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Hof des Jahres 2011

 
 
Fleygur Höfe des Monats

Hof des Monats April 2009 ist der
"Tautschbuchhof" - 88499 Riedlingen-Pflummern
hier geht's zur Fleygur Website vom "Tautschbuchhof"

 

 

 



Auf dem 2007 eröffneten Tautschbuchhof in Riedlingen-Pflummern bieten Ihnen Gudrun Vogel und Therese Scholz den vollen Service rund ums Islandpferd.


Eines Ihrer wichtigsten Ziele ist dabei der individuelle Zuschnitt des Angebots auf jeden Einzelnen Kunden.


links: Das Team

Fleygur: "Frau Vogel, den Tautschbuchhof gibt es ja erst seit 2007. Wie kamen Sie als Ergotherapeutin darauf, sich zusätzlich als Betreiberin eines Islandpferdehofes selbständig zu machen?"

Gudrun Vogel: Als spät berufene Reiterin und Mutter einer pferdebegeisterten Tochter wurde ich im Frühjahr 2005 glückliche Besitzerin zweier Islandpferde. Sie standen damals als Pensionspferde in einem kleinen Offenstall. Sehr schnell entstand der Wunsch, die Tiere immer um sich zu haben und mit ihnen auch zu arbeiten. Der nahe liegende Gedanke war, zunächst das ergotherapeutische Angebot durch eine pferdegestützte Therapie zu ergänzen.
Im Verlauf der Planungen und der Bauzeit entwickelten sich, fast selbsttätig, ganz andere Dimensionen. Es lag nahe, unser Angebot auch an andere Zielgruppen zu richten. Das war nur mit der Einstellung einer Reitlehrerin möglich, ich selbst arbeite vor allem mit sehr unsicheren Erwachsenen und Kindern bzw. eben therapeutisch. Inzwischen liegt unser Schwerpunkt tatsächlich auf dem individuellen Reitunterricht für alle Altersklassen, vom Grundschulkind bis zum älteren Reitanfänger, vom sportbegeisterten Jugendlichen bis zum anspruchsvollen Freizeitreiter oder Sportreiter. Von Anfang an boten wir über das ganze Jahr verteilt Ferienwochen für Kinder und Jugendliche an. Besonders wichtig ist uns eine gute Atmosphäre und ein auf die aktuell anwesenden jungen Reiter zugeschnittenes reiterliches und kreatives Angebot. Seit Therese Scholz bei uns ist bieten wir regelmäßig spezielle Reitkurse an, es kann aber auch außerhalb der Reihe individueller Unterricht gebucht werden. Übernachtungen und Mitversorgung im Haus sind kein Problem.
Auf Wunsch und Anfrage arbeite ich nach wie vor therapeutisch, je nach individueller Zielsetzung. Die Atmosphäre ist geprägt durch das persönliche Eingehen auf jeden einzelnen Kunden. Wir wollen kein Allerweltsbetrieb sein, der therapeutische und künstlerische Hintergrund bildet sozusagen die Basis für eine verantwortliche und vertrauensvolle Begegnung zwischen Menschen und Pferden.

Fleygur: "Frau Vogel, Sie sind ausgebildete Ergotherapeutin mit eigener Praxis, haben viele Jahre in der Psychiatrie mit Erwachsenen und in den letzten 13 Jahren schwerpunktmäßig mit Kindern und deren Eltern gearbeitet. Warum, glauben Sie, ist das Islandpferd besonders geeignet für die Arbeit mit Menschen?"

Gudrun Vogel: " Unsere ruhigen und zugewandten Islandpferde haben eine sehr positive Ausstrahlung. Auch Menschen, die in ihrem Leben wenig Gelegenheit zum Umgang mit Pferden hatten, aber vielleicht schon immer gern einmal geritten wären, können sich auf die kleinen freundlichen Pferde mit viel weniger Angst einlassen, als beispielsweise auf ein Pferd mit erheblich höherem Stockmaß. Zurzeit leben bei uns zwölf Isis in einer gemischten Herde, sie bewegen sich in einem 200 qm großen Offenstall und gelangen über 3 Ausgänge in einen 700 qm befestigten Paddock, der sich in alle vier Himmelsrichtungen erstreckt. So sind unsere Tiere, auch während dem Winter mit seinen eingeschränkten Möglichkeiten zum Weidegang, entspannt und guter Dinge. Das Beobachten der individuellen Pferdepersönlichkeiten, des Verhaltens der Tiere in der Herde untereinander und dann wieder zum jeweiligen Menschen, bietet ein spannendes Lernfeld. Es bietet sowohl im alltäglichen als auch im therapeutischen Umgang mit den Tieren einen hohen Selbsterfahrungswert.
Die Hauptarbeit bestreitet zurzeit aber Therese Scholz. Mit ihr habe ich seit dem letzten Herbst eine Reitlehrerin gefunden, die meinen Vorstellungen vom Umgang mit Pferden und einem qualifizierten und pferdegerechten Reitunterricht voll und ganz entspricht."

