Fleygur: Sandra, Ihr seid mit dem Schwalbenhof im vorletzten Jahr von Gimbte nach Schmedehausen umgezogen. Was hat Euch zum Umzug bewogen?
Sandra: Tja, Schwalben sind eben Zugvögel, so zieht man schonmal das ein oder andere mal um....;-) Nein, es war tatsächlich so, dass wir uns in Gimbte nicht in der Form ausweiten konnten, wie wir es uns vorgestellt hatten. In Schmedehausen haben wir einen sehr netten Verpächter gefunden, der uns in unsere Arbeit unterstützt und für Erneuerungen und Erweiterungen zu haben ist.
In Schmedehausen haben wir die Möglichkeit unseren und unseren Pensionspferden sehr großzügige Ausläufe, große Weiden und gute Bedingungen für die tägliche Arbeit der Besitzer mit ihren Pferden zu geben.
Wir bieten einen Reitplatz, einen Roundpen, einen
privaten Reitweg von etwa 2km Länge und neuerdings
eine 250m Ovalbahn, alles beleuchtet. Ein überdachter
Putzplatz, Utensilienschränke, Notfallboxen,
etc, gehören selbstverständlich auch zu
unserm Angebot.
Da uns auffiel, dass sich einige Leute meldeten, die nicht wussten wohin mit ihrem kranken Pferd, haben wir uns auch auf die Haltung von chronisch kranken und alten Pferden spezialisiert. Bei uns sind also auch Allergiker, Ekzemer, Rehepferde, Cushing- und EMS-Pferde, sowie Herzpatienten gerne gesehene Gäste. Auch nehmen wir gerne Rentner in Pension. Alle diese "Spezialponies" erhalten bei uns ganz individuelle Pflege und Versorgung.
Auf unseren Sommerweiden im Naturschutzgebiet "Hassel" dürfen sich im Sommer die Zuchtstuten, Jungpferde und Oldies gemeinsam vergnügen. Nur bei den Geschlechtern sind wir sehr katholisch eingestellt: hier wird streng getrennt! ;-)
Fleygur: Am 13.06 können Interessierte Euren Hof am "Tag der offenen Tür" kennenlernen. Geplant ist neben weiteren Aktivitäten auch eine Verkaufspferdeschau. Was erwartet die Besucher?
Sandra: Geplant ist ein
Tag mit viel Vergnügen rund ums (Island-)Pferd.
Einige Schaubilder und lustige Hundeprüfungen, für alle Zuschauer zum Mitmachen, sind geplant.
Das Highlight soll eine Verkaufspferdeshow unserer Verkaufspferde und der Pferde von Grawinkel und des Quillerhofes, die dort zum Verkauf angeboten werden, sein.
Es wird Kaffee und Kuchen geben. Abends ist noch ein
Grillen mit Klönschnack (für Nichtmünsterländer:
plaudern, unterhalten :-) ) geplant.
Wer also Lust hat auf einen tollen Tag rund ums
Pferd und mal wieder nette Leute zu treffen
hat und neue Leute kennen lernen möchte, ist
ganz herzlich eingeladen!
Fleygur: Ihr bildet einen Großteil eurer Verkaufspferde selbst aus – worauf achtet Ihr hier besonders und welche Kriterien muss ein Pferd erfüllen, um bei euch zum „Verkaufspferd“ zu werden?
Sandra: An erster Stelle
steht bei uns die Sicherheit - die des Pferdes und
die des Reiters. Das bedeutet: Ein Pferd, dass bei
uns zum Verkauf steht, ist soweit ausgebildet, dass
es ohne Gefahr von einem ihm fremden Reiter ausprobiert
werden kann.
Da wir ja auch gerne "der Islandpferdehof an der Autobahn" genannt werden, ist klar, dass wir zwar sehr verkehrsgünstig liegen, unsere Pferde aber auch extrem straßensicher sein müssen. Und so sind sie auch: über einen Trecker oder einen LKW können unsere Pferde nur müde lächeln ;-)
Wir möchten in sich ruhende Pferde, die sensibel auf Reiterhilfen, aber nicht auf äußere Einflüsse reagieren.
