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Zum Hof des Jahres 2009

 
 
Fleygur Höfe des Monats

Hof des Monats Juni 2009 ist
das Islandpferdegestüt "Steenhaar"
48369 Saerbeck

hier geht's zur Fleygur Website von "Steenhaar"

 






von links: Beatrix, Ina und Nele Gippert



Das Gestüt Steenhaar liegt im nördlichen Münsterland in Ortsnähe der pferdefreundlichen Gemeinde Saerbeck. Durch die langjährige Arbeit mit den Islandpferden ist das Gestüt in über 20 Jahren zu einem kompetenten Partner und Berater für viele Islandpferdefreunde und -besitzer geworden.
Die individuelle, freundliche, optimale und persönliche Betreuung von Reitern und Pferden ist eine wesentliche Stärke des Gestüts.

Fleygur: "Beatrix, schön das wir mal wieder einen Hof aus dem Münsterland besuchen dürfen. Erzähl mal, wie bist du eigentlich aufs Islandpferd gekommen?"

Beatrix: "Nun, reiten gelernt habe ich als Kind auf Großpferden und mit Ende der Schulzeit frustriert wieder aufgegeben. Ich hatte viel schlechten Unterricht und habe zwangsläufig viele kleinere Katastrophen mit Pferden erlebt. 1981 habe ich dann meinen Mann kennengelernt, der ein Islandpferd hatte. Ich habe seinen Wallach geritten und sofort gewußt: Das ist es!. Von da an haben Islandpferde mich gelehrt, was zuvor immer falsch gelaufen war. Hilfreiche Tipps bekam ich zu der Zeit z.B. von Andreas Trappe. 1982 bin ich mit meinem Mann hier auf den Hof gezogen und wir haben angefangen, auf privater Basis Isländer zu züchten. Aber dabei blieb es nicht, denn es kamen immer häufiger Menschen hier auf den Hof, die nach Unterichtsmöglichkeiten und Pensionsplätzen fragten. 1990 habe ich mich dann mit dem Gestüt Steenhaar selbstständig gemacht.

Fleygur: "Was bedeutet der Name "Steenhaar" eigentlich?"

Beatrix: "Wir haben den Hof nach unserer Wiese hier benannt, er bedeutet "steiniges Moor". Daraus entstand übrigens auch unser Logo, es stellt die Felsmalerei eines Pferdes dar."

Fleygur: "Du betreibst die Reitschule ja mittlerweile gemeinsam mit deinen beiden Töchtern, Ina und Nele. Was ist Euch im Unterricht wichtig?"

Beatrix:
"Nun "Verstehen" ist uns sehr wichtig, d.h. die Reitschüler sollen verstehen, was wir erklären und etwas damit anfangen können. Das klingt so selbstverständlich, aber ist es gar nicht. Jeder Mensch lernt anders, das gilt es zu berücksichtigen. Der eine lernt mehr über das Hören, ein anderer muss vielleicht erst etwas sehen können und sich ein Bild machen. Wir bemühen uns, auf jeden individuell einzugehen und viel praktisch zu veranschaulichen, da gibt es kein Schema F. Man muss den Schüler kennen lernen und auch zuhören können, nicht nur reden. Man braucht also nicht nur Pferdeverstand, sondern auch eine gute Portion Menschenkenntnis und Einfühlungsvermögen. Wir müssen gut erkennen können, an welchem Punkt sich ein Reitschüler gerade befindet und für seine Schwierigkeiten individuelle Lösungswege entwickeln. Dafür muss man nicht selten auch von seinem eigenen Können, seiner eigenen Reitweise und den Qualitäten des Pferdes Abstand nehmen können. Was nützt es, wenn ich dem Schüler sage "dein Pferd kann das" oder ich weiss, wie ich es mit dem Pferd umsetzten würde, wenn die beiden zusammen noch nicht an diesem Punkt sind. Der Reitlehrer muss,  unserer Meinung nach, offen sein und manchmal auch verschiedene Angebote machen, die der Schüler dann ausprobieren kann, ob sie ihm an diesem Punkt weiterhelfen. Dass unser Blick stark beim einzelnen Reitschüler ist, schließt allerdings nicht aus, dass unser Unterricht generell sehr beim Pferd ansetzt. Schließlich vermittelt ja das Pferd dem Reiter die wesentlichen Dinge und nur ein zufriedenes Pferd kann auch dem Reiter etwas beibringen, was letztendlich dann beiden Spaß und Freude bringt. Wir lehren unseren Schülern von Beginn an eine möglichst feine Reitweise, das ist die Voraussetzung für Zufriedenheit und Freude auf beiden Seiten. Und letztendlich geht es beim Reiten doch immer um Spaß. Diesbezüglich ist uns auch immer wichtig, schon kleine Erfolgserlebnisse deutlich zu machen."

