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"Töltreiten" hier
einen Artikel von Janine Köhler IPZV Trainer A
Töltreiten
Wege vom Pass zum taktklaren Tölt
1. Vorbemerkung
Das Islandpferd ist, gemessen an anderen europäischen
Pferderassen, eher klein. Sein Stockmaß beträgt im
Durchschnitt 1,34 m bis zum Widerrist. Aufwachsbedingungen und
die vielseitige Beanspruchung haben ein ungeheuer starkes und
ausdauerndes Pferd hervorgebracht, und keine andere Pferderasse
der Welt verfügt über eine derartige Vielfalt der Gänge.
Daher ist Töltreiten wohl das wichtigste Thema der Islandpferdereiterei.
Schließlich ist gerade mit Islandpferden das Bild von flott
vorwärtstöltenden heiteren Reitern und Pferden verbunden.
Sie prägen dieses Bild lange vor dem Auftauchen der anderen
Gangpferderassen, zumindest in Deutschland bzw. Europa.
Das zum richtigen Tölten oft wesentlich mehr
gehört, als sich einfach auf einen Isländer hinaufzuschwingen
und loszulegen, steht außer Frage.
Tölt ist – wie Schritt, Trab und Galopp – eine natürliche
Gangart des Pferdes. Trotzdem funktioniert Töltreiten nicht
wie Trab- oder Galoppreiten. Denn es gibt sie nicht, die Tölthilfe.
Das lässt sich am besten damit erklären, dass ein Pferd
nur tölten kann, wenn es sich in einem ganz bestimmten Zustand
befindet: Es muss im Gleichgewicht sein, im Viertakt die Balance
gefunden haben.
Wichtigste Grundlage für das Töltreiten ist, dass der
Reiter ein Gefühl für diese Balance und ein Gespür
für den Fluss der Bewegung entwickelt, denn das Islandpferd
verfügt über eine Vielzahl von möglichen Gangverschiebungen
im Tölt, die nicht erwünscht sind. Eine dieser Verschiebung
tendiert zum Pass, der sogenannte Passtölt. In dieser Arbeit
soll es darum gehen, die Ursachen für den Passtölt besser
zu erkennen und daraufhin die richtigen Hilfen geben zu können
bzw. die richtigen Maßnahmen zu ergreifen.
2. Das Ziel: Der taktklare Tölt
Tölt ist eine faszinierende Gangart. Und kaum
wird man eine solche Weichheit des Töltes und Kraft feststellen,
wie beim Islandpferd. Der gute Tölter geht ausdrucksvoll
und wirkt auf seinen Betrachter leichtfüßig und beweglich.
Soll sich der Tölt schön anfühlen, so muss die
Bewegung locker durch den ausbalancierten Körper fließen.
Tölt wird in einem reinen Viertakt mit acht Phasen gelaufen
und hat die gleichen Fußfolgen und Phasen wie im Schritt,
wobei der Unterschied im Tempo liegt:
Der Tölt ist eine gelaufene Gangart und keine schreitende.
Dadurch ändert sich beim Tölt die Dreibeinstütze
des Schrittes zur Einbeinstütze.
Der Bewegungsablauf ist beim Tölt folgender:
Einbeinstütze hinten links, laterale Zweibeinstütze
hinten links und vorne links, Einbeinstütze vorne links,
diagonale Zweibeinstütze vorne links und hinten rechts und
dann eine Einbeinstütze hinten rechts, laterale Zweibeinstütze
hinten rechts und vorne rechts, Einbeinstütze vorne rechts,
diagonale Zweibeinstütze hinten links und vorne rechts.
Phasenfolge im Tölt

Der Vergleich: Phasenfolge im Schritt

2.1 Hilfen zum Tölt
Hilfen zum Töltreiten
sind schwierig zu erklären, denn es gibt keine generelle
Anleitung, wie z.B. für den Galopp oder Trab. Die Töltveranlagung,
die Rittigkeit und die Losgelassenheit eines Isländers ergeben
eine große Vielfalt von unterschiedlichen Typen. Deshalb
muss der Reiter immer wieder auf andere Art und Weise antölten
oder Tölt reiten. Aus diesem Grund kann man auch nicht von
einem einheitlichen Töltsitz sprechen. Man kann nur eine
Vielzahl von Zusammenhängen erklären und Gemeinsamkeiten
aufzeigen.
2.2 Der Sitz
Die besten Einwirkungen und das richtige Gefühl
für die Bewegung kommen aus dem korrekten Sitz dem sogenannten
Vollsitz.
Dabei sitzt der Reiter auf beiden Gesäßknochen. Seine
Beine liegen aus dieser Position flach am Pferd liegend gerade
nach unten. Der Unterschenkel liegt leicht nach hinten zeigend,
zwanglos am Pferdekörper. Der Oberkörper wird aus der
Hüfte gerade aufgerichtet. Die Schultern werden locker und
zwanglos zurückgenommen, dadurch liegt der Oberarm locker
am Körper. Der Ellenbogen ist leicht angewinkelt. Die Hände
aufrecht und als direkte, weiche Verbindung zum Pferdemaul. Der
Reiter soll gut ausbalanciert und fähig sein, den Bewegungen
des Pferdes geschmeidig zu folgen. Jedoch gibt es viele Pferde,
die im Tölt oder beim Antölten zeitweise entlastet werden
müssen. Also kann man deshalb neben dem eben beschriebenen
Vollsitz von einer zweiten Sitzform sprechen, dem Entlastungssitz:
Der Reiter geht mit dem Oberkörper nach vorne und nimmt dabei
das Gewicht leicht aus dem Sattel, damit das Pferd den Rücken
frei bewegen kann und nicht verspannt. Bei diesem Sitz ruht das
Gewicht vermehrt auf Knie und Steigbügel.
2.3 Einwirkungen
Bevor der Reiter antölten will, muss er die
Zügel im Schritt verkürzen. Dabei muss beachtet werden,
dass der Zügel mit Gefühl verkürzt wird und die
Reiterhand ruhig ansteht und nicht in ein zurückziehen verfällt.
Gleichzeitig kommt der Einsatz von treibenden Hilfen. Dazu wird
das Kreuz verstärkt angespannt, die Schenkel werden vorsichtig
ans Pferd genommen, eventuelle berührt man es sogar aufmunternd
mit der Gerte, wobei die Hand ruhig stehen bleibt. Das Pferd wird
also gegen die verhaltende Hand getrieben bzw. es werden annehmende
bis nachgebende Zügelhilfen gegeben. Die Gewichtshilfe ist
in diesem Fall beidseitig belastet. Wieviel man das Pferd gegen
den Zügel treiben muß , hängt von Reaktion, Sensibilität
und Ausbildungsstand ab.
3. Das Problem: Passtölt
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