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Hof des Jahres 2011

 
 
Fleygur Höfe des Monats

Hof des Monats Mai 2010 ist das
"Islandpferdegestüt Idablick " - 99094 Erfurt
hier geht's zur Fleygur Website vom "Islandpferdegestüt Idablick"

 



Das Gestüt Idablick, gegründet im Jahr 2000, befindet sich mitten im Steigerwald, Nahe der A4 und 10min vom Erfurter Ortskern entfernt.

Auf einem Gelände von 28 ha und für Isländer nahezu perfekten Bodenverhältnissen, haben Anja Dills und Familie beste Voraussetzungen geschaffen, um diese robuste Rasse artgerecht zu halten und züchten.


links: Anja Dills und ihre Tochter

Fleygur: "Anja, Ihr werdet dieses Jahr Euer 10-jähriges Züchterjubiläum feiern. Was
hat Euch damals bewogen mit der Islandpferdezucht zu beginnen und wie hat
sich Eure Zucht seither entwickelt?"

Anja Dills: "Vor 38 Jahren begann ich dressurmäßig auf Großpferden intensiv zu reiten und bestritt erfolgreich so einige Dressurprüfungen. Aufgrund fehlender finanzieller Möglichkeiten ein eigenes Pferd zu bekommen, gab ich das Reiten ganz auf. Aber immer mit dem Wunsch, eines Tages mal ein eigenes Pferd besitzen zu dürfen, was ich aber vor dem Haus halten kann. Denn ich hatte in meiner Reitlaufbahn kaum gesunde Boxenpferde ohne Verhaltensstörungen kennengelernt. Damals war mein Traum einen Friesen zu besitzen sehr groß.
Es vergingen die Jahre und vor ca. 20 Jahren ging ich, wie alle 2 Jahre, mit meinem Mann, damals noch Freund, über die Equitana und habe mich für Friesen interessiert. Mangels Robustheit dieser Rasse, was mich sehr enttäuschte, verwarf ich den Wunsch, je einen Friesen haben zu wollen und entdeckte zwischen den Hallen draußen eine Herde mehrerer zusammengepferchter Ponys. Wir gingen neugierig dorthin und standen vor den ersten Isländern, die wir je gesehen hatten. Sie waren damals sehr klein und ponyhaft. Gelesen hatte man schon mal etwas von dieser Rasse, aber vorstellen, dass ich mit meinen 1,84m je auf so einem Pony sitzen könnte, viel mir schwer. Nach vielen netten Gesprächen mit den Isileuten, waren wir sehr von der zähen, robusten Rasse, dem sogenannten "Erwachsenenpony", begeistert und wollten uns, sollten wir jemals die Möglichkeit haben ein Pferd halten zu können, näher mit dieser Rasse befassen.
Dann zogen wir 1997 berufsbedingt mit der Familie nach Thüringen. Die Umstellung vom Ruhrpott dorthin fiel uns sehr schwer, aber eröffnete auch neue Möglichkeiten. Wir kauften ein Haus auf dem Dorf mit der Möglichkeit 2 Pferde zu halten. Jetzt konnten wir uns mal mit der Rasse Isländer näher beschäftigen. Wir informierten uns umfassend über Pflege, Haltung und Reiteigenschaften und waren restlos begeistert. Ein so kleines Pferd mit so viel Potential. Es passte genau zu unseren Haltungsmöglichkeiten, dem mageren Boden, unseren Vorstellungen. Ein Jahr darauf zogen unsere ersten beiden Isländer ein. Im Jahr 2000 kauften wir dann unser jetziges Grundstück und 10 Isländer. Anfänglich waren es nur freie Deckakte, wie üblich beim Kauf der Pferde, dann wurde die Zucht zielgerichteter und konnte sich bald sehen lassen. So hat alles angefangen und wir haben es bis heute nicht bereut, wir lieben einfach diese Rasse."

Fleygur: "Euch ist ja besonders wichtig, Eure Pferde möglichst artgerecht, allerdings "mit Familienanschluss" zu halten. Du sagst, Ihr haltet nichts von einer rein "wilden Aufzucht".  Nun gibt es ja auch viele Züchter, die sagen, der enge Kontakt zum Menschen in der Aufzucht stehe im Widerspruch zur natürlichen Sozialisation der Jungpferde. Wie stehst du dazu?"

