Fleygur: Thomas und Kristina, Euer Islandpferdegestüt Wildenburger Hofstadt liegt in der Eifel. Für all jene, die die Eifel noch nicht kennen, was macht Eure schöne Region und insbesondere den Nationalpark aus?
Thomas: Da wir hier in einem Regenschattengebiet liegen werden wir überwiegend von gutem Wetter verwöhnt, auch wenn es mal regnet. Die Ebenen der "Zülpicher Börde" und die ersten Erhebungen der Eifel bis hin zum Nationalpark mit seinen urigen Wäldern zeichnen unsere Landschaft aus. Dazu noch einen tollen Fernblick bis hin nach Köln und bis in das Siebengebirge hinter Bonn, das ist schon einen Besuch in unserer Region wert.
Fleygur: Wer die Eifel mit dem Pferd erkunden will, findet bei Euch Quartier und auf Wunsch auch Begleitung. Was kann man mit Euch auf einer Tagestour so alles erleben? Ich habe gesehen, man kann sich sogar auf die Spuren der Römer begeben, ist das richtig?
Thomas: Wer uns besucht, kann die Landschft auf eigene Faust erkunden, da es hier kaum Einschränkungen gibt. Gerne sind wir bei der Ausarbeitung der Routen behilflich und können auch Kartenmaterial mit darauf eingetragenen Routen zur Verfügung stellen. Am schönsten und am entspannesten für unsere Gäste ist es aber, wenn sie sich unseren geführten Touren anschließen. Dann sehen sie was sie sonst wohl nicht gesehen hätten und wir können ihre Augen für unsere Landschaft mit all ihren Gehemnissen und Sehenswürdigkeiten öffnen. Die Römer oder das, was von ihnen übrig geblieben ist, tauchen an der ein oder anderen Stelle sicher auf...!
Fleygur: Seit 2009 habt Ihr das Gütesiegel „Kinder sicher und gesund auf dem Bauernhof“ der Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft. Nur wenige Betriebe in Deutschland sind bislang Inhaber dieser Plakette. Welche Kriterien wurden hierfür überprüft?
Thomas: Sicherheit sollte in jedem Betrieb groß geschrieben werden! Überall dort wo mit Maschinen und Tieren gearbeitet wird besteht die Gefahr sich zu verletzen. Hier sollte einem die Sicherheit der Gäste und allem vor an die der eigenen Familie mit allen Tieren am Wichtigsten sein. Wenn man hier sorsam und ordentlich ist, dann ist das eine gute Grundvoraussetzung. Wird darüber hinaus noch gut mit der Berufsgenossenschaft zusammengearbeitet und werden deren Anregungen und Verbesserungsvorschläge zügig in die Tat umgesetzt, dann klappt das sicher auch anderswo mit dem Gütesiegel!
Fleygur: Bei Euch werden jedes Jahr circa 5 Fohlen aus eigner Zucht geboren. Auf welches seid Ihr dieses Jahr besonders stolz und warum?
Thomas: Stolz sind wir auf jedes Fohlen das gesund zur Welt kommt und uns noch lange Freude bereitet. Pferdezucht, züchterisches Streben und Zuchterfolg sind wie Lotto spielen, viele versuchen ihr Glück und haben manchmal auch Glück und bekommen ein Ausnahmepferd. Dem Glück kann man gelegentlich auch nachhelfen und so trägt es bei uns den Namen "Kóngur frá Sörlatungu"- unser Hengst. Kristina hat ihn selbst zur FIZO vorbereitet und vorgestellt und bekam mit ihm für Reiteigenschaften 8,22, für sein Exterieur 8,18 und damit gesamt 8,20! Seinen Fohlen vererbt er eine verbesserte Oberlinie mit gutem Hals und Rücken bei auffallend viel Tölt. Dazu hoffentlich auch noch sein Gangvermögen und vorallem seinen Charakter.
Fleygur: Die Namensgebung der Fohlen überlaßt Ihr traditionell den Kindern auf Eurem Hof. Erzählt mal etwas über Eure jährliche “Fohlentaufe” und wie es zu dieser netten Tradition gekommen ist.
Thomas: Kinder und Fohlen haben viele Gemeinsamkeiten, sie entdeken ihr Umfeld, lernen, machen Fehler und noch vieles mehr. Und da auch die Zukunft der Reiter und Pferdefreunde unseren Kindern gehört, hatte meine Mutter hierzu die Idee. Zwar schränken wir die Auswahl der Namen je Fohlen etwas ein, wie etwa auf die Farbe oder eine Eigenschaft, die sich bei der Fohlentaufe zeigt.
Fleygur: Kristina, Du bist für die Ausbildung der Pferde und den Unterricht zuständig und wirst als Trainerin auch gern als ein wandelndes Islandpferde- und Reitlexikon beschrieben. Bedeutet das, dass es Dir im Unterricht viel um Erklären und Verstehen geht?
Kristina: Ja, ich möchte, dass die Leute verstehen, was sie da tun...! Viele haben einiges schon mal gehört oder in Büchern gelesen, aber wirklich verstanden haben sie es nicht. Dies versuche ich ihnen dann an anschaulichen Beispielen nahe zu bringen. Da man aber nicht auf Büchern reitet, versuche ich die Individualität von Pferd und Reiter immer mit einzubeziehen. Jedes Pferd hat andere Stärken und Schwächen, Temperament und motorische Fähigkeiten, genau so wie jeder Mensch und Reiter. Hier setze ich mit meiner Arbeit an und bin bestrebt aus dieser Kombination von Pferd und Reiter eine besondere Einheit zu formen. Dabei gehe ich möglichst auf die Bedürfnisse und Wünsche von Pferd und Reiter ein.
Fleygur: Das Thema Umweltschutz wird bei Euch groß geschrieben. Welche umweltfreundlichen Methoden setzt Ihr im Alltag ein?
Thomas: Da wir hier naturnah leben und aufgewachsen sind, liegt uns ihr Erhalt auch am Herzen. So versuchen wir auf unserem Betrieb mit einem Minimum an mineralischen Düngern und Pflanzenschutzmitteln auszukommen. Seit 2007 haben wir verstärkt in erneuerbare Energien investiert und versuchen so einen weiteren Beitrag zu leisten. So sind es derzeit 132 kWpeak Photovoltaikfläche, durch die Strom in das Verbrauchsnetz eingespeist wird.
Fleygur: Abschließend noch unsere Standardfrage. Mit welcher Person aus dem Pferdebereich würdet Ihr gerne einmal bei einem längeren Ausritt ein Gespräch führen und wenn ja zu welchem Thema?
Kristina: Es gibt viele "Pferdeleute" im Bereich Sport und in der Freizeit, mit denen wir schon anregende und abstoßende Gespräche führen konnten. Jedes dieser Gespräche brachte uns in der Regel eine Erkenntnis und so kamen die besten Anregungen nicht immer von den "Großen"!
Daher sind wir für Gespräche und Anregungen mit Pferdebegeisterten immer offen!
Fleygur: Da habt Ihr wohl recht. Danke für das Gespräch! |