Fleygur: "Frau Seel, wie ist der Birkenhof entstanden und wer gehört heute alles
zum Team vom Birkenhof?"
Angela Seel: "Den Birkenhof
gibt es schon seit über 20 Jahren. Der "erste"
Birkenhof befand sich in dem kleinen Örtchen
Saal in der Nähe von Windeck im Siegtal. Dieser
Hof war verhältnismäßig klein und
wurde allein von Willibert betrieben. Dort gab es
ausreichend Weiden für die Zucht und die Aufzucht
von Islandpferden. Allerdings war die Hoffläche
eher klein und die Trainingsbedingungen waren auch
nicht ganz optimal. Deshalb machte sich Willibert
nach ein paar Jahren auf die Suche nach einer größeren
Reitanlage. Diese Reitanlage fand er 1997 in der Nähe
von Olpe am Biggesee. Der heutige Birkenhof bietet
inzwischen alles rund ums Islandpferd. Zu unseren
Angeboten zählen: Reitunterricht für Kinder
und Erwachsene, Reiterferien, Beritt und Ausbildung
von Islandpferden, Zucht, Verkauf von Sport- und Freizeitpferden,
Pensionsbetrieb, Turniere, Seminare und vieles mehr.
Um so einen großen Hof zu betreiben, braucht
man ein starkes Team. Zu unserem Hauptteam gehören:
Willibert Hassel als Chef des ganzen Betriebs. Er
kümmert sich hauptsächlich um den Pferdeverkauf
und um die Zucht. Dann Jonas Hassel, Williberts Sohn,
der mittlerweile hauptberuflich als IPZV Trainer B
und Jungpferdebereiter auf dem Birkenhof mitarbeitet.
Er kümmert sich um die Ausbildung der Jungpferde
und um das Training der Sport- und Verkaufspferde.
Auch das Vorstellen von Birkenhofpferden auf Sport-
und Zuchtprüfungen gehört zu seinen Aufgaben.
Außerdem gehört zum Team Britta Maiworm.
Sie ist die Lebensgefährtin von Willibert, IPZV
Trainer A und API Prüferin. Ihre Hauptaufgaben
sind Reitunterricht, Seminare, Abzeichenkurse und
Beritt. Ich selbst bin gelernte Erzieherin und gehöre
seit vielen Jahren auch fest zum Birkenhof- Team.
Ich kümmere mich um die Ferienkinder, die Reitschule
und z.B. auch um die Birkenhof Homepage."
Fleygur:
"Für viele pferdebegeisterte
Menschen ist ja die Vorstellung, auf einem Hof zu
leben und zu arbeiten ein Traum. Wie kann man sich
denn eigentlich so einen ganz "normalen" Tag bei Ihnen
auf dem Birkenhof vorstellen?"
Britta
Maiworm: "Das
Leben auf einem Islandpferdehof ist in der Tat ein
Traum. Allerdings sollte man bei aller Träumerei
nicht vergessen, dass das Leben auf so einem Hof nicht
nur aus "Immenhof Romantik" besteht, sondern auch
harte Arbeit ist. Der normale Birkenhof-Tag beginnt
um 6:30 Uhr. Dann heißt es zunächst die
Pferde und alle anderen Tiere (wir haben noch Hühner,
Meerschweinchen, Hasen, Katzen, Hunde, Ziegen, ein
Lama, Enten, einen Esel usw.) zu versorgen. Danach beginnt
das Training der Pferde. Nach dem Frühstück
geht es auch gleich damit weiter. Meistens finden
auch schon Vormittags viele Privatreitstunden statt.
Um 14 Uhr ist dann Mittagspause und ab 15 Uhr beginnt
der normale Gruppenreitunterricht. Da wir auch sehr
viele erwachsene Reitschüler haben, geht der
Unterricht meist bis 21 Uhr. Bis dann wirklich Feierabend
ist, ist es oft 23 Uhr. Unser Tag ist lang, aber uns
macht die Arbeit wirklich Spaß und dann nimmt
man auch gerne in Kauf, dass man erst spät ins
Bett kommt."
