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Zum Hof des Jahres 2009

 
 
Fleygur Höfe des Monats

Hof des Monats August 2009 ist der
"Schönauer Hof "- 53902 Bad Münstereifel
hier geht's zur Fleygur Website vom "Schönauer Hof "

 



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: Theo Stamm


Der Schönauer Hof liegt bei Bad Münstereifel im Örtchen Schönau. Auf ca 135 Hektar Grünland leben 150 - 160 Islandpferde, 15 - 20 Galloway-Rinder, 30 Schafe und diverse Kleintiere. Der Hof ist nach EU-Richtlinien zertifizierter Biohof. Seit 1994 führt Theo Stamm Wanderritte und bietet mit seinem Angebot einen bestens organisierten, unbeschwerten Ferientag zu Pferd auf bewährten Strecken mit attraktiven Höhepunkten. Auch die übrigen Angebote des Schönauer Hofes lassen kaum einen Wunsch offen. Egal ob Pension, Unterricht, Beritt oder Zucht - hier finden Sie immer einen kompetenten Ansprechpartner und vielleicht auch Ihr Traumpferd.


Fleygur: "Herr Stamm, Sie sind auf einem  Hof mit Kaltblutpferde-Zucht aufgewachsen und haben bereits mit 7 Jahren angefangen diese zu reiten. Wie kamen Sie vom Kaltblüter zum Islandpferd und wie entstand der Schönauer Hof?"

Theo Stamm: "Meine Pferdeliebe hat mich von Kindheit an begleitet und geprägt. Der erste Kontakt mit Max, dem Kaltblüter, zeigte mir, dass es auf den Charakter ankommt. Als dann nach vielen Jahren die Entscheidung zu treffen war, welche Pferderasse zu mir passt, kam ich immer wieder auf die Islandpferde zurück. Anfangs hatte ich nur Pferde für meine eigene Familie angeschafft, dann wurden es rasch 20 Stück. Mein "Ausstieg" aus dem "Stressjob" meines früheren Lebens sollte dann in ein Leben einfließen, das durch Pferde geprägt sein würde. So entstand der Schönauer Hof."

Fleygur: "Sie sind einer der wenigen Islandpferdehöfe, die das Bio-Siegel tragen dürfen, also den Hof nach den Kriterien des ökologischen Landbaus bewirtschaften und nach EU-Richtlinien als Biohof zertifiziert sind. Welche Vorteile sehen Sie speziell in der Pferdehaltung und Zucht gegenüber "normaler Bewirtschaftung" bzw. wie profitieren die Pferde davon?"

Theo Stamm: "Um das Bio-Siegel tragen zu dürfen, muss man erhebliche Kriterien erfüllen, die der Umwelt und der Gesundheit von Tier und Mensch dienen. Insbesondere Verzicht auf Pestizide und chemische Düngemittel bzw. Nitrate. Wir erreichen dadurch eine um bis zu 10x höhere Kräutervielfalt im Futter, benötigen jedoch auch deutlich mehr Fläche. So können wir unseren Pferden bestmögliche Futterversorgung bieten und der Umwelt den nötigen Respekt zollen."

Fleygur: "Einer Ihrer Schwerpunkte sind die Wanderritte. Sie bieten über 30 verschiedene geführte Ritte - vom Kurztagesritt bis zum mehrtägigen Wanderritt - an. Pro Jahr führen Sie etwa 100 Ritte, und legen dabei gut 5000 km zurück.
Was ist Ihnen besonders wichtig, damit ein Wanderritt zum gelungenen Event für die Teilnehmer wird?"

Theo Stamm: "Hier sind vor allem die perfekte Planung sowie eine gute Pferdeausbildung Grundvoraussetzung. Alle Rittstrecken werden regelmäßig - vor langen Ritten - nochmals kontrolliert, damit unliebsame Überraschungen vermieden werden. Dann ist die Gruppenzusammensetzung der Gäste wichtig. Neue Gäste möchten wir zuvor bei einer Reitstunde auf den Wanderritt auf Isis vorbereiten. Nicht zuletzt muss unterwegs eine optimale "Versorgung" stattfinden. (Hilfe beim Nachgurten, beim Anbinden zur Pause, viele Reitpausen und "sanitäre" Stopps etc.) Dann kann der Gast den Ritt als Event genießen."

Fleygur: "Was macht die Eifel so besonders reizvoll für Wanderritte?"

Theo Stamm:
"Besonders die Nordeifel bietet Landschaftsbilder von besonderer Schönheit. Auch die Sehenswürdigkeiten, die Wegeführung und das Klima passen perfekt zu unserer Idee. Als Naherholungsgebiet für Gäste aus Köln, Düsseldorf, dem Ruhrgebiet oder Niederrhein ist die geographische Lage sehr interessant. Gleichzeitig ist die Ortsnähe zur Kurstadt Bad Münstereifel für den Aufenthalt der Gäste vor oder nach den Wanderritten oder bei Urlaubsaufenthalt auf dem Hof sehr attraktiv."

Fleygur: "Welche Voraussetzungen müssen Pferd und Reiter erfüllen, damit ein mehrtägiger Wanderritt sie nicht überfordert?"

Theo Stamm: "Sie sollten gut konditioniert sein, etwas Reiterfahrung mitbringen und mindestens ein oder zwei Kurz-Wanderritte bei uns mitgemacht haben. Weiter ist gute Grundlaune und ein bisschen "soziale Kompetenz" wichtig, damit die Gruppe immer positiv gestimmt ist."

