| Fleygur:
"Maren und Einar, Ihr seid ein isländisch- deutsches Paar. Wo habt Ihr Euch kennengelernt und wie kam es zu Vindhólar?"
Maren: "Kennengelernt haben wir uns 1988 auf der deutschen Meisterschaft in Lingen. Von da ab konnten wir uns beide nicht mehr vergessen. Wiedergetroffen haben wir uns aber erst 1990 auf dem Landsmót in Island. Ab hier war klar, dass wir zusammenbleiben.
Einar arbeitete zu der Zeit in Frankreich auf Schloss Haras du Mont (Zuchtlinie de Bourbon) in der Nähe von Vichy, wo er die Zucht von Familie Bardot ausgebildet hat. Also ging ich zunächst mit ihm nach Frankreich. Der Wunsch einmal einen eigenen Hof in Deutschland zu betreiben, war bereits geboren. Aber wie? Da kam uns ein Angebot von Karly Zingsheim gelegen, die Nachzucht von Fifi fra Spenstrup mit insgesamt 12 Nachkommen auf das DIZ ( Internationales Deutsches Islandpferde -Zuchtchampionat ) vorzubereiten. Wir nahmen das Angebot an - es war auch für uns eine Herausforderung, da es erstmalig in Deutschland war, dass ein Hengst mit 12 Nachkommen präsentiert werden sollte. Von nun an waren wir halbtags für das Gestüt Roderath tätig und fingen gleichzeitig an uns selbstständig zu machen. Wir boten Reitkurse und Beritt an und importierten Pferde aus Island."
Fleygur: "Gibt es Personen
die Euch in Eurer Geschichte mit Islandpferden besonders
geprägt haben? Und wenn ja, inwiefern? "
Maren:"Meine Kindergärtnerin. Durch sie hatte ich erstmals Kontakt zu Islandpferden. Als ich 6 Jahre alt war, gründete sie einen Jugendreiterhof mit Islandpferden, den Islandhof Hochfeldhufe. Sie hatte ganz wunderbare Pferde, die allesamt wilde "Frisch-Importe" waren. Ich war fasziniert. Später verbrachte ich alle Schulferien auf ihrem Hof.
Außerdem mein Vater. Er hat mich in Punkto "Reiten" immer sehr unterstützt und gefördert. Schon mit 10 Jahren ermöglichte er es mir in ganz Deutschland Kurse bei namhaften Ausbildern zu besuchen und meine Turnierkarriere zu starten. Wir reisten gemeinsam zu allen wichtigen Turnieren. Meine Meisterschaftserfolge verdanke ich seiner frühen Förderung."
Einar: "Reynir Aðalsteinsson
und Ottó vom Hof Viðvík. Auf Sigmundarstaðir
bei Reynir und Viðvík bei Ottó habe ich
meine Kindheit verbracht. Ich bin in den Westfjorden geboren
und in Nordisland mit den Pferden meiner Eltern groß
geworden. Da ist es klar, dass man reitet. Neben erfolgreich
bestrittenen Sportturnieren stand auch viel Spaß auf
dem Programm. So habe ich z.B. schon mit 11 Jahren erfolgreich
am "Isländischen Triathlon" teilgenommen.
Dies war eine etwas verückte Veranstaltung unseres
Vereins in Siglufj ó rdur und beinhaltete Galopp,
Tölt und Schwimmen im eiskalten Fluss mit dem Pferd.
Das ist gar nicht so einfach aber machte viel Spaß.
Aus züchterischer Sicht habe ich auch viel von Otto
vom Hof Viðvík gelernt. Besonders beeindruckt
hat mich immer der tolle Charakter seiner Pferde. Einen
unserer Hengste habe ich von ihm, Glóstjarni frá
Viðvík. Dieser Hengst ist erfogreich viele Sport
A Turniere und Hengstparaden gelaufen und parallel dazu
konnten wir ihm unseren 2 jährigen Sohn anvertrauen,
der auf ihm reiten lernte." Fleygur:
"Im September fand bei Euch ja wieder das traditionelle
Vindhólar-Keppni statt. Was ist das besondere am
Gæðingur-Keppni?"
Maren: "Beim Gæðingur-Keppni
geht es darum, das "Spitzengangpferd" des Turnieres zu
finden, den Gæðingur. Beurteilt wird dabei insbesondere
der "Spirit" eines Pferdes- sein isländisches Feuer.
Dieses zeigt sich z.B. in der Lauffreude, im Gangpotential,
der Leistungsbereitschaft und dem Charakter. Im Gegensatz
zu "normalen" Sportturnieren wird also mehr
geschaut, wie ein Pferd sich präsentiert, welche
Ausstrahlung es hat - Prüfungsdetails wie z.B. kleine
Taktfehler etc. werden weniger streng bewertet. Hilfsmittel,
wie z.B. Gerten sind übrigens nicht erlaubt. Galopp
wird bis ins Renntempo gezeigt, das hat etwas zusätzlich
Spektakuläres für die Zuschauer. Einem Gæðingur
dabei zuzusehen, bereitet den Zuschauern einfach viel
Vergnügen, deshalb ist das Gæðingur-Keppni
für Besucher so interessant und wird auch in Deutschland
immer beliebter. Isländisches Flair wird bei uns
dabei ganz groß geschrieben, das zieht sich nicht
nur durch die Prüfungen. Auch kulinarisch und musikalisch
können unsere Turnierbesucher Island entdecken. Es
gibt original isländische Speisen und im Festzelt
nach dem Turnier spielt die berühmte Live-Band "Á
Móti Sól" aus Island."