Fleygur: "Frau Scholz, Sie bilden Ihre Pferde und auch Berittpferde nach klassischen Prinzipien aus, worin sehen Sie den Hauptunterschied zu der gängigen Ausbildung von Islandpferden?"

Therese Scholz: "Die einzige Vorgabe, die es vom IPZV gibt ist die Ausbildung zum Jungpferdebereiter, hier wird aber nicht näher auf eine bestimmte Ausbildungsmethode eingegangen, sondern es ist lediglich festgelegt, was das Pferd nach 3 Monaten können soll. Ich halte es für utopisch, ein Pferd in so kurzer Zeit reell so weit auszubilden, wie es vom IPZV gefordert wird. Mir ist es sehr wichtig, dass die Pferde am Anfang ihrer Reitpferdekarriere sehr viel Zeit bekommen. Das Pferd sollte nie Angst oder Stress haben. Die meisten Jungpferde sind sehr lernwillig, neugierig und haben Spaß an der Arbeit, das sollte man sich unbedingt erhalten. Möglich ist das nur, wenn das Pferd nicht überfordert wird. Zum einen muss ich immer darauf achten, dass das Pferd die Anforderung versteht und dass ich jedes Verhalten des Pferdes kommentiere, nur so kann das Pferd wissen, ob es das Richtige gemacht hat. Zum anderen muss ich mir bewusst sein, dass ein Pferd nicht dazu geschaffen ist, einen Reiter zu tragen. Ich muss es auch körperlich in die Lage versetzen, mich tragen zu können. Das erreiche ich durch gezielte Gymnastizierung. Zunächst vom Boden aus und später unter dem Sattel.
Dem wird oft zu wenig Beachtung geschenkt und viele Pferde leiden unter dem falschen oder mangelhaften Training, bzw. müssen langwierig korrigiert werden, was nicht nötig wäre, wenn ihnen von Anfang an mehr Zeit für ihre Entwicklung als Reitpferd gegeben würde.

Fleygur: "Frau Scholz, die klassische Reitweise ist ja nicht gerade typisch für Islandpferde, wie sind Sie darauf gekommen?"

Therese Scholz: "Mir ging es schon immer darum, mein Pferd nicht zu bezwingen, sondern mit ihm zu einem harmonischen Team zusammen zu wachsen. Früher dachte ich auch, das hätte ich ganz gut hinbekommen, bis ich mein zweites Pferd, eine sehr sensible Stute kaufte, und sie mir schon nach kurzer Zeit jegliche Mitarbeit verweigerte. Da wurde mir klar: Ich musste irgendwas ändern. Ich habe dann viel rumprobiert und Lehrgänge bei verschiedenen Ausbildern besucht. Schließlich bin ich auf die klassische Reitweise umgestiegen und meine Stute ist inzwischen ein zufriedenes, gesundes und kooperatives Pferd, das Spaß hat bei der Arbeit - das ist für mich das Allerwichtigste."

Fleygur: "Frau Scholz, die akademische Reitkunst umfasst ja die Ausbildung des Pferdes in Stufen, angefangen bei der Bodenarbeit bis hin zu den Schulen über der Erde. Wieweit kann ein Islandpferd hier überhaupt kommen?"

Therese Scholz: "Die wichtigste Frage ist nicht, wie weit ein Islandpferd kommen kann, sondern wie lange es dauert bis es bestimmte Lektionen ausführen kann und welche Qualität der einzelnen Lektionen schließlich erreichbar ist. Im Endeffekt ist das aber auch gar nicht wichtig, im Vordergrund steht ja nicht, bestimmte Lektionen wie Kunststücke zu beherrschen. Die Lektionen sind eher der Weg zum Ziel. Es geht doch vor allem darum, immer feiner mit dem Pferd kommunizieren zu können, mit immer weniger Hilfen auszukommen und das Pferd gesund und munter zu erhalten. Wie weit das geht, hängt ganz entscheidend vom einzelnen Pferd-Reiter-Paar ab (nicht nur bei den Islandpferden). Der Ausbildungsstand vieler Pferde (und Reiter) ist unzureichend. Gerade wenn man sich auf den Turnierplätzen umschaut, stellt man schnell fest, dass oft schon die ersten beiden Punkte der Ausbildungsskala, Takt und Losgelassenheit, nicht erfüllt sind. Zurzeit ist es sehr in Mode gekommen an der Haltung des Pferdes zu arbeiten. Das ist meines Erachtens grundlegend falsch. Die Haltung des Pferdes ergibt sich immer von selbst aus der bisherigen Arbeit heraus. Wenn das Pferd den Kopf hochreißt und den Unterhals herausdrückt, ist in der Ausbildung gehörig etwas schief gelaufen. Riegeln oder der Einsatz von Hilfszügeln sind sicherlich nicht der richtige Weg um solche Ausbildungsmängel zu beheben."