Fleygur: "Du hast uns erzählt, dass dir insbesondere die Jugendförderung am Herzen liegt. Erzähl uns ein bischen darüber."

Beatrix: "Ja, das stimmt. Ich mag Kinder einfach. Kinder zu unterrichten macht uns viel Spaß. Man kann Kindern einfach sehr viel mitgeben und es macht Freude ihre Entwicklung dann mitzuerleben. Im Bereich Sport sind die Bewegungserfahrungen die als Kind gemacht werden, diejenigen, die die Grundlage des Körperbewusstsein bilden. Daher ist es schon früh wichtig, Kindern den richtigen Sitz und Hilfen beizubringen und somit das Einfühlungsvermögen und Bewegungsgefühl zu verbessern. Aber es sind ja nicht nur die reiterlichen Fortschritte, die wir bei den Kinder miterleben. Durch den Umgang mit den Pferden werden sie ja auch selbstbewußter, lernen ein erstes Verantwortungsgefühl u.v.m."

Fleygur: "Was möchtest du denn speziell sportambitionierten Kindern und Jugendlichen mit auf den Weg geben?"

Beatrix: "Nun, mir ist wichtig, dass sie nie ihren Spaß verlieren und nicht zu ehrgeizig werden. Gesunder Ehrgeiz ist gut. Kinder sollen schon lernen, ihre eigenen Leistungen im Rahmen der Konkurenz richtig einzuordnen. Dadurch erkennen sie, was sie sich erarbeitet haben und das es sich lohnt. Deshalb vermittlen wir ihnen auch immer, dass sie nicht zu sehr auf die Platzierungen achten sollen, sondern mehr auf die Noten. Die Noten können ihnen ihre persönliche Weiterentwicklung verdeutlichen. Schließlich sollen sie doch eine realistische Einschätzung ihrer Fähigkeiten entwickeln und dementsprechend auch ihre Ziele definieren lernen. Zu viel Ehrgeiz und Einzelkämpfertum können hingegen vereinsamen. Deshalb liegt mir auch viel an Gemeinschaftserlebnissen, wie Mannschaftsprüfungen."

Fleygur: "Welche Voraussetzungen brauchen denn deines Erachtens Kinder und Jugendliche, um erfolgreich im Turniersport mitreiten zu können?"

Beatrix: "Zuerst einmal reiterliches Talent, dann natürlich auch ein talentiertes Pferd und Fleiß. Darüberhinaus sind im Kindersport aber noch andere Voraussetzungen erforderlich. Man darf sich da nichts vormachen. Ein Kind allein ist nicht in der Lage, ein Pferd dauerhaft auf einem hohen Niveau reiten und vorstellen zu können. Da ist z.B. regelmäßiger Korrekturberitt notwendig. Dann brauchen Kinder über den Unterricht hinaus, auch viel Begleitung, nicht nur durch die Eltern. Wir bemühen uns z.B., so oft wie möglich, mit zu den Turnieren zu fahren. Gerade hier sind Eltern oftmals zu aufgeregt, um ihre Kinder bei den Prüfungen gut zu unterstützen. Da helfen wir mit unserer Erfahrung, Ruhe hineinzubringen und die Kinder auch dann aufzufangen, wenn es mal nicht so gut geklappt hat. Das ist für alle Beteiligten entlastend."

Fleygur: "Was müssen Eltern denn generell für die Sportambitionen des Kindes bereit sein zu investieren?"

Beatrix: "Sie müssen einfach voll dahinterstehen. Ohne Engagement der ganzen Familie geht es nicht. Sie müssen viel Zeit investieren, gerade auch an den Wochenenden, an denen ja nun mal die Turniere stattfinden. Darüberhinaus ist es natürlich vergleichsweise ein kostspieliges Hobby. D.h. auch hier müssen sie bereit sein, verhältnismäßig viel zu investieren, das ist einfach so."

Fleygur: "Nicht jedes Kind hat die Möglichkeit auf einem Spitzenturnierpferd anzutreten. Findest du, dass in den Kinder- und Jugendprüfungen die reiterlichen Fähigkeiten ausreichend berücksichtigt werden?"

