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Lettir vom Quillerhof
geb.2003, Windfarben, Fünfgänger



Reservesieger Handorfer Körung 2006
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Lesen Sie zum Thema auch den folgenden Artikel:

Margit Heumann
Züchten statt vermehren

(aus: Margit Heumann, Ein Hobby mit Konsequenzen, ISBN 978-3-9811479-1-9)

 

Es gibt nichts Netteres, als Fohlen zu beobachten. Wie sie geboren werden, mühsam aufstehen, die ersten Schritte gehen, das Euter der Stute finden. Schnell werden sie sicherer auf den Beinen, staksen mit der Mutter auf die Weide, erkunden neugierig die Welt, schlafen, spielen, rennen, raufen mit den gleichaltrigen Fohlen. Erstaunlich, wie schnell sie wachsen, mutig und selbstständig werden.

Fohlen sind so süß – leider ist das auch eines der häufigsten Argumente für das Vermehren. Vermehren? Ja, vermehren! Kein gewissenhafter Züchter würde diese Begründung in den Mund nehmen. Züchten ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, die den Bedürfnissen der Tiere entsprechen und der Veredlung der Art dienen muss. Beim Züchten darf das Argument vom süßen Fohlen keine, aber auch gar keine Rolle spielen.

Leider gibt es noch eine Menge weitere Argumente, die dem Vermehren zugeordnet werden müssen:

„Meine Stute ist so toll, ich möchte unbedingt ein Fohlen aus ihr.“
Schön, wenn Sie von Ihrem eigenen Pferd so begeistert sind, dass Sie unbedingt eine Kopie davon haben möchten. Aber: Woher wollen Sie wissen, dass das Fohlen auch so wird? Schließlich wird es nicht nur die Gene der Mutter sondern auch die des Vaters in sich haben, und wie die Kombination sich entpuppt, kann auch der erfahrene Züchter nicht mit Sicherheit voraussagen. Wenn Sie den Gedanken an eine Kopie partout nicht aufgeben wollen, gibt es nur eine Möglichkeit: Klonen!

„Ich möchte mein Nachwuchspferd selber züchten.“
Ich kann mich nur wiederholen: Keiner kann sicher wissen, was bei einer noch so wohlüberlegten Anpaarung heraus kommt. Und noch etwas: Nicht nur die Gene bestimmen die Qualität Ihres Wunsch-Nachwuchspferdes, ebenso wichtig auf dem Weg dahin sind Aufzucht, Fütterung, Erziehung und Anreiten – um nur ein paar Stationen zu nennen. Haben Sie die Fähigkeiten, das Wissen, die Voraussetzungen dafür?

„Ich habe kein Geld für ein fertiges Reitpferd.“
Haben Sie schon mal ausgerechnet, welche Summe zusammenkommt von den ersten Informationsfahrten über Decken, Trächtigkeit und Geburt bis zum ersten Wanderritt oder Turnier? Allein die Futter- und Haltungskosten bzw. die Pension für drei oder vier Jahre, die Mitgliedschaft im Zuchtverband, die Impfungen und Wurmkuren, die Hufpflege und vielleicht die Ausbildung durch einen Profi. Außerdem kann so ein Tier auch krank werden oder gar kurz vorm Anreiten an einer Kolik eingehen. Machen Sie eine knallharte Kalkulation, ob nicht das ausgebildete Reitpferd, das Sie wirklich ausprobieren können, billiger kommt, als das selbst gezogene Nachwuchspferd, das trotz der hohen Kosten dann vielleicht nicht einmal Ihren Vorstellungen und Ihrem Können entspricht.

„Ich habe zu viel Gras.“
Das ist die dümmste Begründung, die es gibt. Verschenken Sie das Gras oder machen Sie Heu davon, lassen Sie den Schäfer mit seiner Herde kommen oder legen Sie sich selbst ein paar Schafe zu, oder von mir aus, essen Sie es selbst mit Essig und Öl als Salat. Nur schaffen Sie sich um Gottes Willen kein Fohlen an, damit das Gras weniger wird! Denn das Fohlen bleibt nicht klein, und es hat von Anfang an viel kompliziertere Bedürfnisse als Gras, es entwickelt sich, es wird erwachsen – und was machen Sie jetzt damit?

„Meine Kinder sollen mit einem Fohlen zusammen aufwachsen.“
Natürlich ist es schön und pädagogisch sinnvoll, Kinder mit Tieren zusammen zu bringen. Aber Fohlen sind gleich nach Löwenbabies und jungen Vipern so ungefähr das Ungeeignetste, was man ihnen anbieten kann. Sogar ein Goldfisch im Glas ist da noch besser.
Dass ein Fohlen seine Menschenkinder beschnuppert, anstupst, krault, das Vorderbein gibt und sich zu Laufspielen animieren lässt, ist anfangs ganz niedlich. Aber ein Fohlen wächst schnell: nach ein paar Wochen oder Monaten rempelt es die vermeintlichen Artgenossen an, beißt schmerzhaft zu, schlägt ungeduldig mit dem Vorderbein, und beim Spielen buckelt es übermütig, mit den Hufen genau in Kopfhöhe der Kinder. Womöglich bestrafen Sie es jetzt auch noch wegen seiner angeblichen Frechheiten, aber in Wirklichkeit tut es nur das, was Sie ihm anerzogen haben, allerdings mit der Kraft eines Halbwüchsigen.
Auf jeden Fall werden Sie Kinder und Fohlen schnellstens trennen müssen, hoffentlich bevor Ihre Kleinen ernsthaft verletzt werden und sie für immer Angst vor Pferden haben.
Tun Sie Ihren Kindern was Gutes und kaufen Sie ein Meerschweinchen, eine Katze, einen Hamster - oder schaffen Sie sich einen Familienhund an, dann haben Sie alle was davon. Vorausgesetzt, Sie können den Kindern zeigen, wie man mit einem solchen Tier umgeht.