Ein Pferd, welches nicht berechenbar ist, nehmen wir nur sehr ungerne in den Verkauf. Wenn es doch mal dazu kommt, wird hierauf aber schon in der Verkaufsannonce hingewiesen.
Unser Ausbildungsziel, egal ob bei Verkaufs- oder
Berittpferden, ist ein gelassenes Pferd in allen Lebenslagen,
welches seinem Reiter zuhört, klar getrennte
Gänge zeigt und zufrieden voran geht. Ob es sich
hierbei um ein sogenanntes "Sport". oder "Freizeitpferd"
handelt, ist egal. Wir finden diese Klassifizierung
doof. Wer sagt denn, dass ich mit meinem Turnierpony
nicht auch chillig durch den Wald reiten will? Oder
auch wenn ich "nur" Freizeitreiter bin, darf ich mich
nicht an einem ausdrucksstarken Pferd mit tollen Gängen
und schönen Bewegungen erfreuen? Wir finden,
es gibt gute und nicht so gute Pferde. Doch weder
ist das eine ein Sport-, noch das andere "nur" ein
Freizeitpferd ;-).
Fleygur: Ganz aktuell habt Ihr den Reitschulbetrieb erweitert. Julia Goebel hat ihre Reitschule zu Euch auf den Schwalbenhof verlegt. Inwiefern bereichert sie jetzt das Schwalbenhof-Programm?
Sandra: Julia ist einfach
eine tolle Ergänzung zu uns. Wir arbeiten ja
schon seit fast zehn Jahren zusammen und kennen uns
daher auch gut. Julia betreibt ihre Reitschule in
Kooperation mit uns. Über ihre Arbeit und Ihr
Programm könnt ihr ja auf ihrer Fleygur-HP (hier
ist der Link dazu) lesen.
Julia unterstützt uns im Beritt und den täglichen Arbeiten auf dem Hof immens. Auch bieten wir gemeinsam Ausritte und Wanderritte an.
Zu dritt haben wir natürlich viel bessere Möglichkeiten der Weiterbildung für unsere Reitschüler.
Und noch ein großer Vorteil: Alex und ich können nun auch mal gemeinsam etwas unternehmen ;-)
Fleygur: Alex, dein Steckenpferd ist die Zucht. Du bist IPZV Zuchtrichter und veranstaltest regelmäßig Zuchtseminare. Was ist deine Meinung zu der „neuen isländischen Zuchtrichtlinie“?
Alex: Mit "neuer isländischer Zuchtrichtlinie" ist bestimmt die Internationale Zuchtprüfung FIZO gemeint. Für mich ist es klar, daß das Mutterland unserer so vielseitigen Pferde das Zuchtziel festlegt. Im Zeichen der Globalisierung werden Islandpferde in vielen Ländern der Erde geritten und gezüchtet. So ist es doch klar, das es nur "EINE" Zuchtprüfung für das Islandpferd geben kann, damit wir diese Ergebnisse weltweit vergleichen können. Wir hatten sehr lange Jahre Erfahrung in der Islandpferdezucht und hatten eine "eigene" Zuchtprüfung nach IPO. Leider hat die damalige Zuchtleitung verpaßt, an der Gestaltung der neuen FIZO Prüfung mit zu arbeiten, da sie die Notwendigkeit nicht erkannte. Ich habe 4 Jahre als stellvertretender Zuchtleiter des IPZV daran gearbeitet, diese neue Prüfung zu erklären und unseren Züchtern nahe zu bringen. Dies mache ich auch immer in meinen Zuchtseminaren. Ich möchte dem Züchter den "Schrecken" FIZO nehmen. Immer mehr solcher Seminare werden deutschlandweit angeboten und erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Manchmal dreht sich das Rad eben weiter und so manch verstaubte Ansicht oder Struktur verschwinden dann von selbst, auch wenn das so manch einer nicht wahr haben will, und das ist gut so. Nur wenn wir modern, marktorientiert und dynamisch nach vorne blicken kommen wir weiter in der Zucht. Ein sehr gutes Beispiel dafür sind Dänemark und die anderen skandinavischen Länder, die auf dem besten Weg sind uns in der Zuchtqualität zu überholen. Ein Umdenken muß durch die Zuchtlandschaft gehen, weg von der magischen 8, als das non plus ultra hin zum intelligenten lesen der Einzelnoten und zur Einsicht wieder mehr mit geprüften Pferden Züchten. Das Zuchtziel ist und bleibt das fein zu reitende, nervenstarke, fleißige Islandpferd mit 5 klar getrennten Gängen.