Beatrix: "Ja, das ist so eine Frage, die immer wieder viel diskutiert wird. Generell muss man natürlich sagen, ohne ein gewisses Quantum an reiterlichem Können, geht es ohnehin nicht, d.h. ein Spitzenpferd allein garantiert keinen Erfolg. Ein Pferd mit Gang und Temperament muss man auch reiten können. Aber ich halte auch viel von den Stil-Viergang-Prüfungen, die einfach die Möglichkeit schaffen, Sitz und Einwirkung verstärkt zu beurteilen. Aber auch bezüglich dieser Frage finde ich wieder wichtig, dass die verantwortlichen Trainer und Eltern den Kindern vorab vermitteln sollten, ihre eigene Leistung im Rahmen der Bedingungen gut einzuschätzen. Auf diese Weise kann jeder persönliche Erfolge im Sport erleben. Wenn das Kind mit einer realistischen Einschätzung startet, was es zusammen mit einem Pferd erreichen kann und was eben vielleicht utopisch ist, wird ein Tunier auch ohne Spitzenpferd ein tolles Erlebnis. Erfolg bedeutet eben nicht nur unter den Platzierten zu sein, sondern auch, wenn sich die Noten über einen Zeitraum kontinuierlich verbessern."

Fleygur: "Was können Kinder und Jugendliche denn eigentlich über das Reiten hinaus auf Steenhaar noch erleben?"

Beatrix: "Jede Menge. Wir wollen Raum bieten für viel Kreativität, Gemeinschafts- und Naturerlebnisse. Wir haben hier eine herrliche Umgebung, die dazu einläd und die Kinder nutzen diese, bauen z.B. Hütten im Wald oder gehen auf Froschsuche. Wir haben viele Wochenendkurse und Ferienfreizeiten im Programm, z.B. auch speziell für Jungen. Durch den Umgang mit den Pferden können insbesondere viele Jungen sich auch einmal von einer ganz neuen Seite kennenlernen. Sind sie sonst vielleicht eher draufgängerisch, stürmisch und laut, lernen sie bei den Pferden einfühlsam und vorsichtig zu werden. Insgesamt können Kinder und Jugendliche hier auf ganz einfache Weise soziale Kompetenzen entwickeln, nicht nur durch die Pferde. In unserem Rahmenprogramm haben wir noch viele andere Gruppenaktionen, fahren z.B. in den Klettergarten, da muss man mit den anderen kooperieren, sich gegenseitig sichern, etc."

Fleygur: "Zum Abschluss noch unsere Standardfrage: Wenn Du dir eine Person aus dem Bereich der Pferdeszene aussuchen könntest, mit wem würdest Du gerne mal bei einem gemeinsamen Ausritt ein längeres Gespräch führen und zu welchem Thema?"

Beatrix: "Das ist sehr schwierig zu beantworten. Es gibt so viele interessante Menschen. Hm...Generell interessieren mich einfach Menschen, die dieses Schillernde, Leichte, Besondere haben. Auf Anhieb fallen mir auch Nuno Oliveira oder auch Þórður Þorgeirsson (isländischer Zuchtreiter des Jahres 2007 und 2008) ein, ebenso wie Bruno Podlech. Es ist einfach faszinierend, wenn manche Menschen im Umgang mit den Pferden eine wirkliche Einheit verkörpern. Sie haben die Sprache der Pferde perfekt verstanden und es ist ein wirkliches Miteinander."

Fleygur: "Ja, da hast du Recht. Es ist wohl die Leichtigkeit, die auch uns immer wieder bei einigen Reitern begeistert. Wenn auch schwierige Aufgaben scheinbar selbstverständlich wirken. Uns faszinieren aber auch immer wieder Menschen, die sich, auch wenn solche Ziele oft unerreichbar scheinen, trotzdem auf den Weg machen und diesen Weg mit Leidenschaft begehen. Schließlich ist der Weg doch immer noch das Ziel und die Träume sind das, was uns im Leben antreibt.

Es ist toll, auf Menschen zu treffen, die mit ihrer Leidenschaft dann auch andere anstecken und begeistern, insbesondere wenn die Begeisterung dann Kinder und Jugendliche erreicht. Klasse, macht weiter so!"


 


Beatrix im Rennpass auf Kolfaxi frá Flugumyri beim 2. Paßchampionat in Zachow 2006



 

 

 


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