Fleygur:
„Birgitta und Steffi, wie kam es eigentlich zum
Islandpferdehof Auensee?“
Birgitta: „Also, kennengelernt
haben wir uns vor 13 Jahren, da war Steffi gerade einmal
15 Jahre und ich 23. Das war in einem kleineren Pensionspferdebetrieb,
den meine Mutter kurze Zeit zuvor übernommen hatte.
Steffi hatte ihr erstes Pferd Godi dort eingestellt.
Es war sofort eine Mischung aus Freundschaft und dem Gefühl
eine kleine bzw. große Schwester zu haben. Im Laufe
der Jahre entwickelte sich dann unser Traum von einem
eigenen Islandpferdehof.
Die schicksalhafte Fügung kam von 2001 auf 2002,
als ich meinen Job bei der Polizei aufgab und Steffi durch
einen Arbeitsaufenthalt in Island endgültig sicher
war, die Pferde zum Beruf machen zu wollen. Da beschlossen
wir, unseren gemeinsamen Traum zu verwirklichen."
Fleygur: „Das hört
sich mutig an, alles hinter sich zu lassen. Wie verlief
die Gründungsphase dann?“
Steffi: „Insbesondere
die Suche nach einem geeigneten Objekt hat lange gedauert.
Nach vielen Enttäuschungen aber trafen wir schließlich
auf einen ebenso visionären Partner, der in Rekordzeit
unseren heutigen Stall aus dem Boden gestampft hat. Mit
diesem Stallgebäude nahm unser Islandpferdehof Auensee
am 1.01.05 seinen Betrieb auf. Kurz darauf folgten die
restlichen Gebäude und Reitanlagen und nach 3-jähriger
Aufbauphase haben wir heute wirklich den Hof den wir uns
erträumt hatten.“
Fleygur: „Was sind Eure
Angebote?“
Birgitta: „Man kann es
vielleicht so formulieren, bei uns gibt es alles –
außer schlechter Qualität. Naja, einen richtigen
Shop und die Möglichkeit zur Jungpferdeaufzucht haben
wir leider nicht.“
Fleygur: „Stichwort "Reitunterricht",
Ihr habt uns erzählt, dass Ihr dabei seid, ein eigenes
Lehrkonzept zu erarbeiten, zu dem im kommenden Jahr auch
ein Buch veröffentlicht werden soll. Was hat Euch
dazu bewogen?"
Steffi: „Die Idee ist
aus der eigenen Leidenschaft für das Unterrichten
entstanden. Wir sind Reitlehrer mit Leib und Seele.“
Birgitta: „Hinzu kommt,
dass wir mit unseren Reitschülern die Erfahrung gemacht
haben, dass die klassische Reitlehre oft unverständlich
gelehrt wird oder aber von den Unterrichtenden selbst
offensichtlich missverstanden wird. In unserer Aufbauphase
haben wir viele Reitschüler von anderen regionalen
Ställen -nicht Islandpferdebetrieben- übernommen,
die uns das leider unmissverständlich gezeigt haben.
Daraufhin haben wir selbst Wege gesucht und auch gefunden,
die es ermöglichen, Schülern als auch Reitlehrern,
das Verständnis und die richtige Umsetzung zu vermitteln.“
Fleygur: „Wie sieht dieses
Lehrkonzept aus und was ist das Besondere und Neue daran?"
Steffi: „Neues gibt es
daran eigentlich nicht. Man kann sagen, es geht in unserer
Reitlehre um eine Art „Dolmetschen“ der klassische
Reitlehre für den neuzeitlichen Reiter, da diese,
wie bereits erwähnt, aus unserer Erfahrung viel zu
oft falsch verstanden und umgesetzt wird. Es geht beispielsweise
viel um das Gefühl für die Bewegung, das Verständnis
für das Pferd und seine Möglichkeiten und damit
um das richtige Reiten und Formen des Pferdes. Und auch
darum, dass dieses Reiten Zeit braucht.“
Fleygur: „Ende September
habt Ihr erstmals den "Auensee-Cup" auf Eurem
Hof durchgeführt. Auch hierfür habt Ihr ein
gesondertes eigenes Bewertungssystem eingeführt.
Warum habt Ihr Euch dazu entschlossen und wie sah dieses
neue System aus?"
Birgitta: „Unser neues
Bewertungssystem zielte darauf ab, das Reiten an sich
und das Verständnis für richtiges Reiten mehr
in die Bewertungsnoten einfließen zu lassen und
zwar zu 50%. Die anderen 50% wurden der Gangqualität
zugeordnet. Wir wollten damit auch Reitern mit weniger
imposanten Pferden die Chance geben, durch ihr gutes Reiten
eine ebenso oder vielleicht auch mal bessere Note zu erreichen,
als ein Reiter, der vielleicht mit falscher Idee oder
unschönem Reiten auf einem guten Pferd sitzt. Das
sind natürlich die zwei Extremformen als Beispiel.
