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Zum Hof des Jahres 2009

 
 
Fleygur Höfe des Monats

Hof des Monats März 2009 ist
das Islandpferdegestüt "Der Wiesenhof" - 76359 Marxzell
hier geht's zur Fleygur Website vom "Wiesenhof"

 

 

 

Der Wiesenhof ist in vieler Hinsicht ein Islandpferde-Gestüt der besonderen Art. Individuelle Förderung von Mensch und Tier sowie Offenheit für alternative Meinungen und Methoden machen den Wiesenhof seit über 30 Jahren zu einem der renommiertesten Islandpferde-Gestüte des Kontinents und zum Treffpunkt für Pferdefreunde jeden Alters. Hier wird Ihnen der komplette Service rund ums Islandpferd geboten.

von Links nach rechts: Helga und Bruno Podlech, Markus und Bernhard Podlech
unten: das Wiesenhof-Team

Fleygur: "Herr Podlech, Sie haben Ende letzten Monats eine weitere große Auszeichnung erhalten: den "FEIF Award" für Ihre jahrzehntelangen Verdienste rund um das Islandpferd und die Islandpferdegemeinschaft. Hierzu möchten wir Ihnen erstmal ganz herzlich gratulieren!

Drei Generationen Islandpferdezucht und eines der größten und renomiertesten Islandpferdegestüte auf dem Kontinent: Herr Podlech, Ihr Vater war einer der Pioniere der Islandpferdezucht in Deutschland, Sie und Ihre Frau haben eines der erfolgreichsten Gestüte aufgebaut und Ihre Söhne führen inzwischen Teilbereiche des Gestüts und der zugehörigen Landwirtschaft eigenständig weiter:
Was war und ist Ihr Erfolgsrezept, und haben Sie jemals an Ihrem Weg gezweifelt?"

Bruno Podlech: "1957, als die ersten Pferde auf den Kontinent kamen, herrschte natürlich noch viel Pioniergeist. Keiner wußte wirklich was Tölt oder Pass ist und wie man auf die Gangverteilung eines Islandpferdes Einfluss nehmen kann. Wir hatten auch kaum Informationen zur Gangvererbung. So sammelte ich Wissen aus Erfahrungen isländischer Bauern, indem ich immer ganz genau nachfragte, von welchem Hengst und welcher Stute die Reitpferde abstammten. Außerdem nahm ich die Kenntnisse über allgemeine Tierzucht und die Linienzuchterfahrung von Gunnar Bjarnason zu Hilfe. Aus den Beobachtungen und Erfahrungen bei der Ausbildung sehr unterschiedlicher Pferde, Einkäufen in Island und durch den Umgang mit anderen Mehrgangrassen entwickelte ich schließlich die Gangverteilungsskala, die heute eine der Grundlagen der Wiesenhof-Zucht darstellt.
An meinem Weg habe ich nie gezweifelt, sonst wäre ich heute nicht da, wo ich bin."

Fleygur: "Im Lauf der Zeit ist der Wiesenhof ja von einem "Hof" zu einem "Unternehmen" herangewachsen. Sie haben über 300 Pferde und mehr als 20 Mitarbeiter und bieten fast alles an, was es im Islandpferdebereich gibt. Sehnen Sie sich manchmal zu den Anfängen auf einem kleineren – vielleicht leichter überschaubaren Gestüt zurück?"

Bruno Podlech: "Eigentlich nicht. Wir haben viele langjährige Mitarbeiter, die alle zu hundert Prozent hinter dem Wiesenhof und ihrer Arbeit stehen und einen wirklich guten Job machen. Dadurch fällt es nicht schwer, so einen großen Hof zu leiten und es bereitet auch viel Freude. Wir alle sind so zusagen mit dem Wiesenhof gewachsen."

Fleygur: "Sie haben für all das natürlich auch sehr hart gearbeitet. Was war für Sie persönlich das härteste Opfer, das sie für diesen Erfolg bringen mussten?"

Bruno Podlech: "Ich habe meine Arbeit niemals als Opfer empfunden. Mein Hobby ist mein Beruf und mein Beruf ist mein Hobby, das ist bis heute so. Ich glaube die viele investierte Zeit als Opfer zu betrachten, ist die falsche Einstellung, um Erfolg haben zu können."

