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Zum Hof des Jahres 2009

 
 
Fleygur Höfe des Monats

Hof des Monats Juni 2010 ist das
"Gangpferdezentrum Aegidienberg" - 53604 Bad Honnef
hier geht's zur Fleygur Website vom "Gangpferdezentrum Aegidienberg"

 
 

Fleygur: "Nach meiner ersten „Islandpferde“- Reitstunde vor ca 4 Jahren bekam ich von meiner Reitlehrerin 2 Bücher in die Hand gedrückt. Zum einen „Die Islandpferdereitlehre“ mit den Worten: „Hier in der blauen Bibel steht alles, was du über Islandpferde wissen musst und wie sie geritten werden sollten“. Zum anderen: „Der große Ritt“ von Max Indermaur mit dem Kommentar: „und hier bekommst du einen Eindruck, was diese kleinen Pferde leisten können und wieviel Spaß man mit ihnen haben kann.“
Der großen Ritt handelt vom „Great American Horse Race 1976“ ein 2000 Meilen Rennen quer durch Amerika, an dem Sie erfolgreich teilgenommen haben und „Die Islandpferdereitlehre“ haben Sie zusammen mit Frau Rostock geschrieben. Sie ist bis heute der Leitfaden für Haltung, Ausbildung und Reiten von Islandpferden, und obwohl schon 1985 erschienen, hat sie nicht an Gültigkeit verloren.
Würden Sie heute, ca 25 Jahre nach dem ersten Erscheinen, etwas ändern wollen oder andere Prioritäten setzen?"

Walter Feldmann: "Ich / wir möchten gerne viel ändern und ergänzen. Nicht das wir dahinter gekommen wären, dass sich in der bis heute unveränderten Erstausgabe Fehler eingeschlichen hätten, aber es gibt viel Neues was man gerne mit aufnehmen möchte, wie z.B.: der ganze Bereich betreffend „join und follow up – Trainingsmethoden“, neue Gesetzgebungen berücksichtigen oder auch mehr über Unterrichtserteilung, oder Hinweise zum Umgang mit alten Pferden usw. usw…………wir bräuchten nur etwas mehr Zeit dies tun zu können."

Fleygur: "Kaum ein anderer hat die Islandpferdescene von Ihren Anfängen bis heute so geprägt wie Sie.
Sie waren unter anderem Sportwart des IPZV und Sportpräsident der FEIF, Gründungsmitglied und Vorsitzender der IGV und sind Verfasser der 1. IPO und API Ausgabe (Sport- und Ausbildungsordnung für Islandpferde), sowie des internationalen Regelements (FIPO) und der ersten Prüfungs- und Ausbildungsordnung für Gangpferde (Bestandteil der APO). Außerdem haben Sie als Ausbilder des IPZV und IGV die Trainerausbildung, und somit die gesamte Reitausbildung bis hinunter zur Basis, maßgeblich beeinflusst. Im letzten Jahr sind Sie, unter großen Ehrungen, von Ihren öffentlichen Ämtern zurückgetreten.
Haben Sie, rückblickend betrachtet, Ihre Ideen immer verwirklichen können oder gibt es auch Dinge, die Ihnen wichtig gewesen wären, die Sie aber nicht, oder nur in abgewandelter Form, durchsetzen konnten?"

Walter Feldmann: "Natürlich hat vieles auch nicht so funktioniert wie geplant, z.B. die Aufnahme von Gangreiten bei den Weltreiterspielen. Dafür ist Gangreiten aber jetzt ein offizieller Ausbildungsberuf genauso wie klassisches Reiten, Pferdezucht, Galopprennreiten usw. geworden. Etwas, was für die breite Basis und die jungen Leute bestimmt wichtiger ist, als wenn die Top-Sportreiter noch „3“ Runden mehr reiten können."

Fleygur: "Ihre eigenen Erfolge alle aufzuzählen würde den Rahmen sprengen, Sie haben allein an 12 Europa und Weltmeisterschaften teilgenommen und 15 EM/WM Siege in Sportklassen errungen und waren mehrfacher deutscher Meister in allen Disziplinen der Islandpferdereiterei.
Gibt es etwas, das Sie noch gern gewinnen möchten oder einen Wettbewerb an dem Sie gern noch teilnehmen würden?"

Walter Feldmann: "Ich hätte immer mal gerne Galopprennen geritten, aber da passt das Alter nicht mehr und das Gewicht ist vielleicht auch ein klein Wenig unpassend."

Fleygur: "Hätten Sie in den Anfängen Ihrer Karriere denn gedacht, dass Sie sowohl im Sport als auch in der Zucht einmal so viel erreichen werden oder war ursprünglich mal ein ganz anderer beruflicher Werdegang geplant?"