Anja Dills: "Artgerecht bedeutet für mich, die Zuchtpferde, egal welcher Rasse, in Gruppen von ca. 10-15 Pferden unterschiedlichen Alters getrennt nach Geschlecht, zu halten. Die jungen Pferde genießen den Schutz einer stabilen Herde, können von den Alten lernen und werden auch entsprechend altersgerecht erzogen. Eine sinnvolle Altersstruktur ist dabei natürlich die Grundvoraussetzung.
Die Weiden sollten ausreichend groß sein, mit unterschiedlichen Bodenverhältnissen, Gefälle und Bäumen und Sträuchern, um die Trittsicherheit und Muskulatur zu fördern. Selbstverständlich muss auch die Bodenqualität/-Beschaffenheit zur Pferderasse passen. Wir besuchen die Herde dann ca. 1 Stunde täglich, um Ihnen Mineralstoffe, Fallobst, gesundheitliche Kontrolle und und.. zukommen zu lassen. Hierbei lernen sie, dass es sehr angenehm ist, wenn Menschen kommen und lernen Ihnen zu vertrauen. Man kann medizinisch einwirken, Wurmkuren stressfrei verabreichen und auch ohne Probleme ein Pferd mit Halfter aus der Gruppe entfernen. Diese Zeit, die der Mensch auf die bestehende intakte Pferdegruppe einwirkt, steht nicht im Widerspruch zu einer natürlichen Sozialisierung. Ganz im Gegenteil, auf diesem Wege wird ein Pferd, dass dem Menschen später vertrauen muss und sich vor allem in der Enge unseres Landes in menschlicher Gesellschaft, vielleicht im engen Paddock oder sogar in der Box, wohlfühlen muss, frühzeitig darauf vorbereitet, sich auf seinen Menschen zu freuen und sich, wo auch immer, wohlzufühlen. Ein Wildpferd wird sich nie derart in menschlicher Obhut, eingesperrt, wohlfühlen und wird seelisch auf die Dauer zerbrechen. Damit sind auch die Zuverlässigkeit und vertrauensvolle Partnerschaft Mensch-Pferd in Frage gestellt. Vielleicht denken manche anders, aber es klingt doch logisch."

Fleygur: "Ihr sagt, in Eurer Zucht  gebe es keine Ekzemer oder andere pferdetypische Krankheiten. Wie könnt Ihr das sicher ausschließen?"

Anja Dills: "Eine 100 % ige Garantie kann die Natur keinem geben, aber wir versuchen es so gut wie möglich. In den 10 Jahren unserer Zucht haben wir bis heute keine pferdetypsichen Krankheiten, wie Hufrehe, Ekzem, Kolik und und und... bei unseren Pferden, sowie Nachzucht behandeln müssen. Ich denke, es ist ein Erfolg unserer konsequenten Auswahl von Zuchttieren und richtigen Fütterung auf unseren isländerfreundlichen mageren Böden mit natürlichen mineralstoffreichen Quellen. Bei uns werden keine Pferde zur Zucht eingesetzt, die nur den leisesten Verdacht einer Krankheit aufweisen. Wir setzen keine Pferde mit Ekzem ein, keines was hustet oder die erwähnten Krankheiten haben könnte, es wird alles sofort selektiert. Da wir nur eine Hobbyzucht sind und nicht mit unseren Pferden Geld verdienen, ist es uns möglich, eine so strenge Auswahl durchführen zu können. Wir importieren keine Pferde aus Island, was für mich aber bei den Profis verständlich ist, wenn man den Pferdesport weiter verbessern will oder die Zucht mit sehr guten Hengsten verstärken möchte oder vielleicht sogar eine besondere Farbvariante auf der Insel findet. Da es außerhalb Islands in Europa mehr Isländer gibt als auf der Insel, werden wir unseren Pferden nach Möglichkeit ein Leben mit Ekzem ersparen."

Fleygur: "Kommen wir zum Zuchtziel. Ihr sagt, Euch sei wichtig, das alte Kulturgut aus Island zu erhalten und nicht nach "modischen Trends" zu züchten. Könnt
Ihr das etwas näher erläutern?"

