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Hof des Jahres 2011

 
 
Fleygur Höfe des Monats

Hof des Monats Oktober 2009 ist
"Islandpferde Eggenertal " 79418 Schliengen-Obereggenen

 

 


oben: Marina mit Ernir fra Efri Bru

 

Eine Weide im schönen Eggenertal. Es duftet nach Gräsern und Kräutern. Plötzlich - Hufschlag. Und schon kommen sie angetrabt. Neugierig wie sie sind, beschnuppern sie jeden Besucher ihrer Weide: die Islandpferde vom Eggenertal. Die Vorzüge der Isländer haben sich auf der ganzen Welt herumgesprochen und werden von vielen Pferdeliebhabern geschätzt. Zu diesen Liebhabern gehört auch Marina Jenne. Schon vor Jahren hat sie sich Islandpferden angenommen. Und ihre Liebe zu diesen Tieren ist fast so grenzenlos wie der Himmel über Island, so sagt sie.

Marina Jenne ist leider am 4.7.2010 völlig unfassbar und viel zu früh bei einem tragischen Unfall ums Leben gekommen!

Fleygur: "Frau Jenne, wie kam es zum Islandpferdehof Eggenertal und was bieten Sie heute an?"

Marina Jenne: "Ich hatte lange Jahre ein Grosspferd in Eigenregie und benötigte ein, für mich auch reitbares, Beistellpony. Als ich suchte, fand ich in meiner Nähe einen Islandpferdezüchter, der mir ein supertolles Angebot für eine Naturtölterin machte. Nie im Leben hätte ich daran gedacht, einen eigenen Isländer im Stall stehen zu haben, doch so kam ich zu meiner "Goose". Durch sie lernte ich Isländer kennen und lieben. Mein Grosspferd bekam eine Reitbeteiligung, denn ich ritt fortan lieber dieses kleine 135cm große Puschelpony. Nach einiger Zeit  wurden es dann immer mehr Isländer, denn "ein Isländer kommt ja bekanntlich selten alleine". Da mein Grosspferd nie in diese Herde integriert wurde, habe ich schließlich beschlossen, es nach 12 Jahren gemeinsamen Weges zu verkaufen und mich ganz den Isländern zu widmen. Ich wünschte mir immer mal ein Fohlen aus Goose und so ließen wir sie 2005 decken und kauften gleichzeitig noch eine tragende Stute (Fjödur vom Mühlental ) dazu. So sind wir auf den Weg des Züchtens gelangt. Es macht einfach grosse Freude, wenn das Fohlen dann endlich da ist und man es aufwachsen sieht. Nachdem wir 2004 mittlerweile 7 reitbare Isis hatten, kam uns die Idee, dem Ganzen einen Namen zu geben: "Islandpferde Eggenertal" und für die Touris hier Rundritte ums Eggenertal anzubieten. Nach kurzer Zeit waren meine Kunden aber eher Kinder, die Reiten lernen wollten. Also gut, dann halt eine kleine Reitschule, dachten wir, wobei die Kinder auf Handpferd und im Gelände das Reiten lernten, weil wir bis dato ja keinen Reitplatz hatten. Vor zwei Jahren hatten wir dann das Glück, auf dem einzigen Aussiedlerhof im Eggenertal die Stallungen zu pachten. Wir bauten im Sommer 2008 unseren langersehnten Reitplatz und einen Roundpen zur besseren Ausbildung von Ross und Reiter. Unser momentanes Angebot sind Reitunterricht in kleinen Gruppen, Wochenend-Kurse auch mit Fremdtrainern, Ferienangebote für Kinder, Ausritte auch für Anfänger, Pensionspferdehaltung (Doppelboxen oder Offenstall), Zucht mit eigenem Elite-Hengst, Aufzucht für 2-3 Fremdfohlen, Pferdeverkauf und Pferdeausbildung."

Fleygur: "Wenn Sie in 3 Stichwörtern beschreiben würden, was Ihnen in der Arbeit mit Islandpferden und ihren Menschen wichtig ist, welche wären diese und warum?"