Fleygur: "Vielleicht eine ungewöhnliche Frage, aber „Reiten nur so zum Vergnügen“ gibt es das bei Ihnen noch? Wir meinen damit z.B. Tage, an denen Sie ganz privat ausreiten, ohne dabei gerade gleichzeitig ein Pferd auszubilden, so etwa mit langem Zügel durch den Wald, einfach nur um die Natur und den Augenblick zu genießen?"

Bruno Podlech: "Da stellt sich für mich die Frage „Was sehe ich im Reiten?“ Für mich ist es das schönste, beim Reiten intensiv mit dem Pferd verbunden zu sein. Dafür ist es aber wichtig, das Pferd vorher über eine geeignete Gymnastizierung in seine natürliche Balance gebracht zu haben. Dann stellt sich diese „Seelenverbindung“ zwischen Pferd und Reiter automatisch ein. So reite ich auch in meiner Freizeit."

Fleygur: "Der Wiesenhof ist ja mehr als ein reines Islandpferdegestüt. Sie betreiben aktive Landschaftspflege mithilfe von Islandpferden und Angusrindern. Wie funktioniert das?"

Markus Podlech: "Die Landwirtschaft des Wiesenhofs bewirtschaftet insgesamt 250 Hektar Land und produziert ihr komplettes Rauhfutter nach EU-Bio-Richtlinien selbst. Hinzu kommt die Landschaftspflege, ohne die die Täler im Albtal zustrauchen bzw. zuwuchern würden. Wir erhalten also die offene Landschaft, die sonst als Naherholungsgebiet verloren ginge. Auch viele der seltenen Tier- und Pflanzenarten, die im Albtal beheimatet sind, würden verschwinden. Ein Teil der Flächen im Albtal sind großzügig eingezäunt und werden durch eine Herde Deutsch-Angus-Kühe und Islandpferde extensiv beweidet. Da die Kühe Pflanzen abfressen, die die Pferde stehen lassen, ist eine wechselweise bzw. gleichzeitige Beweidung durch Kühe und Pferde sehr sinnvoll. Pflanzen, wie zum Beispiel Binsen, die sowohl Kühe als auch Pferde nicht anrühren, werden von Hand gemäht, ausgeräumt und kompostiert. Aber nicht alle Flächen im Albtal eignen sich zur Beweidung. Ca. 90 der insgesamt 135 Hektar werden mechanisch mit einem Mähwerk oder per Hand gemäht."

Fleygur: "Stichwort Zucht: spätestens jetzt ist wieder Zeit, sich über Anpaarungen Gedanken zu machen. Sie sind einer der erfolgreichsten Islandpferdezüchter, waren 2007 auch Züchter des Jahres - und sagen selbst: "Wir Züchten keine Zufälle". Verraten Sie uns Ihr Geheimnis?"

Bruno Podlech: "Dieses Thema ist so komplex, das es wohl den Rahmen dieses Interviews sprengen würde. Aber wir arbeiten weiter daran, die Zucht nach Zuchtziel bzw. nach Verwendungszweck zu perfektionieren. Dafür sollten drei einfache Fragen am Anfang stehen:
1. Was habe ich? Dafür überprüfen wir so eingehend wie möglich die Abstammung, die Eigenleistung, die Verwandtschaftsinformation und Informationen über die Nachkommen.
2. Was möchte ich? Ein dem reiterlichen Können des Kunden angepasstes Pferd züchten. Man kann das Siegerpferd einer Sportprüfung nicht an einen durchschnittlichen Reiter verkaufen, weil er nicht mit diesem Pferd zurechtkommen würde. Unser Motto ist deshalb: Das beste Pferd ist immer das, das genau zum Kunden passt.
3. Wenn wir wissen, wo die Stärken und die Schwächen unserer Stute liegen und wir unser Zuchtziel definiert haben, stellen wir uns als letztes die Frage: Wie komme ich dahin? Um unser Zuchtziel zu erreichen berücksichtigen wir das genetischen Material und die möglichen Kombinationen, schöpfen die Kombinationsmöglichkeiten der Gangverteilungsskala aus und berücksichtigen Charakter, Temperament und Persönlichkeit passend zum Verwendungszweck. Die Auswahl des passenden Hengstes ist dann nicht mehr schwierig, wenn wir einige Grundsätze beachten."

