Margit
Heumann
Fohlen sind so süß
„Fohlen sind so süß!“
höre ich häufig, wenn ein pferdenärrischer Besucher
oder ein begeisterter Zaungast die Mutterstutenherde beobachtet.
Das ist absolut in Ordnung. Ärgerlich und völlig unpassend
ist der Satz, wenn er von selbsternannten Hobbyzüchtern als
Begründung für das Vermehren von Islandpferden missbraucht
wird.
In Islandpferdekreisen gibt es leider jede Menge weiterer Argumente,
die dem Vermehren zugeordnet werden müssen.
„Meine Stute ist so toll“, schwärmt
die Freizeitreiterin, „ich möchte unbedingt ein Fohlen von
ihr.“
Schön, wenn sie von ihrem eigenen Pferd so begeistert ist,
dass sie unbedingt eine Kopie davon haben möchte. Aber woher
will sie wissen, dass das Fohlen so wird wie die Mutter? Schließlich
hat es nicht nur deren Gene sondern auch die des Vaters, und wie
die Kombination sich entpuppt, kann auch der erfahrenste Züchter
nicht mit Bestimmtheit voraussagen. Um ein identisches Pferd zu
erhalten, müsste sie es schon klonen lassen!
„Ich möchte mein Nachwuchspferd
selber züchten“, meint der Sportreiter.
Ich kann mich nur wiederholen: Keiner kann sicher wissen, was bei
einer noch so wohlüberlegten Anpaarung heraus kommt.
Und noch etwas: Nur weil eine Stute ein Fohlen von einem Superhengst
bekommt, muss es sich noch lange nicht zum Wunsch-Nachwuchspferd
entwickeln. Ebenso wichtig wie die Wahl der Elterntiere sind Aufzucht,
Fütterung, Erziehung und Anreiten – um nur ein paar Stationen
zu nennen. Nicht jeder ambitionierte Reiter hat die Fähigkeiten,
das Wissen, die Voraussetzungen dafür!
„Ich habe kein Geld für ein richtiges
Reitpferd“, jammert die Auszubildende, deren Konto in den
roten Zahlen ist.
Sie ist überzeugt, das eigene Fohlen ist kostengünstiger
als ein ausgebildetes Reitpferd. Vielleicht sollte sie erst mal
ausrechnen, welche Summe zusammenkommt von den ersten Hengst-Informationsfahrten
über Decken, Trächtigkeit und Geburt bis hin zum ersten
Wanderritt oder Turnier? Deckgebühren, Transportkosten, Tierarzt-rechnungen,
Futter- und Haltungskosten für drei oder vier Jahre, Mitgliedschaft
im Zuchtverband, Impfungen, Wurmkuren, Hufpflege und vielleicht
die Ausbildung durch einen Profi gehen in die Tausende. Und was
ist mit dem Risiko? Ein Jungpferd hat vier Jahre Zeit, Kosten zu
verursachen: Es kann sich oder andere verletzen, krank werden oder
gar kurz vorm Anreiten an einer Kolik eingehen. Es bedarf einer
knallharten Kalkulation, ob nicht das fertige Reitpferd, das wirklich
ausprobiert werden kann, im Endeffekt günstiger ist, als das
selbst gezogene Nachwuchspferd, das trotz hoher Kosten und Risiken
dann vielleicht nicht einmal den Vorstellungen und dem Können
seiner Besitzerin entspricht.
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können Sie hier
Mehr von Margit Heumann, IPZV Trainerin
B und Buchautorin finden Sie in ihrem Buch: "Ein Hobby mit
Konsequenzen", Tierbuchverlag Irene Hohe.
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Margit Heumann
Haltung und Pflege des Islandpferdes
Ein Überblick
Haltung und Pflege unserer Islandpferde muss artgerecht
sein, d. h. den Originalbedingungen möglichst nah kommen. Leider
ist das nicht so einfach, wie es klingt. Es reicht uns nämlich
nicht, das Pferd Pferd sein zu lassen. Wir halten unsere Isländer,
um sie zu reiten, wir möchten sie leistungsfähig, ständig
verfügbar und dem Zuchtziel entsprechend haben, und nicht zuletzt
kommen noch Bequemlichkeit und Geltungsdrang des homo sapiens dazu.
Das Wildpferd
Die Natur hat das Pferd bestens für seine Lebensweise
ausgerüstet. Seine Haut verfügt über einen äußerst
aktiven Stoffwechsel und kann sich den verschiedensten Witterungs-
und Klimabedingungen anpassen. Zusätzlich reagiert es mit Sommer-
und Winterpelz auf jahreszeitliche Unterschiede. Auch das Fell,
speziell die Unterwolle, stellt sich bei Kälte auf, um mehr
isolierende Luftpolster zu bilden, und bei Regen ordnen sich die
Haare dachziegelartig an, so dass das Wasser vom Körper weg
nach unten abtropft.
Die Mähne ist meist dicht bis üppig, oft beidseitig, und
schützt so Genick und Hals. Der Schopf hält Wind, Insekten
und Staub von den Augen ab, der Schweif dient der Fliegenabwehr.
Am Schweifansatz befinden sich dichte, seitlich abstehende Haare
zum Schutz des Genitalbereiches.
Der Huf besteht aus gefühllosem Horn, das ständig nachwächst,
und einem sehr sensiblen Hufmechanismus im Inneren. Die Festigkeit
des Hufes erlaubt dem Pferd Bewegung auf jeder Art von Untergrund,
auch über lange Strecken, und die Aktivität des Hufmechanismus
wirkt elastisch und gelenkschonend.
Seine Verhaltenweisen dienen dazu, sich so lange wie möglich
gesund (und damit fortpflanzungsfähig) zu erhalten. Es sucht
bei Hitze schattige Plätze auf, nimmt Felsen, Hecken oder Baumbewuchs
als Windschutz und dreht bei Regen- und Schneestürmen seine
Kruppe zur Wetterseite. Auf Futtersuche bewegt sich das Pferd ständig
ruhig vorwärts, in der Herde pflegt es Sozialkontakte mit Artgenossen
und lernt, sich in eine Rangordnung einzufügen.
Wenn es stimmt – und davon bin ich überzeugt –, dass das Wildpferd
in unseren Islandpferden noch weitgehend erhalten ist, gibt es nur
eine artgerechte Haltungsform: Robusthaltung! (Zum Glück werden
die meisten Islandpferde so gehalten.)
Robusthaltung in der Gruppe kommt den ursprünglichen Ansprüchen
unserer Pferde am nächsten. Bei dieser Haltungsform können
sie ihren Bedarf an Bewegung, Temperaturunterschieden, verschiedenen
Witterungseinflüssen und Schutz davor befriedigen. Sie haben
jederzeit Gelegenheit zum Wälzen, Scheuern, Fellkraulen, Spielen
und anderen Sozialkontakten, und sie können sich – wenn auch
auf begrenztem Raum - frei bewegen.
Eben dieser begrenzte Raum ist der Grund dafür, dass wir robust
gehaltene Pferde nicht sich selbst überlassen können.
Als Unterkunft brauchen sie einen Offenstall, im Sommer tut es ein
Weideschuppen oder dichter Baumbestand als Schattenspender. Neben
korrekter Fütterung sind zweckmäßige Haltungsbedingungen
und geeignete Pflege nötig. Je artgerechter die Haltung ist,
desto geringer ist der Aufwand, die Pferde optimal zu versorgen.
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Buchautorin finden Sie in ihrem Buch: "Ein Hobby mit Konsequenzen",
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