Marina Jenne: " Individualität, Qualität und Natürlichkeit. Ich möchte für "meine" Menschen und Tiere Zeit haben und individuell auf ihre Bedürfnisse und Probleme beim Reiten als auch beim täglichen Umgang miteinander eingehen. Ich möchte ihnen Qualität bieten und keine Massenabfertigung machen, so wie es teilweise in den Grosspferde-Reitschulen um mich herum geschieht. Deswegen gebe ich viel Einzelunterricht und in meinen Reitschulgruppen sind nicht mehr als 3 Personen. Und was für mich auch wichtig ist: "Natürlichkeit". Bei uns sollen die Pferde noch Pferde sein dürfen und auf dem Hof herrscht ein angenehmes, natürliches Miteinander, jeder ist gleich, egal ob Anfänger oder Tunierreiter."

Fleygur: "Zu Ihrem Unterrichtskonzept: Alle Reitanfänger fangen bei Ihnen mit dem Voltigiergurt an und reiten erst nach 9-12 Monaten mit Sattel. Warum bevorzugen Sie diese Unterrichtsweise?"

Marina Jenne: "Da spreche ich aus meiner eigenen Erfahrung heraus, weil auch ich auf einem blanken Pferderücken das Reiten gelernt habe. Man bekommt ein besseres Körpergefühl, einen schöneren Sitz und ein besseres Gleichgewicht. Man spürt die Bewegungen des Pferdes unter sich besser oder leichter und ist unabhängiger von den Steigbügeln. Es gibt ja immer mal Situationen, bei denen der Steigbügel vom Fuss rutscht. Meine Schüler sind dann nicht panisch, sondern reiten dann halt einfach ohne Bügel weiter, weil sie´s ja gelernt haben und gewöhnt sind, auch ohne Steigbügel zu reiten."

Fleygur: "Sie bieten auch Wanderreitern Quartier. Was ist das besonders reizvolle im Eggenertal? Warum sollten Wanderreiter bei Ihnen unbedingt Station machen?"

Marina Jenne: "Ich glaube besser kann ich es auch nicht erklären, als es auf der Seite www.eggenertal.de beschrieben ist: "Im sonnigen Markgräflerland, zwischen Freiburg und Basel liegt das Eggenertal. Obstwiesen und Weinberge prägen die offene, bwechslungsreiche Kulturlandschaft mit den Ortschaften Niedereggenen und Obereggenen sowie dem Weiler Schallsingen. Das milde Klima im Dreiländereck Deutschland, Frankreich, Schweiz, sorgt dafür, dass auch im Eggenertal, am Fuß des Schwarzwaldes, der Frühling oft einen Frühstart hinlegt. Besonders üppig blühen dann Tausende von Kirschbäumen und hüllen das Tal in ein weißes Kleid. Im Herbst taucht die Sonne das Tal in warmes Licht. Besonders weit reicht dann der Blick vom Hausberg, dem Hochblauen. Alpen und Vogesen rücken dann noch ein Stück näher. Die landschaftliche und kulturelle Vielfalt der Region lässt sich zu jeder Saison genießen - und viele lohnende Ausflugsziele ( z.B. Schloss Bürgeln, die Saussenburg, der Hochblauen ) sind gut und schnell vom Eggenertal aus zu erreichen."
Desweiteren haben wir ein sehr grosses Reitwegenetz ohne jegliche Reitverbote. Da ist für jeden Anspruch etwas dabei. Wir sind schnell im Wald, schnell in den Obstbergen oder Reben. Etwas alpin oder doch nur leicht hügelig. Fester Wald-/Feldwegboden oder Wiesenuntergrund."

Fleygur: "Seit 2006 züchten Sie auch Islandpferde. Ihr Zuchthengst Ernir fra Efri Bru steht auch Fremdstuten zur Verfügung. Was macht Ernir aus?"

