Fleygur: "Manni, wann habt Ihr Euch mit dem Islandpferdevirus infiziert und seit
wann gibt es das Gestüt Gut Lindenhof?" Manni: "Vor ziemlich genau 30 Jahren, haben meine Eltern auf unserem landwirtschaftlichen Betrieb mit der Milchviehhaltung aufgehört und im gleichen Atemzug bekamen wir unsere ersten Isländer. Sie wurden uns damals von einem guten Freund als tolle Freizeitpferde empfohlen. Wir kauften unsere ersten drei Isis bei Walter Feldmann. Das waren damals der Reitwallach "Stumur" aus Island, die zweijährige Stute "Blesa", sowie die damals tragende Stute "Foska" mit ihrem Fohlen "Flicka" bei Fuss. Flicka lebt heute noch auf Gut Lindenhof und genießt mit ihren 31 Jahren ihr Rentnerleben. Mit der Stuten Familie Foska bauten wir damals bis heute unsere ganze Zucht auf, auch unser Elitehengst "Höss von Gut Lindenhof" ist aus dieser Stute gezogen. Zu diesem Zeitpunkt war ich gerade mal 8 Jahre alt und bin so mit Isis aufgewachsen und könnte mir ein Leben ohne sie gar nicht mehr vorstellen." Fleygur: "Wie sieht denn ein typisches Gut Lindenhof Fohlen und späteres Reitpferd
heute aus und für welche Zielgruppe züchtet Ihr Eure Pferde?" Manni: "Wir züchten unsere Fohlen vier- und fünfgängig, alle haben klar getrennte Gänge und sehr starken Naturtölt. Uns ist es auch sehr wichtig, dass unsere Pferde einen guten Charakter haben, damit es zuverlässige Sport - und Freizeitpferde werden. Man sieht unsere Pferde auch erfolgreich in der Zucht. Um zwei Beispiele zu geben, den Windfarbhengst "Kafsteinson von Gut Lindenhof" und den Hengst "Kolur von Gut Lindenhof" und noch viele mehr." Fleygur: "Vom Fohlen bis zum späteren gut ausgebildeten Verkaufspferd ist ja ein
langer Weg. Wie verbringen Eure Pferde diese Zeitspanne auf dem Gestüt und
wie sieht ihre Ausbildung aus?" Manni: "Unsere Fohlen bleiben bis sie jährig sind in einer gemischten Herde, anschließend kommen sie in die Jungpferdeaufzucht bis sie ca. 4 jährig sind und wir anfangen, mit ihnen zu arbeiten. Wir geben unseren Pferden gerne Zeit bei der Ausbildung, machen viel Bodenarbeit und bauen Vertrauen zum Menschen auf. Der Ausbildungsweg unserer Pferde beginnt schon als Absetzer, wenn sie von der Weide kommen, dort werden sie halfterführig gemacht und lernen den Hufschmied kennen. Anschließend dürfen sie, bis knapp vierjährig, ihre Jugend geniesen, dann fangen die Bodenarbeit, das Longieren und die ersten Geländeerfahrungen als Handpferd an. Wenn sie soweit sind, kommt der Reiter hinzu, am Anfang auch an der Longe und dann folgen viele Handpferdritte im Gelände. Anschließend geht es Stück für Stück weiter, bis sie voll ausgebildet sind oder verkauft werden." Fleygur: "Bianca, Du leitest ja die Reitschule Gut Lindenhof, was willst Du Deinen
Reitschülern im Unterricht vermitteln und wie erreichst Du diese Ziele, hast
Du ein spezielles Unterrichtskonzept?" Bianca: "Ich möchte meinen Reitschülern von Anfang an zeigen, dass die Pferde unsere Partner sind und keine reinen Sportgeräte, die wie eine Maschine funktionieren, sondern ihren eigenen Charakter haben und auch zeigen. Da ich ein sehr bunt gemischtes Feld an Reitschülern habe, was das Alter betrifft, sowie auch die sportlichen Leistungen.
Bei meinen kleinen Reitschülern mache ich sehr viel über Spiel und Spaß, wir gehen auch von Anfang an ins Gelände, damit es nicht langweilig wird. Bei meinen Großen oder erfahrenen Reitschülern sieht das schon ein wenig anders aus, dort lege ich auch einen gewissen Wert auf Disziplin. Das soll nicht bedeuten, dass ich mit Stiefel und Peitsche in der Mitte stehe, sondern ich möchte sehen, dass sie sich auch bemühen und an sich selber arbeiten. Damit meine Reitschüler motiviert bleiben, mache ich mit ihnen auch Ausritte die mal etwas länger gehen oder ich lasse mal ne Runde Eis springen- kommt immer auf die Reiter an.
