ganz besonderes für einen Züchter ein Ausnahme-Pferd zu züchten, welches man auf den Weltmeisterschaften bewundern kann. So wie wir es 1997 mit der Stute Irja vom Sonnenhof geschafft haben. Aber planen kann man so etwas schwerlich. Genauso freuen wir uns, Pferde aus unserer Zucht zu bewundern, die die Qualifikationen für die Sportklasse A, oder Heute Leistungsklasse 1, schaffen. Doch auch hier spielt sicherlich eine solide und gute Ausbildung und ein guter Reiter eine wichtige Rolle. So können und wollen wir nicht sagen, wir züchten Freizeit- oder Sportpferde. Ein wirklich gutes Pferd sollte sowohl in der Freizeit als auch auf dem Turnier ein toller und verlässlicher Partner sein und genau das ist unser Ziel."
Fleygur: "Abschließend noch unsere Standardfrage. Mit welcher Person aus dem Pferdesport würdest Du gerne mal bei einem längeren Ausritt ein Gespräch führen und wenn ja zu welchem Thema?" Gaby: "Das ist eine gute Frage, ich würde sagen, Christiane Horstmann wäre eine tolle Ausrittpartnerin. In diesem Gespräch würde es sicherlich um viele verschiedene Dinge gehen, vor allem aber um Horsemanship und Pferde-freundliches Reiten sowie um die Vereinigung "Xenophon" in der Christiane aktiv tätig ist und für die auch wir, einzigartig im Islandpferdebereich, Botschafter sind."
Fleygur: "Vielen Dank Gaby für das Interview. Es ist schon beeindruckend zu hören, wie Ihr aus einem gemeinsamen Hobby einen Familienbetrieb wie den Sonnenhof aufgebaut habt. Das ist wirklich etwas Besonderes, außerordentlich und spricht für ganz viel Engagement, Kompetenz und natürlich Liebe zu den Pferden. Wir wünschen Euch auch für die Zukunft ganz viel spannende neue Entwicklungen- weiter so!" |