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Fleygur: "Nach meiner
ersten „Islandpferde“- Reitstunde vor
ca 4 Jahren bekam ich von meiner Reitlehrerin 2 Bücher
in die Hand gedrückt. Zum einen „Die Islandpferdereitlehre“
mit den Worten: „Hier in der blauen Bibel steht
alles, was du über Islandpferde wissen musst
und wie sie geritten werden sollten“. Zum anderen:
„Der große Ritt“ von Max Indermaur
mit dem Kommentar: „und hier bekommst du einen
Eindruck, was diese kleinen Pferde leisten können
und wieviel Spaß man mit ihnen haben kann.“
Der großen Ritt handelt vom „Great American
Horse Race 1976“ ein 2000 Meilen Rennen quer
durch Amerika, an dem Sie erfolgreich teilgenommen
haben und „Die Islandpferdereitlehre“
haben Sie zusammen mit Frau Rostock geschrieben. Sie
ist bis heute der Leitfaden für Haltung, Ausbildung
und Reiten von Islandpferden, und obwohl schon 1985
erschienen, hat sie nicht an Gültigkeit verloren.
Würden Sie heute, ca 25 Jahre nach dem ersten
Erscheinen, etwas ändern wollen oder andere Prioritäten
setzen?"
Walter Feldmann: "Ich
/ wir möchten gerne viel ändern und ergänzen.
Nicht das wir dahinter gekommen wären, dass sich
in der bis heute unveränderten Erstausgabe Fehler
eingeschlichen hätten, aber es gibt viel Neues
was man gerne mit aufnehmen möchte, wie z.B.:
der ganze Bereich betreffend „join und follow
up – Trainingsmethoden“, neue Gesetzgebungen
berücksichtigen oder auch mehr über Unterrichtserteilung,
oder Hinweise zum Umgang mit alten Pferden usw. usw…………wir
bräuchten nur etwas mehr Zeit dies tun zu können."
Fleygur: "Kaum ein
anderer hat die Islandpferdescene von Ihren Anfängen
bis heute so geprägt wie Sie.
Sie waren unter anderem Sportwart des IPZV und Sportpräsident
der FEIF, Gründungsmitglied und Vorsitzender
der IGV und sind Verfasser der 1. IPO und API Ausgabe
(Sport- und Ausbildungsordnung für Islandpferde),
sowie des internationalen Regelements (FIPO) und der
ersten Prüfungs- und Ausbildungsordnung für
Gangpferde (Bestandteil der APO). Außerdem haben
Sie als Ausbilder des IPZV und IGV die Trainerausbildung,
und somit die gesamte Reitausbildung bis hinunter
zur Basis, maßgeblich beeinflusst. Im letzten
Jahr sind Sie, unter großen Ehrungen, von Ihren
öffentlichen Ämtern zurückgetreten.
Haben Sie, rückblickend betrachtet, Ihre Ideen
immer verwirklichen können oder gibt es auch
Dinge, die Ihnen wichtig gewesen wären, die Sie
aber nicht, oder nur in abgewandelter Form, durchsetzen
konnten?"
Walter Feldmann: "Natürlich
hat vieles auch nicht so funktioniert wie geplant,
z.B. die Aufnahme von Gangreiten bei den Weltreiterspielen.
Dafür ist Gangreiten aber jetzt ein offizieller
Ausbildungsberuf genauso wie klassisches Reiten, Pferdezucht,
Galopprennreiten usw. geworden. Etwas, was für
die breite Basis und die jungen Leute bestimmt wichtiger
ist, als wenn die Top-Sportreiter noch „3“
Runden mehr reiten können."
Fleygur: "Ihre eigenen
Erfolge alle aufzuzählen würde den Rahmen
sprengen, Sie haben allein an 12 Europa und Weltmeisterschaften
teilgenommen und 15 EM/WM Siege in Sportklassen errungen
und waren mehrfacher deutscher Meister in allen Disziplinen
der Islandpferdereiterei.
Gibt es etwas, das Sie noch gern gewinnen möchten
oder einen Wettbewerb an dem Sie gern noch teilnehmen
würden?"
Walter Feldmann: "Ich
hätte immer mal gerne Galopprennen geritten,
aber da passt das Alter nicht mehr und das Gewicht
ist vielleicht auch ein klein Wenig unpassend."
Fleygur: "Hätten
Sie in den Anfängen Ihrer Karriere denn gedacht,
dass Sie sowohl im Sport als auch in der Zucht einmal
so viel erreichen werden oder war ursprünglich
mal ein ganz anderer beruflicher Werdegang geplant?"