Fleygur: "Frau Scholz, wie vermitteln Sie klassische Dressur im Reitunterricht?"

Therese Scholz: "Es ist schon manchmal schwierig, dem Wunsch des Kunden gerecht zu werden und der eigenen Linie treu zu bleiben. Es gibt gewisse Dinge, die ich strikt ablehne, wie z.B. den Einsatz von Hilfszügeln, oder ein Pferd unter Druck zu setzen damit es töltet. Grundsätzlich bin ich aber für viele Wünsche offen. Ich freue mich immer, wenn Reitschüler eigene Ideen davon haben, was sie lernen wollen. Wir bieten auch viele Lehrgänge zu verschiedenen Themen an. Klassische Dressur ist ja kein Thema für sich, es ist eher eine Einstellung zum Pferd und zum Reiten und diese Einstellung möchte ich meinen Schülern vermitteln. Reiten soll dem Reiter, aber genauso auch dem Pferd Spaß machen. Dazu gehört natürlich auch eine breitgefächerte theoretische Grundlage."

Fleygur: "Frau Scholz, nehmen Sie selbst auch regelmäßig Unterricht und wenn ja, bei wem?"

Therese Scholz: "Ich habe früher bei etlichen Ausbildern Unterricht genommen und bin dann schließlich bei Thomas Haag hängen geblieben. Durch sein umfangreiches Fachwissen sind mir viele Lichter aufgegangen. Seine Ausbildungsmethode erscheint mir sehr sinnvoll und gut strukturiert. Ich habe dann auch ein Jahr bei ihm auf Schloß Neubronn gearbeitet, was mich unglaublich weiter gebracht hat. Im März hatte ich das erste Mal Unterricht bei Isabel Steiner. Sie ist Ritterin der akademischen Reitkunst und züchtet selbst Paso Peruanos. Auch sie bringt also die klassische Reitweise und Gangpferde zusammen. Ich freue mich, dass sie in Zukunft regelmäßig Lehrgänge bei uns abhalten wird - so habe ich eine hervorragende Möglichkeit zur eigenen Weiterbildung. Thomas Haag und Isabel Steiner sind beide Schüler von Bent Branderup, sie legen viel Wert auf eine ruhige und entspannte Atmosphäre beim Unterricht. Das ist mir sehr wichtig, denn unter Druck können weder ich noch meine Pferde etwas lernen."

Fleygur: "Frau Scholz, mit welcher Person aus dem Pferdesport würden Sie gerne mal bei einem längeren Ausritt ein Gespräch führen und zu welchem Thema?"

Therese Scholz: " Viele interessante Persönlichkeiten aus dem Pferdesport sind schon lange tot. Aus der heutigen Zeit wäre meine Wahl Bent Branderup. Auf ein bestimmtes Thema würde ich mich aber nicht festlegen wollen."

Fleygur: "Der Tautschbuchhof in 10 Jahren. Wie sehen Ihre Wünsche und Pläne für die Zukunft aus?"

Gudrun Vogel: " Wir Beide wären glücklich, wenn sich bis dahin eine Menge Gleichgesinnter um uns scharen würde, um gemeinsam eine kleine Basis zu bilden, für eine auf die spezifischen Eigenschaften des Islandpferdes bezogene klassische Reitweise. Wir wollen ein kleiner, aber erfolgreicher Betrieb sein, der sich vor allem durch Qualität und individuelle Betreuung auszeichnet und wo Pferde und Reiter sich wohl fühlen. Außerdem hoffen wir natürlich, dass wir uns in der Islandpferdeszene etablieren können. Therese Scholz ist noch wenig bekannt, und wir würden uns riesig freuen, wenn sich möglichst bald viele Leute zu unseren Lehrgängen anmelden und damit auch an unseren Zielen mitarbeiten würden.

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!"

Fleygur: "Vielen Dank für das spannende Interview und Ihnen Beiden viel Erfolg!"

 


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von links: Gudrun Vogel und Therese Scholz www.theresescholz.de

 
     
 

 

 

 


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