Fleygur: "Am 04. April ist ja auch wieder das beliebte Züchtertreffen auf dem Wiesenhof. Was erwartet die Gäste in diesem Jahr?"

Bernhard Podlech: "Selbstverständlich sollen weiterhin die Zuchtpferde im Mittelpunkt stehen. Und wir möchten weiterhin interessante Informationen rund um die Zucht zur Verfügung stellen. Um die Möglichkeiten zum Gespräch, zum Austausch und zur Diskussion zu verbessern bzw. ihr einen besonders entspannten Rahmen zu geben, haben wir uns etwas Neues ausgedacht: Ein abendliches Buffet im Gästehaus Wiesenhof, das sicher sehr gemütlich wird. Wir beginnen also mit einer Materialprüfung für Jungpferde, präsentieren natürlich unsere Deckhengste für das Jahr 2009, möchten dann einige Zuchtpferde vorstellen, die zum Verkauf stehen und werden anschließend in Schaubildern, die viel Hintergrundinformation liefern sollen, einige unserer „Perlen“ vorstellen. Ja, und dann treffen wir uns beim Buffet wieder. Wir freuen uns schon sehr auf interessante Gespräche."

Fleygur: "Natürlich verkaufen Sie auch viele Pferde. Gibt es ein Pferd, von dem Sie sagen, das ist unverkäuflich und wenn ja warum?"

Bruno Podlech: "Da gibt es eine Reihe von Pferden, denen wir viel zu verdanken haben und die auch große Persönlichkeiten sind. Ein Beispiel ist Hnysa vom Wiesenhof, die uns so viele schöne Nachkommen geschenkt hat. Und natürlich Geysir vom Wiesenhof, mit dem ich viel erreicht habe und zu dem ich eine sehr tiefe Bindung aufbauen durfte, die das Reiten ohne Zäumung überhaupt erst möglich macht. Oder Gustur frá Grund, der ein unbeschreibliches Reitgefühl vermittelt und ein sehr besonderes Pferd mit viel Leistungsbereitschaft und einem tollen Charakter ist."

Bernhard Podlech: "Für mich gibt es auch besondere Pferde, die mir sehr am Herzen liegen, wie Fenna vom Wiesenhof, die wie ihr Vater Gustur frá Grund immer Freude bereitet, der ich viele meiner schönsten Momente beim Reiten zu verdanken habe und mit der ich im Sport sehr erfolgreich war."

Fleygur: "Wir alle kennen die harmonischen Bilder von Ihnen Beiden, auf denen Sie Ihre Hengste "ohne Alles" – also ohne Sattel und Zaumzeug – in allen Gangarten vorstellen. Sie bieten ja auch Seminare zu diesem Thema an. Uns persönlich faszinieren diese Bilder total: kann man als "normaler Mensch" wirklich lernen so zu reiten oder muss man dafür zu den wenigen gehören, die eine besondere Verbindung zum Pferd herstellen können?"

Bruno Podlech: "Im Prinzip steht dieser Weg allen Reitern offen. Man muss allerdings dazu bereit sein, in kleinen Schritten zu arbeiten und in der Lage sein, sich auf das Pferd einzulassen. Die wichtigsten Voraussetzungen sind: Verständnis für die Bewegungen des Pferdes, eine gute körperliche Balance sowie pferdegerechtes denken und handeln. Eine klassische reiterliche Ausbildung hilft dabei sehr. Auch die freie Arbeit mit dem Pferd bildet eine gute Grundlage. Denn was vom Boden aus nicht geklärt ist, kann auf dem Pferderücken nicht funktionieren. Man muss sich auch im Klaren darüber sein, dass bei starken Außenreizen (zum Beispiel einer vorbeilaufenden Pferdeherde) die Einwirkung auf das Pferd nur sehr begrenzt möglich ist. Da gehört dann auch viel Vertrauen von beiden Seiten dazu."

Fleygur: "Welche Voraussetzungen brauchen denn Reiter und Pferd überhaupt, um an so einem Seminar ( Reiten in Balance ) erfolgreich teilnehmen zu können?"