Es soll einfach um den Versuch der bewussten Umsetzung
von feinem sinnvollem Reiten gehen und wenn das dann noch
mit einem schicken Pferd geschieht, na umso besser.“
Fleygur: „Wie ist das
Punktesystem bei den Turnierteilnehmern angekommen und
gab es auch von Seiten des IPZV Rückmeldungen dazu?"
Birgitta: „Die Turnierteilnehmer
waren von dem System begeistert, es gab sehr viele positive
Rückmeldungen, da es auch Reiter von weniger imposanten
Pferden lockte, mal ein Turnier zu besuchen. Da wir dies
aber erst mal als kleines Hof- und Vereinsturnier des
hier ansässigen Ortsvereins durchgeführt haben,
hatten wir hinsichtlich des Bewertungssystems keinen Kontakt
zum IPZV. Es war ja die erste Umsetzung einer schönen
Idee. Die Erfahrungswerte haben wir schon einfließen
lassen in die Vorbereitung für den nächsten
AuenseeCup 2009."
Fleygur: „Ein ganz anderes
Thema, Ihr seid als Betreiberinnen zwei Frauen und lebt
mit Euren Familien gemeinsam hier auf dem Hof. Wie kann
man sich dieses Zusammenleben und –arbeiten vorstellen?"
Steffi: „Wie in einer
großen WG! Wir leben alle unter einem Dach, essen
gemeinsam zu Mittag oder auch zu Abend. WIR, dass sind
übrigens Birgitta und ihr Mann, Birgittas Eltern,
Birgittas zwei Hunde, ich und mein Hund. Natürlich
ist es auch nicht immer leicht, befreundet zu sein und
gemeinsam zu arbeiten. Das hat auch seine schwierigen
Seiten, aber wir haben schon so viel gemeinsam geschafft,
da kann eigentlich nichts mehr kommen.“
Birgitta: „Und es hat
ja auch jeder seine eigene Wohnung, in der er einfach
die Tür hinter sich zu machen kann.“
Fleygur: „Weihnachten
steht vor der Tür, wie wird bei Euch gefeiert?“
Birgitta: „Och, das ist
eher unspektakulär. Den heiligen Abend feiern mein
Mann und ich gemeinsam mit meinen Eltern und Steffi fährt
zu ihrer Familie. Die Feiertage verbringen wir zwischen
der Stallarbeit gemütlich mit Freunden oder gehen
einfach mal „nur so“ ausreiten.“
Fleygur: „Ihr seid ja
auch einer der Hauptsponsoren unseres diesjährigen
Weihnachtsrätsels, wo Ihr unter anderem einen Decksprung
von Snorri frá Saudanesi zur Verfügung stellt.
Wir waren überrascht, wie heiß begehrt der
Decksprung sogar unter den Nordlichtern unserer Rätselteilnehmer
ist. Was ist das tolle an Snorri und warum habt Ihr Ihn
bislang so gut versteckt?"
Steffi: „Das Tolle an
Snorri? Er hat einfach einen wahnsinnig tollen Charakter,
immer Gentleman, ist nebenbei ein toller Fünfgänger
mit sehr gleichmäßiger Gangverteilung und super
Gebäude. Versteckt haben wir ihn gar nicht - nur
nicht groß angepriesen. Das hat ganz einfache Gründe.
Zum einen befanden wir uns bis zu diesem Jahr noch sehr
in der Aufbauphase, so dass fürs eigene Reiten einfach
kaum Zeit war. Und ein Hengst muss ja auch trainiert werden,
um gezeigt zu werden und aufzufallen. Außerdem gibt
es in Deutschland so viele Hengste, und so viele bekanntere
Hengsthalter, warum sollen wir da Energie darauf verwenden
unseren Hengst schnell bekannt zu machen? „Gut Ding
will Weile haben“ heißt es doch so schön.
Deshalb haben wir erst mal für uns angefangen, mit
ihm zu züchten und seine bisherigen 2 Jahrgänge
sprechen einfach für ihn. Ab dem nächstem Jahr
wollen wir aber auch mehr Fremdstuten nehmen.“
Fleygur: „So wie wir
Euch jetzt kennengelernt haben, habt Ihr bestimmt auch
für 2009 schon wieder viele Pläne, liegen wir
da richtig?"
Birgitta: „Oh ja, wie
gesagt, wollen wir Snorri mehr an die Frau bringen, und
unseren regionalen und überregionalen Einfluss hinsichtlich
Unterricht und Freizeit mit dem Pferd mehr ausbauen."
Fleygur: „Vielen herzlichen
Dank für die Einblicke in Euer Leben. Frohe Weinachten
und einen guten Flug ins Jahr 2009! "
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