Walter Feldmann: "Eigentlich sollte (oder habe) ich was Richtiges gelernt. Ich bin Verlagskaufmann (mein Vater war Verleger) und habe BWL studiert. Aber während des Studiums nahm die Reiterei einen immer breiteren Rahmen ein, ich hatte recht viel Erfolg nicht nur bei Turnieren, sondern auch mit Reitkursen (habe z.B. den ersten Trainerkurs in Island gemacht), sodass ich letztendlich nach meinem USA-Ritt (siehe oben) mich entschieden habe, die Reiterei zum Hauptberuf zu machen. Ich habe es bis heute nicht bereut."

Fleygur: "Wir haben heute im Sport fast nur noch Pferde mit perfektem Gebäude und spektakulären Gängen, die auch noch möglichst groß sein sollen, und auch im Freizeitbereich geht der Trend immer mehr in diese Richtung. Was wünschen Sie dem Islandpferd für die Zukunft?"

Walter Feldmann: "Das es seine Vielseitigkeit behält, jeder nach seiner Fasson mit ihm glücklich wird."

Fleygur: "Auch wenn Ihr Schwerpunkt auf den Islandpferden liegt, so werden auf Aegidenberg auch andere Gangpferderassen wie Paso Peruanos, American Saddlebred Horses und natürlich die Aegidienberger gezüchtet. Haben Sie eine „Lieblingsrasse“?"

Walter Feldmann: "Nein."

Fleygur: "Sie haben viele EM und WM Teilnehmer und Sieger trainiert und viele berühmte Reiter, wie Jolly Schrenk, Daniela Gehmacher, Rúna Einarsdóttir, Thórarinn Eymundsson (Toti), Haukur Tryggvason, Einar Öder Magnússon, Daniel Jónsson und viele andere mehr waren Praktikanten bei Ihnen. Auch wenn Sie sich aus dem „öffentlichen Leben“ als Ausbilder IPZV und IGV im letzten Jahr zurückgezogen haben, bieten Sie auf Ihrem Gestüt Einzelunterricht und Training an. Was ist Ihre Zielgruppe und worauf legen Sie besonderen Wert?"

Walter Feldmann: "Ich habe keine Zielgruppe. Ich versuche jetzt dem Reiter mit einem Problempferd zu helfen, danach einem Anfänger die ersten Schritte beizubringen und vielleicht dann den kommenden Weltmeister zu trainieren."

Fleygur: "Auch als Jungpferdeausbilder sind Sie weiterhin tätig. Von der Bodenarbeit bis hin zum Eintölten kann man Ihre Dienste in Anspruch nehmen. Es gibt auch Lehrvideos zum Thema „Fohlen- und Jungpferdearbeit“ und „Einreiten“ von Ihnen zu kaufen.
Worauf achten Sie besonders beim Einreiten der Jungpferde und was sind Ihrer Meinung nach die am häufigsten gemachten Fehler in der Ausbildung von Jungpferden?

Walter Feldmann: "Häufigste Fehler: vielleicht zu sehr „aus dem Bauch raus reiten“ und zu weniges planmäßiges Arbeiten."

Fleygur: "Setzen Sie sich eigentlich immer noch persönlich auf ein „rohes“ Jungpferd?"

Walter Feldmann: "Wenn’s geht drück ich mich."

Fleygur: "Das Gangpferdezentrum Aegidienberg wurde durch das Bundesministerium für Umwelt, Raumordnung und Landwirtschaft als einer der pferdefreundlichsten Betriebe ausgezeichnet. Aber nicht nur für die Pferde wird optimal gesorgt auch die Reiter finden jeglichen Komfort vor. Trotz aller Professionalität herrscht eine familiäre Atmosphäre vor, die geprägt ist von der warmherzigen Art von Ihnen, Frau Feldmann. Einer der Leitgedanken Ihres Gestüts ist „Offenheit und Toleranz“. Erklären Sie uns das etwas genauer?

Marlies Feldmann: "Es ist uns ein besonderes Anliegen, dass alle, egal ob Pensionskunden, Pferdesuchende oder –freunde oder –interessierte und auch die Leute aus dem Dorf, Wanderer im Siebengebirge….. auf unseren Hof kommen und sich hier wohl fühlen. Jeder kann jederzeit kommen! Wir versuchen mit viel Liebe eingerichtete Plätzchen zum Ausruhen, Beobachten und mit Gleichgesinnten zu klönen zu schaffen und das Gestüt zum Erholungsort für Viele zu machen.

Fleygur: "Frau Feldmann, „hinter einem starken Mann steht stets eine starke Frau“ sagt ein Sprichwort. Wie lebt es sich an der Seite eines so prominenten Mannes? Die vielen Turniere, Reisen und Ämter Ihres Mannes brachten zwangläufig seine häufige Abwesenheit von zuhause mit sich. Da ist es sicher nicht immer leicht die Verantwortung für Familie und Gestüt zu tragen und die vielfältigen Aufgaben zu bewältigen. Mussten da nicht auch oft die eigenen Wünsche zurückstehen?"