Fleygur: "Was war Ihr schlimmstes und was Ihr schönstes Erlebnis auf einem Wanderritt?"

Theo Stamm: "Zum Glück gibt es vor allem schöne Erlebnisse, und zwar sehr sehr viele. Aber auch negative Erfahrungen sind nach so vielen Jahren in Erinnerung geblieben. Z. B. ein Gast, die sich derart zuviel zugetraut hat, dass sie bei der ersten Galoppstrecke um Hilfe schrie, und sich herausstellte, dass sie nie zuvor im Gelände galoppiert war. Wir mussten ca. 2 Stunden im Schritt weiter reiten und sie abholen lassen. Oder ein PKW-Fahrer, der trotz vorschriftsmäßiger Straßensicherung in die Gruppe fuhr. Dank der nervenstarken Pferde passierte nichts, außer einem riesen Schreck und viel Zorn in allen Gesichtern, der sich aber bei der ersten Töltstrecke wieder legte. Aber eines der schönsten Erlebnisse war die spontane Einladung einer türkischen Familie, die in einer Waldhütte eine Familienfeier abhielt. Sie luden uns spontan zum Essen und Trinken ein und wir wurden sehr freundlich aufgenommen, sogar ein kleines "Tänzchen" war dabei. Darüber sprachen wir noch sehr lange bei den Stunden des "Rittgeplauders" nach der Heimkehr beim Essen."

Fleygur: "Die Pferde, die Sie auf Ihren Wanderritten einsetzen, werden nach der Signalreitweise geritten, diese bildet auch die Grundlage in Ihrer Reitschule und bei der Ausbildung  Ihrer Jung- und Verkaufspferde. Was sind denn die Hauptunterschiede zur "nomalen" Reitweise und welche Vorteile bringt die Signalreitweise?"

Theo Stamm: "Mit der von mir entwickelten "sanften" Reitweise, die alle Druckelemente und extrem treibenden Hilfen bei den kurzen Islandpferden (zu häufig im Bereich der Lendenwirbel mit zu langen Sätteln und zu viel Druck) weglässt, bekommen wir sanfte und "Lammfromme" Pferde, die mit "zwei Fingern" reitbar sind. Ob es die Biegungen sind, die ganze Parade, die wir nicht treibend ausführen oder alle anderen Hilfen. Dabei stütze ich mich besonders auf die Erkenntnisse aus der Physiotherapie. Es ist so schön zu erleben, wie hier Korrekturpferde, die als "heiß" und "schwierig" gelten, in wenigen Wochen brav und willig den Reiterhilfen folgen und sich sanft reiten lassen. Der Respekt vor der Kreatur verlangt nach meiner Meinung nach einer "vorsichtigen" Behandlung vor allem des sensiblen Pferdemaules. Über die Signalreitweise schreibe ich an einem Buch, welches ab Jahresende als E-Book im Internet zu haben sein wird. Gleichzeitig erscheint der ca. 90 Minuten-Film über die Zucht, Aufzucht, Ausbildung, das Signalreiten und die Wanderritte hier auf dem Hof."

Fleygur: "Sie vermieten Ihre Pferde auch stunden- oder tageweise. Da setzten Sie sehr viel Vertrauen nicht nur in die Reiter sondern auch in Ihre Pferde. Wonach wählen Sie die Verleihpferde aus?"

Theo Stamm: "Das ist ein heikles Thema. Wir verleihen ausschließlich an hier gut bekannte "Stammkunden" Pferde. Sie müssen ausdrücklich guten Umgang mit den Pferden zeigen und sich an alle unsere Vorgaben halten. Die Pferde werden passend zu den Reitfähigkeiten der Reiter ausgesucht, wie wir dies auch bei den Wanderritten tun."

Fleygur: "Sie verkaufen ja viele Pferde und geben jedem Pferd beim Verkauf ein "Mitspracherecht". Wie meinen Sie das, die Pferde sollen sich die Reiter aussuchen?"

Theo Stamm: "Im Round-Pen lernen die Kaufinteressenten das "Join up" kennen, dabei spüren wir gemeinsam, ob ein Pferd den Kontakt erwidert oder eher diesen nicht mag. Beim "freien Folgen" und beim Ausstreichen sowie bei der Kontaktaufnahme zeigt sich schnell, ob es eine Sympathieebene gibt, die sozusagen vom Pferd erwidert wird. Ist dies nicht der Fall, rate ich vom Kauf ab. Nur so kann ich sicherstellen, dass später das Reiter - Pferd Verhältnis auch wirklich perfekt wird."

Fleygur: "Zum Abschluss noch unsere Standardfrage: Wenn Sie sich eine Person aus dem Bereich der Pferdeszene aussuchen könnten, mit wem würden Sie gerne mal bei einem gemeinsamen Ausritt ein längeres Gespräch führen und zu welchem Thema?"

Theo Stamm: "Gerne mit Monty Roberts, er hat mich stark inspiriert. Über das Thema "wie fühlst und spürst du, mit welchem Typ Pferd du es zu tun hast" wurde ich gerne mit ihm meine Erfahrungen austauschen und noch mehr von ihm wissen wollen."

Fleygur: "Die vielen schönen Bilder von den Wanderritten auf Ihrer Webseite machen richtig Lust, mal einen mehrtägigen Ritt bei Ihnen mitzumachen. Wenn wir es irgendwie einrichten können, werden wir das im nächsten Frühjahr auch tun!
Wir wünschen Ihnen viel Erfolg mit Ihrem Buch und bedanken uns für das Interview."


 
 

 

 

 


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