Fleygur: Sonja, Du bist nicht nur Pferdewirtin und IPZV-Trainerin sondern auch Centered Riding® Instructor (Level II). In den letzten Jahren hast Du den Bachäckerhof intensiv in ein Zentrum für Centered Riding entwickelt. Was fasziniert Dich so an dieser Unterrichtsweise?
Sonja: Früher bin ich auf Reitkurse gegangen und habe meinen Spaß gehabt. Dummerweise hatte dieses Training keinen nachhaltigen Effekt gehabt, denn spätestens am Dienstag danach hat man wieder das gleiche gemacht, wie vor dem Reitkurs. Wir Centered Riding Instruktoren sagen nicht was der Reiter tun soll, sondern wie er es tun soll. Für mich ist der große Unterschied zum „normalen“ Unterricht, dass Centered Riding wirklich funktioniert, es bringt den Reiter weiter. Die Idee ist, dass ein Pferd ohne den Reiter auf der Weide ja alles kann, erst wenn der Reiter hinzukommt, kann es z.B. plötzlich nicht mehr rechts galoppieren
Beim Centered Riding wird viel mehr Wert auf den Reiter gelegt. Ein wichtiges
Ziel ist, dem Reitschüler beizubringen, was sein Tun für Auswirkungen
auf sein Pferd hat. Daher sind auch Körperbewusstsein-Übungen aus
dem Tai Chi oder der Alexandertechnik Bestandteil unseres Unterrichts. Am
meisten freut es mich, wenn Reiter mit ihren eigenen Pferden zu mir kommen,
um Unterricht zu nehmen und dann nach Hause gehen und mir später erzählen,
wie sie es wunderbar umsetzen können. Es ist einfach so, dass wir dem
Reiter Mittel geben, die er daheim anwenden kann. Bei meinen Kursen bin ich
manchmal selbst total von den Socken, wenn ich Reiter nur strahlen sehe,
weil dieses Centered Riding wie durch Zauberei, praktisch mühelos, bestehende
Probleme auflöst.
Fleygur: Immer wieder engagiert Ihr auch hochkarätige internationale Trainer, die Euer Angebot ergänzen. So kommen unter anderem Lotta Mansson aus Schweden oder Susan Harris aus den USA regelmäßig auf Euren Hof. Wie bist Du darauf gekommen, internationale Trainer einzuladen?
Sonja: Lotta Mansson ist meine Ausbilderin vom Centered Riding. Sie hat mir zusammen mit dem Wiesenhof vor etlichen Jahren gezeigt, was Reiten eigentlich bedeutet. Für mich ist es wichtig, zu sehen, wie andere Reitlehrer in anderen Regionen oder Ländern arbeiten. Darum bin ich auch im Amerikanischen Reitlehrerverband. Zudem unterrichte ich ja auch auf Englisch und Französisch. Susan Harris und Peggy Brown werden immer wieder zu den besten Reitlehrerinnen Amerikas gewählt und halten Kurse in der ganzen Welt ab. So waren sie bereits einige Male in Holar, aber auch in Australien oder Japan. Besonders die Amerikanischen Trainer sind begeistert von unserem Hof und davon, wie unsere Gangpferde locker über den Rücken geritten sind. Für sie ist es etwas besonderes, wenn Gangpferde in sämtlichen Grundgangarten locker gehen und in Lektionen ausgebildet sind.
Fleygur: Wie werden denn diese Kurse, bei denen es ja weniger um Tölt oder Pass geht, von den „Islandpferdeleuten“ angenommen?
Sonja: Interessanterweise haben wir sehr viele Großpferdereiter/Reitlehrer bei unseren Kursen. Diese Reiter kommen aus allen Sparten der Reiterei. Auf Grund des Centered Riding Unterrichts kommen sie aber meist sehr gut mit unseren Gangpferden zurecht und interessieren sich auch sehr für die zusätzlichen Gänge! Genau das begeistert mich eben auch beim Reiten, ich bin von allen Pferden und Reitweisen fasziniert. Außerdem versuche ich immer die Reiter für neues offen zu halten, so habe ich z.B. bei den Centered Riding Updates auch schon Tölt-Demonstrationen für Kollegen aus dem Großpferdebereich gehalten. Unser diesjähriges Centered Riding Update wird übrigens auch als Trainerfortbildung des IPZVs anerkannt! Worauf ich ehrlich gesagt mächtig stolz bin.