Fleygur: Was ist der häufigste Fehler, der bei der Anpaarung gemacht wird und worauf sollte man unbedingt achten?
Alex: Es gibt unzählige Motivationen zu züchten und das ist auch gut so. Schließlich ist jeder Züchter in einer gewissen Weise für sein "Zuchtprodukt" verantwortlich. Der Eine möchte das sein Fohlen eine schöne Farbe hat, der Andere möchte sich einfach nur aus seiner Lieblingsstute ein Fohlen ziehen. Andere betreiben Linienzucht weil sie bestimmten Zuchtlinien bestimmte positive Eigenschaften zusprechen. Einige Züchter sind auch richtige Pferdemenschen und züchten einfach so aus dem Bauch raus. Ein bekannter isländische Züchter sagte mal, das ein Menschenleben viel zu kurz ist um das mit der Zucht richtig zu verstehen. Fehler minimieren kann man sicher wenn man mit geprüften Pferden züchtet, über deren Vorfahren bescheid weiß, vielleicht schon einige Halbgeschwister kennt oder sogar schon Nachkommen. Eine Garantie gibt es in der Zucht nicht aber man sollte daran denken das Zucht ein kostspieliges Hobby ist und das es genau soviel kostet ein schlechtes Pferd groß zu ziehen wie ein Gutes. Ziel sollte es sein ein gesundes, gut brauchbares Reitpferd mit einem guten Charakter, viel Tölt und einem ansprechenden Gebäude zu züchten. Wer das hinbekommt liegt schon ganz schön weit vorne.
Fleygur: Wie bereitet man das Pferd optimal auf die Zuchtschau vor? Was möchten die Richter sehen?
Alex: Das Pferd sollte in einem optimalen Futterzustand nicht zu fett, gesund und gut gepflegt sein. Es soll wach und respektvoll sein, gut erzogen und kooperativ. An sonsten möchte man möglichst viel natürlichen Gang sehen, wir wollen ja beim Richten den Zuchtwert des Pferde feststellen und nicht den Trainingszustand. Also kurz gesagt nicht zu viel machen, das Pferd soll glänzen und fein reagieren.
Fleygur: Was sollte man unbedingt vermeiden? Was möchten die Richter auf keinen Fall sehen?
Alex: Nicht sehen möchte man freche, respektlose Pferde, die unprofessionell und schlecht präsentiert werden. Ebenfalls möchte man keine Pferde die krank, unterentwickelt oder im schlechten Futterzustand sind. (auch zu fett ist nicht gefragt). Sonst kann ich nur sagen: Einfach machen und den Pferdeverstand einschalten, dann wird's schon klappen.
Fleygur: Abschließend noch unsere Standardfrage. Mit welcher Person aus dem Pferdebereich würdet Ihr gerne einmal bei einem längeren Ausritt ein Gespräch führen und wenn ja zu welchem Thema?
Alex: Ich wäre gerne mit Picasso geritten... aber das geht ja nicht mehr. Ehrlich gesagt reite ich nicht gerne mit anderen aus. Durch das Reden vernachlässigt man sein Pferd. Ich rede mit dem Pferd auf dem ich reite und wenn wir uns gut verstehen, dann habe ich alles erreicht.
Sandra:
Uiih, schwere Frage....Da gibt es viele Leute die ich gerne mal ausquetschen würde. Am liebsten würde ich ja mal mit meinem Mann ausreiten, das machen wir nämlich nur, wenn ich auf nem hoppsigen Jungpferd sitze und er mich mit Prestur begleitet und am Führzügel hält, hihi. Da würden mir auch einige Themen einfallen...
Fleygur: Danke für
das Interview und bis bald - der 13.06 ist mit Eurem
Tag der Offenen Tür in unserem Kalender natürlich
schon vermerkt.
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