Walter Feldmann: "Eigentlich
sollte (oder habe) ich was Richtiges gelernt. Ich
bin Verlagskaufmann (mein Vater war Verleger) und
habe BWL studiert. Aber während des Studiums
nahm die Reiterei einen immer breiteren Rahmen ein,
ich hatte recht viel Erfolg nicht nur bei Turnieren,
sondern auch mit Reitkursen (habe z.B. den ersten
Trainerkurs in Island gemacht), sodass ich letztendlich
nach meinem USA-Ritt (siehe oben) mich entschieden
habe, die Reiterei zum Hauptberuf zu machen. Ich habe
es bis heute nicht bereut."
Fleygur: "Wir haben
heute im Sport fast nur noch Pferde mit perfektem
Gebäude und spektakulären Gängen, die
auch noch möglichst groß sein sollen, und
auch im Freizeitbereich geht der Trend immer mehr
in diese Richtung. Was wünschen Sie dem Islandpferd
für die Zukunft?"
Walter Feldmann: "Das
es seine Vielseitigkeit behält, jeder nach seiner
Fasson mit ihm glücklich wird."
Fleygur: "Auch wenn
Ihr Schwerpunkt auf den Islandpferden liegt, so werden
auf Aegidenberg auch andere Gangpferderassen wie Paso
Peruanos, American Saddlebred Horses und natürlich
die Aegidienberger gezüchtet. Haben Sie eine
„Lieblingsrasse“?"
Walter Feldmann: "Nein."
Fleygur: "Sie haben
viele EM und WM Teilnehmer und Sieger trainiert und
viele berühmte Reiter, wie Jolly Schrenk, Daniela
Gehmacher, Rúna Einarsdóttir, Thórarinn
Eymundsson (Toti), Haukur Tryggvason, Einar Öder
Magnússon, Daniel Jónsson und viele
andere mehr waren Praktikanten bei Ihnen. Auch wenn
Sie sich aus dem „öffentlichen Leben“
als Ausbilder IPZV und IGV im letzten Jahr zurückgezogen
haben, bieten Sie auf Ihrem Gestüt Einzelunterricht
und Training an. Was ist Ihre Zielgruppe und worauf
legen Sie besonderen Wert?"
Walter Feldmann: "Ich
habe keine Zielgruppe. Ich versuche jetzt dem Reiter
mit einem Problempferd zu helfen, danach einem Anfänger
die ersten Schritte beizubringen und vielleicht dann
den kommenden Weltmeister zu trainieren."
Fleygur: "Auch als
Jungpferdeausbilder sind Sie weiterhin tätig.
Von der Bodenarbeit bis hin zum Eintölten kann
man Ihre Dienste in Anspruch nehmen. Es gibt auch
Lehrvideos zum Thema „Fohlen- und Jungpferdearbeit“
und „Einreiten“ von Ihnen zu kaufen.
Worauf achten Sie besonders beim Einreiten der Jungpferde
und was sind Ihrer Meinung nach die am häufigsten
gemachten Fehler in der Ausbildung von Jungpferden?
Walter Feldmann: "Häufigste
Fehler: vielleicht zu sehr „aus dem Bauch raus
reiten“ und zu weniges planmäßiges
Arbeiten."
Fleygur: "Setzen Sie
sich eigentlich immer noch persönlich auf ein
„rohes“ Jungpferd?"
Walter Feldmann: "Wenn’s
geht drück ich mich."
Fleygur: "Das Gangpferdezentrum
Aegidienberg wurde durch das Bundesministerium für
Umwelt, Raumordnung und Landwirtschaft als einer der
pferdefreundlichsten Betriebe ausgezeichnet. Aber
nicht nur für die Pferde wird optimal gesorgt
auch die Reiter finden jeglichen Komfort vor. Trotz
aller Professionalität herrscht eine familiäre
Atmosphäre vor, die geprägt ist von der
warmherzigen Art von Ihnen, Frau Feldmann. Einer der
Leitgedanken Ihres Gestüts ist „Offenheit
und Toleranz“. Erklären Sie uns das etwas
genauer?
Marlies Feldmann: "Es
ist uns ein besonderes Anliegen, dass alle, egal ob
Pensionskunden, Pferdesuchende oder –freunde
oder –interessierte und auch die Leute aus dem
Dorf, Wanderer im Siebengebirge….. auf unseren
Hof kommen und sich hier wohl fühlen. Jeder kann
jederzeit kommen! Wir versuchen mit viel Liebe eingerichtete
Plätzchen zum Ausruhen, Beobachten und mit Gleichgesinnten
zu klönen zu schaffen und das Gestüt zum
Erholungsort für Viele zu machen. |