Fleygur:
"Gibt es eine Art "Motto" unter dem das Leben und Arbeiten auf dem Birkenhof steht?"
Angela Seel: "So ein richtiges Motto gibt es bei uns nicht, allerdings lautet unser Werbesolgan: Bei uns macht Reiten Spaß! Und so ist es auch. Islandpferde sind unsere Passion. Fast unser ganzes Leben wird von Pferden und den dazu gehörenden Menschen bestimmt. Uns bleibt nicht viel Zeit für andere Dinge oder andere Hobbys, aber das vermissen wir auch ganz und gar nicht. Wir verstehen uns alle untereinander großartig, haben alle unser Hobby zum Beruf gemacht und möchten unser Leben mit niemandem tauschen."
Fleygur: "Stichwort Zucht: Ihre Hengste erzielten dieses Jahr wieder herausragende Ergebnisse. Dritteltreffen 2009 auf Töltmyllan: Blaer vom Birkenhof holte den 1. Platz bei den siebenjährigen Hengsten und sein Sohn Jeremias vom Birkenhof den 2. Platz unter den Fünfjährigen (und das mit der Gebäudegesamtnote von 8,58 und Eintragung ins Eliteregister) beide geritten von Jonas. Und dann sind da noch Seifur vom Birkenhof, mit dem Jonas im März beim World-cup 2009 im dänischen Odense Gold im Fünfgang holte und sein
Sohn Jarl vom Birkenhof, der dieses Jahr Körungssieger in Wickrath wurde. Was sind Ihre Zuchtziele und wie schaffen Sie es, diese so erfogreich umzusetzen?"
Willibert Hassel: "Unser Zuchtziel? Wir wollen große, schöne, temperamentvolle und leichtrittige Islandpferde züchten, die über ein herausragendes Gangwerk und einen absolut einwandfreien Charakter verfügen. Um dieses Ziel auch langfristig zu erreichen, braucht man natürlich viel Erfahrung ( wir züchten seit über 30 Jahren ), man braucht viele Ideen und natürlich muss man auch seinen Pferden gegenüber kritisch sein und auch knallhart selektieren. Außerdem braucht man Zeit, denn eine fundierte, erfolgreiche Zucht entsteht nicht über Nacht. Bei uns kommt kein Pferd in die Zucht, das nicht von uns selber gearbeitet wurde. Und ist dann ein Pferd dabei, das unseren Vorstellungen und Ansprüchen nicht entspricht, kommt dieses Pferd für uns als Zuchtpferd nicht in Frage."
Fleygur:
"Auffällig
ist auch, dass alle Ihre Hengste aus eigenen Stuten
gezogen wurden - in der Öffentlichkeit stehen
ja hauptsächlich die Hengste - wie sehen und
gewichten Sie die Rolle der Mütter in der Zucht?"
Willibert Hassel: "Die Mütter spielen für uns eine sehr wichtige Rolle. Die Rolle der Mutter wird meines Erachtens nach in der Zucht oft völlig unterschätzt. Ich habe schon öfter erlebt, dass Leute Stuten zur Zucht einsetzen, die aufgrund charakterlicher Defizite zum Reiten nicht geeignet waren. So etwas kommt für mich überhaupt nicht in Frage. Die Stuten, die bei uns im Zuchteinsatz sind, werden nach den gleichen Kriterien ausgewählt, wie die Hengste. Wir haben ca. acht feste Zuchtstuten, die ich größtenteils selber gezogen habe und die ich schon seit Generationen kenne. Bisher war ich noch von keinem ihrer Nachkommen enttäuscht."
Fleygur:
"Einen großen Teil
Ihres Angebotes machen ja der Reitbetrieb und auch
die
Reiterferien aus. Nehmen wir mal an, eine Mutter sucht gerade für ihr Kind eine Möglichkeit zum Reitunterricht, vielleicht auch über einen Ferienkurs. Was ist das Besondere, was das Kind auf dem Birkenhof erleben kann, was es vielleicht woanders nicht so bekommt?"