Marina Jenne: "Also Ernir ist so ein Thema, da komm ich ganz ins schwärmen... das gäb wohl ein ganzes Buch. Vorweg, Ernir und mein Weg haben sich leider erst letztes Jahr im April gekreuzt. Wir haben ihn zum Decken und für mich zum Reiten von seiner noch Besitzerin Sissy Lenz aus Österreich ausgeliehen bekommen. In dem vergangenen Jahr konnte ich ihn sehr gut kennen lernen. Und da er einen supertollen Charakter hat und total in meine Philosophie in Sachen "Hengst" und "Hengsthaltung" reinpasst und zudem im Umgang superklasse ist, war für mich bald klar, "der Schwarze bleibt bei mir im Eggenertal". Ernir ist ein Kjarval fra Saudarkroki Sohn aus der Pamela fra Efri Bru (1.Preis Stute). Zwar ist er schon etwas älter, aber er hat ja trotzdem seine Qualitäten. Noten und mehr Infos kann man auf seiner Homepage www.ernir-fra-efri-bru.eu nachschauen. Ernir ist ein Fünfgänger mit schönem Tölt und schnellem Rennpass. Er lief als Junghengst auf dem Landsmot, wurde als 5 jähriger in Island ins Eliteregister aufgenommen und kam danach nach Östterreich zur Sissy. Da lief er viele Tuniere sehr erfolgreich mit, nahm auch erfolgreich an der WM in StadlPaura teil. Ernir macht grossrahmige Pferde mit sehr gutem Charakter, sehr schnellem Rennpass, mit viel Naturtölt und lockerem Trab. Seine starken, geraden Beine und seinen schönen Behang gibt er ebenso weiter. 2010 bekommen wir unsere ersten Ernir´s und wir sind schon sehr, sehr gespannt darauf."

Fleygur: "Zu unserer Standardfrage: Wenn Sie sich eine Person aus dem Bereich der Pferdeszene aussuchen könnten, mit wem würden Sie gerne mal bei einem gemeinsamen Ausritt ein längeres Gespräch führen und zu welchem Thema?"

Marina Jenne: "Ja da hab ich mir mal einige Gedanken darüber gemacht...
Ich glaube, ich wäre gerne mal mit Bruno Podlech ausgeritten und hätte gerne ein
längeres Gespräch über Zucht und Hengste gehabt. Ich hätte gerne gewusst, was er zu meinen Nachkommen meint, ob ich auf dem rechten Weg bin und oder was ich besser machen könnte. .... "

Fleygur: "Der Islandpferdehof Eggenertal in 10 Jahren. Was wird sich verändert haben und was sind Ihre Ziele?"

Marina Jenne: "In zehn Jahren.... also gut... , werden wir aus dem heimischen Milch- und Ammenkuhhaltungsbetrieb vom Vater meines Lebenspartners (falls wir zusammen bleiben, man weiss ja nie) umstrukturieren und daraus einen grossen, gutorganisierten Islandpferdehof machen. Wir werden das, was wir jetzt aufgebaut haben, vergrössern und bis dahin die nächsten Jahre auf diesem Aussiedlerhof, auf dem wir jetzt sind, als "Lehrzeit" ansehen. Auf dem zukünftigen Hof werden wir einen Reitplatz (gerne überdacht oder sogar eine kleine Halle) und Roundpen haben. Ich hoffe dann auch, dass wir hofnah eine Ovalbahn bekommen (den Platz dafür wüsste ich schon), damit wir auch das eine oder andere (kleinere) Tunier anbieten könnten. Hier unten gibt es ja leider so gut wie keinen Betrieb, der Tuniere anbietet. Islandpferde Eggenertal soll ein guter Name sein und eine Anlaufstelle werden, für die Leute hier in meiner Umgebung, die die Rasse "Islandpferd" besser kennen und auch schätzen lernen möchten. Das Islandpferd soll sich hier mehr verbreiten, denn momentan sind es nur einige wenige Leute in meiner Nähe, die Islandpferde haben. Bei Freiburg und im Hotzenwald sind es dann wieder mehr. In zehn Jahren haben wir gute erfolgreiche Nachwuchspferde, die Reitschule läuft gut, die Einsteller sind zufrieden und fühlen sich wohl und mittlerweile haben wir dann 2 bis 3 gute, zuverlässige und engagierte Mitarbeiter, die mir beim Reitbetrieb und bei der Pferdeausbildung zur Hand gehen.. ... ja, so seh und wünsche ich mir jetzt gerade mein Islandpferde Eggenertal in zehn Jahren.... "

Fleygur: "Danke für das Interview, wir drücken natürlich ganz fest die Daumen, dass Sie Ihre Zukunftspläne so verwirklichen können, aber wer so viel Leidenschaft mitbringt, da braucht man sich wohl keine Sorgen machen. Wir rechnen fest damit, dass alles klappt und wünschen viel Erfolg bei der Umsetzung und Freude auf dem Weg dorthin!"

 
 
     

 

 


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