Fleygur: Solche Kurse, mit Susan oder Peggy sind sicherlich immer ein besonderes Erlebnis und man nimmt jedes Mal viele neue Impulse mit. Kannst Du ein bischen aus dem “Nähkästchen” plaudern und mal ein persönliches Beispiel nennen?
Sonja: Nun wie gesagt,
man lernt unglaubliche Menschen kennen. Dadurch,
dass die CR Instruktoren aus jeder erdenklichen reiterlichen
Richtung kommen und jeder eine andere reiterliche
Ausbildung mitbringt, ist es immer wieder ein Erlebnis.
Vor allem lernt man offen zu sein. Jeder darf sich
einbringen und selbst die ganz „großen“ Lehrer
wie Susan Harris, hören jedem zu, der etwas
beitragen möchte. Sie selbst sind offen für
alles Neue. Susan und Peggy treten mit ihren Shows
auf allen großen Pferdemessen dieser Welt
auf, dadurch kennen sie auch diese ganzen "Gurus",
wie Monty Roberts oder Pat Parelli, aber auch jeder
Teilnehmer hat interessante Geschichten auf Lager.
Die Teilnehmer haben zum Teil auch sehr exotische
Pferderassen daheim stehen. So erzählte eine
Teilnehmerin von einem Trekking-Betrieb mit Bashkire-Ponies.
Die kommen aus Sibirien und wenn sie sich erschrecken,
dann bleiben sie wie erstarrt stehen!
Fleygur: Es gibt auch Reitkurse bei Euch, die sich nicht nur mit dem „Reitenlernen“ beschäftigen. Was verbirgt sich z.B. hinter dem Aktiv- oder Indianerreitkurs?
Sonja: Wir bieten viele Ferienreitkurse an. Das heißt, nicht nur auf dem Reitplatz, sondern während des ganzen Reitkurses sind die Kinder und Jugendlichen betreut und bekommen ein abwechslungsreiches Programm geboten, z.B. beim Indianerkurs das Bogenschießen oder den Bau eines Einbaums. Für mich ist es wichtig, den Kindern auch das Pferd als Partner zu vermitteln, abseits vom Reiten.
Fleygur: Richtet sich Euer Urlaubsangebot denn nur an Reiter?
Sonja: Wir haben ein gemütliches Bauernhaus mit neuen, bzw. renovierten Zimmern. Bei uns kann jeder Urlaub machen, der sich erholen möchte oder die wunderbare Bodenseeregion kennenlernen will. Wir haben einen tollen Garten mit Pool, wenn man nur am Hof „rumlungern“ will. Außerdem ist unsere Gegend super zum Radfahren und es gibt hier so viele Dinge zu erleben, dass ich selbst immer noch Vieles nicht angeschaut habe, obwohll ich schon mein ganzes Leben hier wohne und immer viel unternehme, gerade auch mit den Hausgästen.
Fleygur: In Eurer Reiterboutique gibt es neben Reitsportzubehör auch Geschenkartikel rund ums Islandpferd. Was bietet Ihr diesbezüglich an?
Sonja: Nun, wir haben eine kleine Reiterboutique, in der ich meinen Kunden gerne Dinge anbiete, die ich selbst benutze und für gut befinde. Wir verkaufen hauptsächlich Produkte, die in Deutschland oder Frankreich hergestellt werden. Und wenn jemand einem Reiter eine Freude machen möchte, so findet er bei uns sicherlich in jeder Preisklasse etwas. Von der Isi-Postkarte, spannenden Jugendromanen über Islandpferde, Töltersocken bis zu Islandpullis und Vielem mehr. Einmal wurde sogar ein Pferd als Geburtstagsgeschenk mit riesengroßer roter Schleife vom Hof geführt...!
Fleygur: Abschließend noch unsere Standardfrage. Mit welcher Person aus dem Pferdebereich würdest Du gerne einmal bei einem längeren Ausritt ein Gespräch führen und wenn ja, zu welchem Thema?
Sonja: Ich genieße
es mit meinen Freunden und Reitschülern ausreiten
zu gehen. Wenn ich nun diesbezüglich einen Wunsch
offen hätte, dann würde
ich gerne mit Hrafn frá Holtsmula auf einen Ausritt
gehen.
Fleygur: Vielen Dank für das spannende Interview über Dich und das Centered Riding. Vielleicht möchtest Du ja mal über den nächsten Kurs einen kleinen Bericht bei uns veröffentlichen. Wir würden uns freuen.
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