Helga Podlech: "Wir haben diese Seminarreihe in logischen Schritten auf einander aufgebaut. Begonnen wird mit der Freiheitsdressur, einem Lehrgang, bei dem es um die Kommunikation mit dem Pferd über Körpersprache geht – eine wichtige Voraussetzung für das Reiten ohne Zäumung. Um an diesem Seminar teilnehmen zu können, braucht man keine besonderen Voraussetzungen mitzubringen. Ein Interesse an diesem Thema und die Bereitschaft, dem Pferd „zuzuhören“ reicht aus. Wie lange man braucht um von diesem Schritt zum freien Reiten zu gelangen, ist sicher sehr unterschiedlich. Einsteigen kann ein Reiter aber zu jedem Zeitpunkt seiner reiterlichen Ausbildung. Wir holen ihn da ab, wo er gerade steht."

Fleygur: "Wenn Sie sich heute eine Person aus dem Bereich der Pferdeszene aussuchen könnten, mit wem würden Sie gerne mal bei einem gemeinsamen Ausritt ein längeres Gespräch führen und zu welchem Thema?"

Bruno Podlech: "Es gibt eine lange Liste von Personen, mit denen ich mich gerne einmal unterhalten hätte, wie zum Beispiel Nuno Oliveira oder Egon von Neindorff. Natürlich gibt es auch viele interessante Leute aus der eigenen Szene, die das Islandpferd dahin gebracht haben, wo es heute steht."

Fleygur: "Sie haben in Punkto Islandpferde fast alles erreicht. Haben Sie noch besondere Wünsche und Ziele für die nächsten Jahre?"

Bruno Podlech: "Ich würde mir wünschen, das ein generationsübergreifendes Forum ins Leben gerufen wird, in dem das Wissen und die Erfahrung von Menschen, die sich dem Islandpferd aus den verschiedenen Aspekten heraus verbunden fühlen, wie zum Beispiel den Züchtern, Ausbildern von Pferd und Mensch, Sport-, Freizeit- und Wanderreitern, gesammelt, ausgetauscht und weitergegeben wird. Das wichtigste ist für mich die Bereitschaft dem Anderen zuzuhören, so dass ein echtes Gespräch möglich ist, um so die Bandbreite des Islandpferdes erhalten zu können."

Bernhard Podlech: "Da ich gemeinsam mit meinem Bruder Markus mittlerweile viel der Verantwortung übernommen habe, wünsche ich mir besonders, den Wiesenhof genauso erfolgreich und mit ebenso viel Freude weiterführen zu können. Unser Ziel ist es, das Lebenswerk unseres Vaters weiterzuführen und dabei unsere eigene Kreativität einfließen lassen. Wir möchten auch weiterhin auf dem Wiesenhof vielen Menschen und Tieren ein zweites Zuhause bieten und mit viel Freude und Gemeinschaftssinn jeden Einzelnen in seiner weiteren Entwicklung unterstützen können."

"An dieser Stelle möchten wir Fleygur noch ein Kompliment machen, die mit ihrem Portal eine sehr informative Plattform geschaffen haben, die das Kontakte knüpfen unter Islandpferdefreunden erleichtert. Wir wünschen ihnen weiterhin viel Erfolg und danken ihnen für ihr Engagement und die Professionalität, die wir in der bisherigen Zusammenarbeit erleben durften."

Fleygur: "Wir danken Ihnen und freuen uns ganz besonders über Ihr Lob. Wir sind wirklich sehr fasziniert von der bemerkenswerten Erfolgsgeschichte des Wiesenhofs. Unser Name "Fleygur" steht für uns übrigens für unseren persönlichen Traum vom "Fliegen beim Reiten", für ein absolutes Gefühl von Leichtichkeit, Lebensfreude und vollendeter Harmonie mit dem Pferd. Wenn wir Sie auf Ihren Hengsten ohne Zäumung so dahinfliegen sehen, stockt uns zugegebenermaßen ein wenig der Atem. Wir werden konsequent weitertrainieren!"

Bruno Podlech mit Geysir vom Wiesenhof - WM 2007

 

 

 

 


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