Fleygur: Kathrin, der Hof Rhoennbrook ist ein Gemeinschaftsprojekt von Dir und Deinem Vater. Dein Vater kümmert sich um die Ponies und Großpferde und Du Dich um die Isländer. Wie kam es zu dieser Aufteilung?
Kathrin: Das ist sozusagen eine gewachsene Aufteilung. Mein Papa hat schon vor 30 Jahren mit der zunächst hobbymäßigen Pferdehaltung angefangen und den Hof nach und nach zu einem richtig idyllischen Pferdehof umgebaut. Bei uns gibt es übrigens auch für die Großponies und Pferde keine Boxenhaltung, sondern alle stehen ganzjährig in festen Herden in Offenställen mit trockenen Sandpaddocks. Ich bin also schon mit Pferden aufgewachsen. Seit ich aber das erste Mal Kontakt zu einem Isi hatte, war für mich schnell klar: DAS sind meine Traumpferde! Mit meiner ersten Isistute "Sandra fra Skufsstadir" habe ich dann viele tolle Jahre mit flotten Ausritten erlebt, und ein Isi bleibt ja bekanntlich nicht lange allein, so wuchs die kleine Herde mit der Zeit. Inzwischen haben wir 40 Isis (und Robustponies) auf dem Hof... Nach meinem Studium habe ich mich entschieden, dass ich auch beruflich gerne mit Islandpferden arbeiten möchte und so betreibe ich auf dem Hof inzwischen erfolgreich eine Pensionspferdehaltung, Islandpferdezucht, eine Reitschule und Beritt.
Fleygur: Für einige Eurer Isländer habt Ihr einen speziellen und wohl einzigartigen “Möppelpäddock”. Erzähl mal, was sich dahinter verbirgt.
Kathrin: Wir haben uns die artgerechte Pferdehaltung ganz groß auf die Fahnen geschrieben und dazu gehört maßgeblich natürlich ein möglichst flexibles Fütterungskonzept. Gerade bei den Robustpferderassen gibt es ja doch viele besonders leichtfuttrige Vertreter, die nicht ganz so viel ins Gras dürfen... Mit dem Möppelpaddock haben wir nun die Möglichkeit, die Weidezeit einzelner Pferde individuell anzupassen. Während die dünneren Kumpels noch ein bißchen mehr naschen dürfen, treffen sich hier herdenübergreifend die möppeligen Ponies zu einer Heumahlzeit. So kommt kein Frust auf, denn schließlich ist es ja besonders spannend, wenn man sich hier vielleicht mit netten Isidamen vom Nachbarpaddock treffen darf, statt mit den Kumpels auf die schnöde Weide zu gehen... ;-) Wir haben übrigens auch noch einen Mäusepaddock mit extra viel Futter, um auch den besonders schwerfuttrigen oder rangniedrigen Pferden gerecht zu werden.
Fleygur: Ihr züchtet auch und bietet Aufzuchtsplätze an. Wie sehen Eure Zuchtziele aus und wie Eure Aufzuchtsphilosophie?
Kathrin: Wir züchten eigentlich genau die Pferde, die wir auch selbst reiten mögen: Ausgeglichene, leichtrittige und leistungsbereite Verlaßtölter für Sport und Freizeit mit einem ehrlichen, aufmerksamen Wesen... Dabei spielen natürlich die Elterntiere eine großen Rolle. Wir haben ein paar sehr vielversprechende Zuchtstuten und zwei junge Nachwuchshengste, auf deren künftige Entwicklung wir sehr gespannt sind. Einen großen rahmigen rappwindfarbenen Óðinn frá Sauðhaga Nachkommen mit viel natürlicher Aufrichtung und einen harmonischen Dreifarbschecken, VV Kostur frá Miðsitju, mit sehr schwungvoll federnden Bewegungen. Mindestens genauso wichtig ist uns aber eine durchdachte Jungpferdeaufzucht. Wir versuchen dabei, uns möglichst nah an der Natur zu orientieren. Während die Fohlen und Jungpferde dort einige Jahre im Herdenverband verbleiben, wo sie ihren Rangordnungsplatz und somit Sicherheit erlangen, werden junge Pferde von ihren Züchtern oft aufgrund ihres Spieldranges von den erfahrenen Reitpferden und Senioren getrennt. Ein fataler Fehler, denn gerade Pferde lernen vieles über Imitation und wo kein Vorbild da ist, werden Gefahren wie Giftpflanzen, gerade auf selbsternannten Bioweiden, leider oft nicht erkannt...
Fleygur: Mehrere verschiedene Ausbilder bieten bei Euch Reitstunden und Beritt an. Als Einsteller kann man frei wählen, wer aus Eurem Team das persönliche Training ideal unterstützt oder auch gerne seinen vorhandenen Lehrer mitbringen. Warum ist Euch diese “Offenheit” in punkto Reitunterricht so wichtig?