Fleygur: "Auf welche Pferde
setzt Ihr in sportlicher Hinsicht die größte
Hoffnung für die Zukunft?"
Einar: "Auf Fónix von
Vindhólar, er war Körungssieger 2006 und legt
seine Zuchtprüfung im nächsten Frühjahr
ab. Er ist ein sehr elastischer Hengst, der viel Kraft
und Energie verkörpert. Außerdem auf unseren
Junghengst Lifandi von Vindhólar. Er ist von Depill
frá Votmúla und unserer vielfach prämierten
Stute Lif von Vindhólar. Lif bekam 2002 die Auszeichnung
"Pferd des Jahres" und war im gleichen Jahr Deutsche Meisterin
im Fünfgang. Außerdem wurde sie ab 1998 "EISKÖNIGIN"
- 3-malige Meisterin beim Eischampionat im Füngang.
In Punkto Rennpass setzen wir sehr auf Ljósbrá
von Faxaból, die ja bereits in den letzten Jahren
schon sehr erfolgreich war. Ach, und nicht zu vergessen,
"Lyfting von Vindhólar", unsere 6 jährige
Nachwuchsstute, die bereits bei Ihrem ersten Turnier einen
Erfolg feiern konnte: Platz 3 unter 55 Teilnehmern im
Tölt."
Fleygur:"Einar, Du gehörst als geprüfter isländischer Bereiter der isländischen Bereitervereinigung "Félag tamningamanna" an, gleichzeitig bist Du auch deutscher Pferdewirtschaftsmeister und somit Ausbilder zum Beruf "Pferdewirt". Stellen sich für Dich Unterschiede in der deutschen und isländischen Ausbildung dar?"
Einar: "In der Ausbildung zum deutschen Pferdewirt geht es um Zucht, Haltung und Pflege. Bei der Prüfung der "Félag tamningamanna" liegt der Schwerpunkt ganz klar beim Reiten: es wird die praktische Ausbildung oder der Beritt mit anschließender Vorstellung der Pferde gefordert. Natürlich setzt die Ausbildung von Jungpferden auch entsprechendes Material voraus - in Island wird die Zucht schon seit Jahrzehnten sehr selektiv betrieben und unterliegt härtesten Zuchtkriterien."
Fleygur: "Zu Eurem Team gehört z.B. auch noch Fathi Lassoued, der im Nationkader als Springreiter mit Warmblutpferden sehr erfolgreich war und aktuell im "Team Austria" der österreichischen Islandpferdevereinigung ist. Wie wirken sich so viele unterschiedliche Einflüsse auf Eure Arbeit aus?"
Einar: "Wir sehen darin keinen Wiederspruch. Pferd ist Pferd - man braucht bei allen Pferden die gleichen reiterlichen Voraussetzungen. Die Ausgangspunkte, wie z.B. die Notwendigkeit einer guten Gymnastizierung des Pferdes, sind immer gleich. Manch einem mag das, in Bezug auf die Islandpferdereiterei, neu erscheinen, ist es aber nicht. Schon Reynir und Otto haben z.B. immer auf starke Oberlinien und eine gute Gymnastizierung geachtet.
Daraus ergibt sich, dass ein guter Großpferdereiter prinzipiell auch ein guter Gangpferdereiter sein kann. Das schließt nicht aus, dass Großpferdereiter z.B. für das Reiten von Rennpass nochmal ganz neue Lektionen erlernen müssen. Übrigens kommen auch viele Islandpferde-Weltmeister aus dem Warmblut-Sport, wie z.B. der amtierende Weltmeister im Viergang Stian Pedersen, die berühmte Olil Amble und viele Andere."
Fleygur: "Was sind Eure Ziele für 2009?"
Einar::"Die "20. Norddeutsche Hengstparade", die wir ausrichten werden. Dann die nächste WM, bei der wir anstreben, mit mehreren Pferden an Zuchtprüfungen teilzunehmen. Und natürlich wünschen wir uns als Turnierstall, auch für 2009 wieder erfolgreich im Sport mitreiten zu können. Ausserdem freuen wir uns im neuen Jahr auch wieder sehr auf schöne gemeinsame Ausritte, nette Wochenendunternehmungen und Abendveranstaltungen wie Grillfeste etc. mit Freunden und unseren Einstellern. Wir werden zusammen wieder viel Spaß bei unseren zahlreichen Freizeitaktivtäten haben und gemeinsam eine Menge lustiger Stunden verbringen."
Maren: "Ja, außerdem wollen wir 2009 über den Ausbau unserer hofeigenen Wege eine direkte Anbindung unseres Reitgeländes an die Naturschutzgebiete Stapelfelder Moor und Stellauer Feldmark schaffen. Dann werden wir unsere neue Wellnessoase im Glacehaus auf der Empore der Reithalle eröffnen und natürlich steht auch das Ausrichten des dritten Vindhólar-Keppnis 2009 wieder ganz oben auf unserer Prioritätenliste."
Fleygur: "Noch eine abschließende Frage. Uns ist aufgefallen, dass unter den isländischen Züchtern und Reitern in Deutschland die meisten im Norden Deutschlands leben und arbeiten. Gibt es dafür eine Erklärung?"
Einar:"Vielleicht entspricht die norddeutsche Mentalität eher der unseren. Die ist auch etwas kühler. Genauso wie der frische Wind hier oben. (mit einem Augenzwinkern)"
Fleygur: "Vielen Dank Maren und Einar. Wir wünschen Euch, dass Eure Herzen weiterhin so leidenschaftlich Viertakt schlagen und beim Fliegen natürlich immer viel Rückenwind!" |