„Meine Stute ist nicht (mehr) reitbar.“
Warum? Ein Sturz, eine Krankheit, eine Unart?
Wenn Ihre Stute bei einem Sprung so unglücklich gestürzt ist, dass sie eine bleibende Schwäche im Schultergelenk zurückbehalten hat, ist das ein Unfall und wirklich Pech. In diesem Fall könnte sie, wenn alle anderen Voraussetzungen stimmen (siehe weiter unten im Text!), wohl für die Zucht in Frage kommen.
Sollte es sich um eine Krankheit handeln, die vermutlich oder nachgewiesenermaßen (z.B. Spat, Sommerekzem) erblich bedingt ist, eignet sie sich nicht zum Züchten. Oder wollen Sie ein Fohlen in die Welt setzen, das dieselben Voraussetzungen haben könnte wie seine bedauernswerte, früh erkrankte Mutter?
Und lassen Sie um Himmels willen die Finger davon, mit einer Stute zu züchten, die Sie nicht reiten können, weil sie buckelt, schlägt oder beißt oder alles zusammen! Gerade Verhaltensweisen werden nicht nur vererbt sondern auch durch Nachahmung erlernt.

„Mein Pferd soll nicht so allein sein.“
Ein Pferd allein zu halten ist Tierquälerei, da haben Sie recht. Sie müssen etwas dagegen tun.
Wie wäre es z.B. mit einem älteren Beistellpferd? Oder nehmen Sie ein Pferd in Pension. Oder gründen Sie eine kleine Haltergemeinschaft – damit können Sie auch noch einen Mitreiter und einen Helfer im Stall gewinnen. Auch ein Shetlandpony tut gute Dienste als Kumpel, wenn Sie Ihre Zäune entsprechend dicht machen.
Auf gar keinen Fall dürfen Sie deswegen Pferde vermehren.

„Ich habe zu wenig Zeit zum Reiten.“
Es ist extrem kurzsichtig, seine Stute wegen Zeitmangel decken zu lassen.
Schon die Organisation des Deckens werden Sie mühsam in Ihrem Terminkalender unterbringen müssen, und Trächtigkeit, Fohlengeburt und Aufzucht werden auch nicht ohne ein zusätzliches Pensum an Arbeit und Stress sein. Dadurch bleibt Ihnen – logisch! - noch weniger Zeit zum Reiten.
Und was ist in drei oder vier Jahren? Dann haben Sie zwei Pferde – wie soll das denn gehen?

Züchten heißt verbessern, veredeln.

Sie haben (auch) andere Argumente und wollen verantwortungsvoll züchten, voraussichtlich nur für den Eigenbedarf. Ich setze voraus, dass Sie seit Jahren Umgang mit verschiedenen Pferden haben und, falls Sie Ihr zukünftiges Reitpferd züchten, solide Reitkünste vorweisen können. Vielleicht versorgen Sie Ihr(e) Pferd(e) selbst oder kümmern sich um deren Haltung und Fütterung im Pensionsstall. Und, ganz wichtig, Sie sind willens, dazuzulernen.

Für detaillierte Information besuchen Sie unter www.ipzv.de die Homepage des Islandpferdereiter- und Züchterverbands. Hier erfahren Sie alles Wissenswerte über die Zucht von Islandpferden, vor allem die von engagierten Züchtern und Fachleuten standardisierten Zuchtziele. Fühlen Sie sich dadurch nicht gegängelt oder eingeschränkt. Zuchtstandards helfen Ihnen, den passenden Hengst für Ihre Stute zu finden. Das ist schon mal eine der wesentlichen Voraussetzungen für ein gutes Reitpferd. Dann müssen nur noch Aufzucht und Erziehung und Ausbildung stimmen ....

Aber vorher sollten Sie noch ein paar Gedanken an die Zukunft verschwenden.
Fohlen sind süß, aber bevor Sie überhaupt ans Decken denken, sollten Sie sich darüber klar werden, was Sie von dem erwachsenen Pferd erwarten. Soll es ein Familienpferd sein? Möchten Sie Freizeitreiten oder in den Turniersport einsteigen? Wie steht es mit Ihren reiterlichen Fähigkeiten? Wo, wie, wann können Sie sich weiterbilden, falls Sie ihr Pferd selbst anreiten wollen? Werden Sie in ein paar Jahren Zeit für zwei Pferde haben? Oder planen Sie Ihre Kinder als zukünftige Reitpartner ein? (Sicher wissen Sie, dass der Nachwuchs nicht immer die Interessen der Eltern teilt.)
Natürlich können Sie Ihr Leben nicht fünf Jahre im voraus im Detail planen, aber immerhin sollten Sie sich schon mal Gedanken darüber machen, wo Sie dann stehen möchten als Individuum, als Familie, im Beruf, und ob da ein weiteres Pferd Platz hat. Züchten ist verantwortungsvoll und langwierig. Der augenblickliche Traum vom eigenen Fohlen darf nicht in einem bösen Erwachen enden.

Lesen Sie hier erst weiter, wenn Sie befriedigende Antworten auf Fragen dieser Art gefunden haben.



Mehr von Margit Heumann, IPZV Trainerin B und Buchautorin finden Sie in ihrem Buch: "Ein Hobby mit Konsequenzen", Tierbuchverlag Irene Hohe.

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