Kathrin: Das ist für uns ganz selbstverständlich. Damals in der Schule haben ja auch nicht alle den gleichen Lehrer am besten gefunden. Man muss schon einen "Draht" zu seinem Trainer finden, sonst springt der Lernfunke nicht über. Gerade Reiten hat ja sehr viel mit kleinen feinen Bewegungsnuancen, Balance und Körpergefühl zu tun und darüberhinaus auch mal mit dem bloßen Vertrauen, dass schon alles gut gehen wird, nur dann kann man sich auch wirklich auf seinen Trainer einlassen. In meinem Unterricht ist es mir sehr wichtig, immer zu erklären, warum etwas wie gemacht werden sollte. Die anatomischen Grundsätze der Biomechanik von Pferd und Reiter sowie ein Gespür für das instinktive Pferdeverhalten sind hier keine graue Theorie, sondern stehen stets im Mittelpunkt. Regelmäßige Bodenarbeit nach dem Natural Horsemanship Prinzip gehört bei uns immer dazu. Schon für die ganz kleinen Nachwuchsreiter ab 3 oder 4 Jahren bieten wir Horsemanship Kurse an, in denen der Kontakt zum Pferd sowie der richtige Umgang im Zentrum stehen, aber auch die erwachsenen Reiter merken schnell: Reitunterricht ist bei uns ganzheitlich angelegt.
Fleygur: Im Mai fand wieder der jährliche Rhoennbrooker Trailcup statt. Beweisen mussten sich Pferd und Reiter in Zweierteams in den Disziplinen “Nervenstärke”, “Koordination”, “Geschicklichkeit”, “Gehorsam” und “Schnelligkeit”. Welche Aufgaben standen dafür auf dem Programm?
Kathrin: Der Trailcup fand nun gerade zum dritten Mal statt. Hier kann ein Isi mal zeigen, was in ihm steckt, genau diese fünf Bereiche sind ja vor allem für Freizeitreiter interessant. Es gab fünf verschiedene Stationen für die Reiterteams mit den unterschiedlichsten Aufgaben. Zunächst war der hofeigene Trailplatz mit Slalomstangen, Flattertor, Holzbrücke, Podest, Reifen-Ziehen und ähnlichem zu bewerkstelligen. Auf einem zweiten Parcours musste man vom Pferd aus Wäsche aufhängen, eine Landkarte entfalten, Hufeisenwerfen oder auf dem Pferd durch einen Hula-Hoop Reifen klettern. Im Gelände gab es noch ein Worträtsel zu lösen, man musste auf dem Pferd einen vollen Wasserbecher transportieren und schließlich das Fahnenrennen meistern. Aber auch die Nicht-Reiter, die Abends zum gemütlichen Grillen dazukamen, mussten noch einiges über sich ergehen lassen. Da warteten spannende Spiele wie Schubkarrenrennen, Apfelbeißen oder Kartoffellauf... Wir haben einfach ganz tolle Einsteller bei uns, so dass solche Veranstaltungen trotz der Vorbereitung und der vielen netten Helfer, ohne die das nicht klappen würde (!), einfach immer richtig viel Spaß machen!
Fleygur: Auch im August wird es wieder ein spannendes Event geben, eine Käse-Rotwein-Geländeralley. Wird unterwegs viel Wein getrunken und wer entwickelt bei Euch eigentlich diese außergewöhnlichen Ideen für gemeinsame Aktionen?
Kathrin: Hahaha, ja, die Idee für diese inzwischen auch schon traditionelle Veranstaltung entstammt tatsächlich einer Weinlaune... Wir haben hier in den Ausläufern der Holsteinischen Schweiz ein traumhaftes Ausreitgelände mit vielen Wäldern, Feldwegen, einem See, da bietet sich eine Geländeralley natürlich an. Unterwegs wird aber lieber kein Wein getrunken, denn hier geht es um Wissen, Geschicklichkeit und Zeit. Wir lassen unsere Veranstaltungen aber eigentlich immer mit einem netten Grillabend im Gras ausklingen, dafür bringt jeder einen kleinen Buffetbeitrag mit. Irgendwann dachten wir dann mal, wir bräuchten mehr Auswahl an Käse und Rotwein, quasi ein Käse und Rotwein Fest, und das war dann die Geburt der Käse Rotwein Geländeralley... Auch Fremdreiter sind bei unseren Veranstaltungen übrigens herzlich willkommen, mailt uns einfach!
Fleygur: Abschließend noch unsere Standardfrage. Mit welcher Person aus dem Pferdebereich würdest Du gerne einmal bei einem längeren Ausritt ein Gespräch führen und wenn ja, zu welchem Thema?
Kathrin: Uh, das ist gar keine leichte Frage... Es gibt so viele inspirierende Pferde-Menschen, mit denen ich gerne mal ausreiten und über das eine oder andere schnacken möchte. Einer diese Menschen ist aber mit Sicherheit Birgit Dresel, eine sehr exakte Beobachterin der Biomechanik von Gangpferden und, wer ihre Bücher kennt, wird dies bestätigen, gleichzeitig eine gute Pädagogin. Es hilft mir ja nichts, wenn ich Zeit mit jemandem verbringe, der alles selbst ganz toll macht, mir das wie und warum aber nicht vermitteln kann. Das ist bei Birgit Dresel anders. Ich habe ihre Bücher förmlich verschlungen und sehr viel daraus gelernt. Ein Ausritt wäre also noch mal der Praxistest! Darüber hinaus würde ich gerne einfach mal wieder einen entspannten Waldritt mit meinem Freund unternehmen, gemeinsame Ausritte kommen ja doch manchmal in all dem Hoftrubel etwas zu kurz...
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