Britta
Maiworm:
"Einen großen Teil
unseres Angebots macht sicherlich der Reitunterricht
für Kinder und die Reiterferien aus. Das Besondere
daran ist sicherlich, dass es bei uns nicht nur allein
ums Reiten geht. Gerade der Kontakt zu den Kindern
und deren Familie liegt uns sehr am Herzen. Für
diesen Bereich ist Angi der ideale Ansprechpartner.
Ihre nette und unkomplizierte Art kommt bei Groß
und Klein sehr gut an. Besonders in den Reiterferien
bieten wir neben den normalen Reitstunden ein spannendes
und abwechslungsreiches Rahmenprogramm an, so dass
erst gar keine Langeweile aufkommt."
Fleygur:
"Die erfolgreiche Teilnahme an Turnieren ist für Sie selbstverständlich. Annika war bereits im Alter von 10 Jahren vierfacher Deutscher Meister und vertrat 2004 das deutsche Team auf dem FEIF Youth Cup in Holland. Jonas ist einer der erfolgreichsten JuniorenReiter Deutschlands und wurde 2005 in das Bundeskader Junger Reiter berufen.
Jonas, diese Erfolge waren Dir und Deiner Schwester bestimmt nicht in die Wiege gelegt. Ihr habt früh angefangen und musstet bestimmt auf vieles verzichten. Wie war das so für Euch als Kinder bzw. Jugendliche? Gab es auch Zeiten wo es Euch zu viel wurde und Ihr nicht mehr Turnierreiten wolltet?"
Jonas Hassel:
"Meine Schwester Annika und ich reiten natürlich schon von Kindesbeinen an. Reiten und der Umgang mit Pferden gehörte für uns einfach schon immer dazu. Als wir noch ganz klein waren hatten wir zwei Mini Shetties. Wir haben immer unserem Vater bei der Arbeit mit Pferden zugeschaut und dann das Ganze mit unseren Ponys nachgemacht. Ich glaube es gibt bis heute kein einziges Minipony, das so viel longiert und geritten worden ist wie unser Pony Püppchen. Als wir dann größer waren, bekam dann auch jeder von uns einen eigenen Isländer. Wir haben dann auch schon in der Kinderklasse mit dem Turnierreiten begonnen und hatten immer eine Menge Spaß daran. Mit Pflicht oder Verzichten hatte das rein gar nichts zu tun. Gott sein Dank waren wir auch immer erfolgreich, so dass uns das Turnierreiten nie Leid wurde. Ich habe ja inzwischen das Reiten zu meinem Beruf gemacht. Annika ist ja auch IPZV Trainer B, aber da sie zur Zeit eine Ausbildung zur Erzieherin macht, hat sie leider im Moment nicht ganz so viel Zeit zum Reiten."
Fleygur:
"2008 war Dein Jahr: Deutscher Jugendmeister
im Fünfgang mit Seifur vom Birkenhof - Mitteleuropäischer
Jugendmeister im Fünfgang und die direkte DIM
2008 Qualifikation für das A-Finale im Deutschen
Fünfgangpreis - nur um einige Deiner Erfolge
zu nennen. Dann noch die bestandenen Prüfungen
zum Jungpferdebereiter, Trainer C und schließlich
auch noch zum Trainer B - alles innerhalb eines Jahres.Wie
schafft man das alles? Hat Dein Tag etwa mehr als
24 Stunden?"
Jonas Hassel: "Natürlich hat auch mein Tag nur 24 Stunden und sicherlich habe ich auch immer ganz schön viel zu tun. Ich muss also meinen Tag sehr genau planen um alles unter einen Hut zu bekommen. Da mir die Arbeit sehr viel Spaß macht und ich ja so den Grundstein für meine berufliche Zukunft lege, stört mich die viele Arbeit nicht. Andere Leute in meinem Alter, die noch zur Schule gehen oder eine Ausbildung oder ein Studium machen, haben sicherlich auch keine Langeweile."