Anja Dills: "Wir möchten den Isländer als mittelgroßes (ca. 1,37- 1,41m) Pferd mit einem guten Fundament wissen, wie es immer war und nicht nach modischen Trends immer größer und schlanker gezüchtet sehen. Jede Rasse hat seinen Standard in der die Größe geregelt ist und ein Pony über 1,48 m, ist es kein Pony mehr und darf nicht zur Zucht zugelassen werden. Leider meint der Mensch immer, er müsse alles größer haben und verändert alles maßlos, meist auf Kosten der Gesundheit und vor allen der Tragkraft des Isländers. Wir streben den alten Svadastadir-Typ an mit seinem mittleren Fundament/Größe und auffallend äußerer Schönheit mit langer Mähne und viel gutem natürlichen Tölt mit guter Aktion. Genauso wichtig ist der Erhalt der Farbenvielfalt gepaart mit guter Qualität unserer Isländer. Ein Geschenk der isländischen Vorfahren an uns, was wir pflegen sollten."

Fleygur: "Auf welche Pferde setzt Ihr in züchterischer Hinsicht die größte Hoffnung
für die Zukunft und warum?"

Anja Dills: "Unser Hengst Eros vom Fassenhof ist die größte Hoffnung zum Erreichen unseres Zuchtziels. Er ist auffallend schön, hat einen traumhaften Charakter, ist sehr bequem und von jedem zu reiten, hat sehr komfortable Gänge mit guter Aktion, Schwerpunkt Tölt und einfach tolle Fohlen. Ein Traumpferd, was will man mehr. Mit unseren guten Zuchtstuten kann da eigentlich nichts schiefgehen, dass auch unsere Käufer mit unserer Nachzucht sehr zufrieden sind und sich an den gut töltenden Spaßpferden, mit einfachem Charakter erfreuen können. Schönheit darf eine sehr gute Qualität in unserer Zucht nicht ausschließen."

Fleygur: "In der Ausbildung ist Euch wichtig, dass diese nur von Profis übernommen
wird. Wie wählt Ihr die Trainer und Bereiter aus und was ist Euch in der Ausbildung sonst noch wichtig?"

Anja Dills: "Bei der Ausbildung kann man kurz sagen, ich lege Wert auf die gute Schule/Ausbildung meines Kindes, warum dann nicht ebenso auf die gute Ausbildung meines Pferdes. Ein Ausbilder sollte genau wissen, wie man ein Pferd sachgerecht ausbilden muss. Es ist das wichtigste der Welt, die Kommunikation zwischen Pferd und Reiter richtig auszubilden, damit man später sicher und schonend mit seinem Reitpartner umgehen kann. Es gibt nichts schlimmeres, wenn ein Pferd nicht weiß, was von ihm verlangt wird, sich angstvoll wehrt und es dann noch unsachgemäß hart bestraft wird. Kommunikationsfehler gibt es schon genug. Unsere Reitpferde werden alle von gut ausgebildeten Profis beritten."

Fleygur: "Zu unserer Standardfrage. Mit welcher Person aus dem "Pferdebereich"
würdest Du gerne mal bei einem längeren Ausritt ein Gespräch führen und wenn
ja zu welchem Thema? "

Anja Dills: "Ich würde gern mit Walter Feldmann ausreiten wollen, um mit ihm über Pferdeausbildung zu sprechen."

Fleygur: "10 Jahre Idablickzucht liegen hinter Euch, wenn Ihr jetzt in die Zukunft
schaut, wie wird es in weiteren 10 Jahren wohl aussehen? Welche Visionen und
Träume habt Ihr diesbezüglich?"

Anja Dills: "Mein Traum ist es, aus meinem Fenster zu schauen und dort auf meine kerngesunde, zufriedene Pferdeherde zu sehen, die schöne Farben hat, lange Mähnen, schöne Gebäude, einwandfreie Charaktere und zu wissen, auf jedem dieser Pferde oder auf deren Nachzucht ist es ein Genuss mit komfortablen guten Gängen sicher auszureiten."

Fleygur: "Vielen Dank für das Interview und die besten Wünsche für das bevorstehende Jubiläum!"

 


Gestütspräsentation im Zoopark Erfurt 2009

 
     
 
     

 

 

 


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