Marlies Feldmann: "Meine eigenen Wünsche kann ich hier in Aegidienberg vollends ausleben. Ich habe meine Familie immer um mich, liebe unsere Pferde und meine Hunde und bin umgeben von vielen Freunden, die wissen wovon ich schwärme, da sie die gleichen Leidenschaften haben, wie ich."

Fleygur: "Sie sind, nach einer Pause, wieder sehr aktiv im Gestütsgeschehen eingebunden. Ihr Mann hat ja nun auch etwas mehr Zeit, sich um Gestüt und Familie zu kümmern, haben Sie Ihre Aufgaben neu verteilt oder neue Prioritäten gesetzt? Was liegt Ihnen persönlich bei der Gestütsarbeit besonders am Herzen?"

Marlies Feldmann: "Ja, ich habe dem nicht sehr geliebten Büro den Rücken gekehrt und verbringe viel Zeit mit den Tieren und der Betreuung der Kunden. Ich finde es sehr wichtig, dass man als Ansprechpartner auch Zeit für die Kunden hat und das ist ein Part, den ich versuche hier um zu setzen. Weiters reite ich mehr als früher und hab auch sehr viel Spass dabei, das eine oder andere Pferd selber so auszubilden, dass spätere Freizeitreiter einen verlässlichen Partner bekommen. Ich freue mich dann immer über Berichte der neuen Pferdebesitzer, die „meine“ Pferde lieben und ihnen eine „Lebensstellung“ ermöglichen. Und nicht zuletzt genieße ich, mehr Zeit für unseren Sohn, Frederic zu haben!"

Fleygur: "Zu unserer Standardfrage. Mit welcher Person aus dem „Pferdebereich“ würden Sie gerne mal bei einem längeren Ausritt ein Gespräch zu welchem Thema führen?"

Walter Feldmann: "Ich hätte gerne von meinem Lehrmeister, Albert Brandl, mehr erfahren. Er war ein genialer Reiter. Leider ist viel zu früh bei einem Reitunfall ums Leben gekommen."

Marlies Feldmann: "Immer wieder faszinieren mich die Auftritte von „Lorenzo“ (abgesehen von seinem guten Aussehen!), den ich auch immer wieder auf Messen hinter den Kulissen, bei der Arbeit mit seinen Pferden beobachte."

Fleygur: "Was sind Ihre Pläne und Wünsche für die nächsten Jahre? Gibt es vielleicht noch einen gemeinsamen Traum, den Sie verwirklichen wollen?"

Walter Feldmann: "Irgendwann mal das Gestüt so fertig zu haben wie wir es gerne haben möchten und dann etwas kürzer Treten (die gleiche „Lüge“ hat mein Vater auch oft gesagt) und dann den Betrieb an den einen oder anderen, oder beide Söhne weiterzugeben."

Marlies Feldmann: "Das „Kürzer Treten“, glaube ich meinem Mann nicht! Ich glaube, wenn man immer so diszipliniert und unendlich viel gearbeitet hat, wie er, dann würde ihm bestimmt viel fehlen. Er wird immer etwas finden, mit dem er sich intensiv beschäftigen kann, wie z.B. Bücher schreiben."

Fleygur: "Zum Schluss bleibt uns zu sagen, dass es uns wirklich eine große Freude war dieses Interview mit Ihnen beiden zu führen. Es beeindruckt uns sehr, mit wieviel Engagement und Liebe sie sich dem Islandpferd immer gewidmet haben. Wir und auch viele andere, würden uns natürlich freuen, auch zukünftig weiterhin viel von Ihnen Beiden zu sehen und zu hören. Vielen Dank und alles Gute für die Zukunft."

Marlies Feldmann: Auch wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg mit Ihrem Islandpferdeportal und sind uns ganz sicher, dass Walter weiterhin mit unendlich viel Erfahrung, Arbeitseifer und Disziplin Pferden, genauso wie deren Reitern ein hervorragender Begleiter in der Ausbildung sein wird. Ganz wichtig bleibt uns auch weiterhin, dass sich Reiter, Pferde und auch Besucher hier auf unserem GPZ zu Hause fühlen können!

Die Familie Feldmann im Tölt

links oben: Frederic Feldmann mit Balthazar fra Floss Heri
rechts oben: Marlies Feldmann mit Piltur von Aegidienberg
links unten: Simon Feldmann mit Fálki frá Höfn
rechts unten: Walter Feldmann mit Sikill frá Sperdli

Fotos ©Ulrich Nedden

 
     

 

 

 


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