Nun habe ich noch eine Gruppe, die über den Sommer nur ins Gelände möchte, natürlich gehe ich auch auf diesen Wunsch ein, aber im Gegenzug wird dafür den ganzen Winter hart auf dem Reitplatz gearbeitet." Fleygur: "Selbst viele heutige Spitzenreiter haben Ihre Pferdelaufbahn einmal auf
dem Rücken eines Schulpferdes begonnen. Die ersten Erfahrungen beim Reiten
sind entscheidend dafür, ob man mit Spaß am Ball bleibt oder vielleicht
recht schnell wieder aufgibt.
Wie wählst Du Deine Schulpferde aus und was ist dir bei Ihrer Haltung und
Ausbildung besonders wichtig?"
Bianca: "Ich wähle meine Schulpferde eigentlich nach meinem Bauchgefühl. Es kommt immer darauf an, ob es vorher schon Schulpferde waren oder nicht, von wem sie vorher geritten wurden, ob sie schon Tuniere gelaufen sind- es gibt sehr viele wichtige Faktoren. Auf jeden Fall reite ich alle Pferde selber Probe und teste auch ein bisschen, wie weit ich sie ärgern darf. Wenn ein Pferd dann zu mir kommen darf, hat es eigentlich für ein Schulpferd ein sehr schönes Leben. Die meisten Schulpferde haben keine Bezugspersonen, aber das ist mir sehr wichtig. Auch für meine Reitschüler, wenn Sie sehen, dass meine Pferde Vertrauen zu mir haben, dann haben es die Kinder auch. Meine Schulpferde werden einmal in der Woche von mir geritten und haben einen komplett freien Tag, wenn sie mal in der Schule nicht gebraucht werden, dann werden sie longiert oder gebadet, aber ich beschäftige mich mit ihnen und das bringt mir ihr Vertrauen.
Meine Schulpferde stehen alle in Herden im Offenstall und auch alle kommen im Sommer auf die Weide, der Ausgleich ist für ihre Seele wichtig."
Fleygur: "Es gibt viele Menschen, die gerne reiten würden, es vielleicht als Kind
auch mal getan haben und wieder einsteigen möchten, aber ängstlich sind,
weil Sie z.B. früher schlechte Erfahrungen gemacht haben. Hast Du für diese
Menschen ein spezielles Angebot?" Bianca: "Wenn man auf jeden einzelnen Reitschüler aufmerksam eingeht, braucht man kein spezielles Angebot. Ich habe auch eine Reitschülerin, die am Anfang panische Angst hatte, weil sie früher im Gelände viele schlechte Erfahrungen gemacht hat. Wir sind am Anfang nur auf den Reitplatz gegangen und auf einem sehr ruhigen Pferd. Wir hatten die Abmachung, wenn sie Angst bekommt, soll sie mit mir reden und mir ihre Angst erklären, d.h. warum sie genau jetzt in diesem Moment diese Angst hat und durch was sie gerade ausgelöst wurde. So hat sie angefangen, verschiedene Situationen einschätzen zu können und auch richtig zu reagieren. Mittlerweile, ein halbes Jahr später, haben wir die schönsten Ausritte in allen Gangarten und ganz ohne Angst." Fleygur: "Nach welchen Kriterien sollten denn Interessierte eine Reitschule
auswählen, wenn sie sich über das Angebot in ihrer Umgebung informieren? " Bianca: "Das ist eine gute Frage, ich kann euch nur sagen, auf was ich achte und was mir wichtig ist. Fangen wir mal mit dem Hauptpunkt an, das ist der Preis. Ich würde nicht die billigste Reitschule nehmen, aber auch nicht die teuerste, sondern das Mittelfeld. Dort wird aus meinen Erfahrungen am meisten Wert auf Pferd und Reiter gelegt. Dann würde ich darauf achten, dass die Gruppen nicht zu groß sind, max. 4-5 Reiter, sonst kann sich der Reitlehrer nicht gerecht um alle kümmern. Die Schulpferde sollten auch gut aussehen, nicht zu dünn und kein stumpfes Fell und ganz wichtig ist der Beschlag, falls sie einen haben. So zum Schluss noch das wichtigste, das ist die Sympatie zwischen Reitschüler und Reitlehrer, wenn die nicht da ist, macht der beste Unterricht keinen Spaß." Fleygur: "Auch Euch stellen wir natürlich noch unsere Standardfrage. Mit welcher
Person aus dem "Pferdebereich" würdet Ihr denn gerne mal bei einem längeren
Ausritt ein Gespräch führen und zu welchem Thema?" Bianca: "Wir würden gerne mal mit Walter Feldmann ausreiten gehen und uns ausführlich über Zucht, Haltung und Ausbildung unterhalten."
Fleygur: "Ja da seid Ihr nicht die einzigen. Wir bedanken uns für das Gespräch und wünschen Euch für die Zukunft alles Gute, insbesondere für die bevorstehende Geburt Eures Kindes!" |