| Fleygur: "Simone, wie bist du eigendlich "aufs Islandpferd" gekommen?"
Simone: "Mit einigen Umwegen.
Mit 8 Jahren habe ich einen Traber bekommen der so komisch
gelaufen ist. Das war natürlich Tölt, was ich
aber erst später erfahren habe. Da es mir aber riesigen
Spaß gemacht hatte, wollte ich beim reiten natürlich
nicht mehr darauf verzichten. Deshalb war ab da eigentlich
schon klar, dass ich immer Gangpferde reiten würde.
Ersten Kontakt zu Islandpferden hatte ich dann bei Paul
Hülsken auf dem Hof in Altenberge, da war ich 18
Jahre. Leider musste ich wenig später aus gesundheitlichen Gründen mehrere Jahre vom Reiten pausieren, was mich aber nicht
davon abgehalten hat, in dieser Zeit sehr viel Kutsche
zu fahren. Als ich endlich wieder reiten durfte, hatte
ich natürlich einiges aufzuholen. Vor sechs Jahren
habe ich dann mein erstes Islandpferd gekauft, vor vier
Jahren mein zweites und so weiter. Es ist ein bischen
zur Sucht geworden, gebe ich zu."
Fleygur: "Und wie kam es dann zur Gründung deiner Reitschule?"
Simone: "Nun ich hatte auf
dem Hof Rohmann, auf dem meine Reitschule beheimatet ist,
zuvor schon bei einer Reittherapeutin gearbeitet. Als
sie den Standort wechseln wollte, haben mich viele Menschen
auf dem Hof angesprochen, ob ich nicht dort einen Betrieb
eröffnen möchte. Nach einigem Überlegen habe ich den Schritt
dann tatsächlich gewagt."
Fleygur: "Du arbeitest sehr viel mit Kindern, bietest Reitunterricht, Ferienfreizeiten und sogar Geburstagsfeiern für Kinder auf dem Hof an? Was reizt dich besonders an der Arbeit mit Kindern? Simone: "Die Arbeit liegt mir einfach. Ich kann das nur so erklären, dass ich einen besonderen "Draht" zu Kindern habe. Mir macht es einfach unglaublich viel Spaß." Fleygur: "Als ich als Kind reiten gelernt habe, wurde ich gleich in der ersten Stunde aufs Pferd gesetzt. Kurse, bei denen Kinder erst mal spielerisch ans Pferd herangeführt wurden, gab es damals zumindest bei uns in der Umgebung noch nicht. Wie beurteilst du die Situation für Kinder heute und wie sieht dein Angebot für Kinder aus, die mit dem Reiten anfangen möchten?"
Simone: "Das Angebot ist sicherlich
vielseitiger geworden. Bevor ich meine Reitschule eröffnet
habe, hat mich allerdings oft gestört, dass viele
Betriebe Kinder erst ab 10 Jahren aufnehmen. Das wollte
ich anders machen. Je früher man mit etwas beginnt,
desto leichter lernt man es doch. Natürlich muss
man für jüngere Kinder auch entsprechende Voraussetzungen
haben. Zunächst einmal gehören meines Erachtens
zu kleineren Menschen auch kleinere Pferde. Islandpferde
sind da sehr geeignet. Einer meiner Isländer im Schulbetrieb
ist sogar nur 1,30m. Darüberhinaus haben Isländer
einfach ein freundliches und geduldiges Wesen, was in
der Arbeit mit Kindern auch sehr wichtig ist. Dann sollten
Kinder natürlich zunächst Schritt für Schritt
ans Pferd herangeführt werden. Dazu gehört
auch, erst einmal Grundkenntnisse darüber zu bekommen,
wie sich ein Pferd verhält, was es braucht und wie
man mit ihm in Kontakt tritt. Bei mir lernen die Kinder
von Anfang an, wie man richtig mit dem Pferd umgeht, es
pflegt, es für die Reitstunde vorbereitet und es
auch nach der Arbeit wieder entsprechend versorgt. Das
gehört zum "reiten lernen" elementar dazu. Alles
in allem muss Reitunterricht für Kinder natürlich
sehr spielerisch gestaltet sein, der Spaß sollte
immer im Vordergrund stehen. Man braucht ein kindgerechtes
Konzept. Ich beginne z.B. auch grundsätzlich mit
einer Einzelstunde -auch gerne gemeinsam mit den Eltern- und arbeite dann in sehr kleinen Gruppen."
Fleygur: "Ja, das klingt
plausibel. Im Portal stellen wir in Kürze die ISI-KIDS
vor, das ist eine Islandpferdereitlehre speziell
für Kinder, entwickelt von Margit Heumann (IPZV-Trainerin
B und Buchautorin"Ein Hobby mit Konsequenzen"). Auch
die ISI-KIDS lernen zunächst viel vom Boden aus und
erwerben wichtige Grundkenntnisse über Islandpferde, bevor sie mit dem eigentlichen Reiten beginnen. Ihre späteren Reitstunden sind geprägt durch lustige Geschicklichkeitsübungen und Reiterspiele und dadurch immer spannend
und abwechslungsreich.Da macht "reiten lernen" Spaß!
Dennoch gilt, ein gutes Konzept allein macht noch keinen
guten Unterricht. Was sollte deiner Meinung nach
über ein kindgerechtes Konzept hinaus einen Reitpädagogen
auszeichnen, der schwerpunktmäßig mit Kindern
arbeitet? Welche persönlichen Eigenschaften und Fähigkeiten
sollte er mitbringen?"
Simone: "Er oder Sie muss vor allem viel Einfühlungsvermögen besitzen, einfach ein gutes Gefühl für bestimmte Situationen haben. Kinder dürfen keinesfalls überfordert, sollten aber auch nicht unterfordert werden. Dann gehört auch viel Geduld und Ausdauer dazu und natürlich Spaß an der Arbeit mit Kindern. Wer das alles mitbringt, wird von Kindern immer entlohnt."
Fleygur: "Was rätst du Eltern, die nach einer qualifizierten Reitschule für ihr Kind suchen? Worauf sollten sie achten? Simone: "Sie sollten sich den Betrieb zunächst umfassend ansehen und sich nicht scheuen, dem Betreiber "Löcher in den Bauch" zu fragen. Man sollte schauen, wie die Pferde gehalten werden und auch ruhig bei einer oder auch mehrerer Reitstunden erst zuschauen. Letztendlich muss man sich auf sein Gefühl verlassen- auch die Sympathie zum Reitlehrer spielt eine Rolle." Fleygur: "Das Jahr neigt sich dem Ende. Welche Pläne hast du für 2009?"
Simone:"Nun ich plane wieder einige spannende Projekte, Ferienfreizeiten und Wanderritte und möchte nächstes Jahr auch selbst mit meinem Islandpferd Odin einmal Urlaub machen."
Fleygur: "Wohin geht es?"
Simone: "Ins Watt. Nach Cuxhaven."
Fleygur: "Na, da kennen wir auch einige, die du da möglicherweise treffen könntest....."
Vielen Dank für das Interview Simone" |