Fleygur:
"2009 geht Deine Erfolgsserie mit Gold im Fünfgang
beim Word-Cup in Dänemark und der erfogreichen
Vorstellung der Hasselhofhengste auf den Zuchtprüfungen,
weiter. Du hast jetzt gerade wieder gewonnen - den
Fünfgangpreis der Junioren in Ellenbach - herzlichen
Glückwunsch! Hier bist Du als klarer Favorit
angetreten und bist diesem Anspruch wieder einmal
gerecht geworden. Wie kommst Du mit dem Druck, den
diese Favoritenrolle ja mit sich bringt zurecht? Gehörst
Du zu denjenigen, die vor dem Turnier total aufgeregt
sind oder bist und bleibst Du eher cool?"
Jonas
Hassel:
"Ich sehe mich
nicht als Favorit. Natürlich hatte ich besonders
in den letzten zwei Jahren viel Erfolg mit meinen
beiden Hengsten Seifur und Blaer, darüber freue
ich mich sehr und bin darauf natürlich auch stolz,
aber ich habe mich noch nie unter Druck gesetzt gefühlt.
Gott sei Dank bin ich eh nicht der Typ, der vor Prüfungen
aufgeregt ist, oder sogar Angst hat. Schon als Kind
konnte ich immer gar nicht verstehen, wie man vor
einer Turnierprüfung nervös sein kann. Ich
habe immer eine ganz klare Vorstellung davon, wie
eine Turnierprüfung ablaufen soll und ich kenne
meine Pferde in- und auswendig. Es gibt also keinen
Grund aufgeregt zu sein. Außerdem macht mir
Turnierreiten sehr viel Spaß. Sollte ich irgendwann
mal so nervös vor einer Prüfung sein, dass
der Spaß dadurch auf der Strecke bleibt, sollte
ich vielleicht besser mit dem Turnierreiten aufhören."
Fleygur:
"Du bist jetzt erst 19 Jahre, bist im Turniersport
richtig erfolgreich und
hast schon den Jungpferdebereiter- und die Trainerscheine.
Was sind Deine kurzfristigen
Ziele? Wo startest Du als nächstes?
Wohin geht Dein Weg langfristig gesehen - siehst Du
Deine zukünftige berufliche Karriere auch im
Islandpferdebereich?"
Jonas
Hassel:
"Mein kurzfristiges
Ziel ist die Deutsche Meisterschaft in Osterbyholz
am kommenden Wochenende. Langfristig möchte ich
mich reiterlich immer weiter entwickeln und noch ganz
viel lernen. Beim Reiten lernt man ja nie aus. Außerdem
möchte ich irgendwann gerne einmal unseren Hof
übernehmen."
Fleygur:
"Zum Abschluss noch
unsere Standardfrage: Wenn Sie sich eine Person aus
dem Bereich der Pferdeszene aussuchen könnten,
mit wem würden Sie gerne
mal bei einem gemeinsamen Ausritt ein längeres
Gespräch führen und zu welchem Thema?"
Willibert Hassel:
"Diese Frage ist schwer zu beantworten. Wir alle
haben eigentlich kein direktes Vorbild. Es gibt bestimmt
einige echte "Pferdeleute", nicht nur in der Islandpferdeszene,
mit denen man interessante Gespräche rund um
das Thema Islandpferd führen kann. Sicherlich
kann man sich von diesen Leuten noch viele wertvolle
Tipps und Anregungen holen. Für uns ist es immer
wichtig, sich zu entwickeln, über den Tellerrand
zu schauen, nicht einseitig zu werden und immer offen
für Neues zu sein. Wir werden bestimmt noch viele
interessante Menschen treffen, die uns auf diesem
Weg begeleiten und uns ein Stück weiterbringen
und darauf sind wir sehr gespannt."
Fleygur: "Danke
für das Interview und alles Gute und viel Erfolg
weiterhin.
Inzwischen wurde auf den Deutschen Meisterschaften
die WM-Equipe, die Deutschland vom 3.-9. August in
der Schweiz vertreten wird, nominiert - Jonas und
Seifur vom Birkenhof gehören dazu (F1 Junge Reiter)!
Hierzu herzlichen Glückwunsch! Wir drücken
Dir die Daumen!"
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