Reiter und Stallbursche in einer Person
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Ein eigenes Pferd, und das neben dem Häuschen im Grünen, das ist wohl der Traum eines jeden Pferdefreundes. Er möchte sich nicht dauernd auf neue Schulpferde einstellen, sich als Reitbeteiligung nicht mehr nur nach den Vorstellungen des Pferdebesitzers richten, regelmäßig reiten statt nur im Urlaub, keine lange Anfahrtswege zum Reitstall haben, um nur ein paar der Vorteile zu nennen. Für viele bleibt das ein Traum. Für mich wurde er wahr.
Von einem Tag auf den anderen hatte ich ein neues Domizil in einer ländlichen Gegend, den gewünschten Halbtagsjob in der Buchhandlung, und ich konnte einen frisch angetrauten Mann vorweisen, der nichts gegen meine Pferdeleidenschaft hatte und sich bald infizieren ließ.
Zunächst gab es nur zwei Tatbestände: Erstens den wiedererwachten Kleinmädchentraum vom Glück der Erde im Sattel und zweitens keine Ahnung. Ganz spontan setzten wir den Traum in die Tat – ein eigenes Islandpferd – um. Ein Jahr später waren es bereits fünf. Wir hatten Glück, viel Glück, aber wir zahlten auch Lehrgeld: In Form von harten D-Mark, einem toten Pferd, nutzlosen und überflüssigen Arbeitsgängen und reichlich Ärger. Bis das Luftschloss zu herrlicher Realität wurde, gingen Jahre mit unzähligen Irrtümern ins Land.
Machen Sie es anders! Seien Sie nicht so blauäugig wie wir. Vermeiden Sie falsche Entscheidungen aus Unwissenheit. Schützen Sie sich vor doppelter und dreifacher Arbeit, weil Ihre unbedarften Vorstellungen nicht den tatsächlichen Bedürfnissen entsprechen. Gefährden Sie nicht die Gesundheit Ihrer Vierbeiner durch untaugliche Zäune, Geräte und Futterlagerung.
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Die Realisierung des Traums
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Rosstäuscherei ist so alt wie der Handel mit Pferden: Angeblich goss man einem kurzatmigen Pferd Petroleum in die Ohren oder machte einen lahmen Gaul durch „einstreichen der Naßlöcher mit gestoßenem Kraut Laserpitium“ feurig und lebhaft (aus: Georg Simon Winter, Wolerfahrner Pferd-Arzt, 1722).
Auch dem modernen Rosstäuscher bietet zum Beispiel die Pharmazie unzählige Möglichkeiten, Krankheitssymptome kurzzeitig zu verdecken. Betrug und arglistige Täuschung dieser Art sind natürlich strafbar, und bei dem eher moderaten Preisniveau für Freizeitpferde ist das Risiko für den Verkäufer normalerweise viel zu hoch. Ich glaube daher nicht, dass Sie beim Kauf Ihres ersten Pferdes mit solchen Methoden konfrontiert werden.
Wohl aber könnten Ihnen diese begegnen:
Nervöse oder ungebärdige Pferde werden kurz vor Ankunft des Kunden heftig gearbeitet, Schweißspuren beseitigt
Es werden fingierte Interessenten aufgeboten oder erwähnt, die den Preis hoch halten und die Entscheidung beschleunigen sollen.
Pferde, die beim Anreiten Schwierigkeiten machten, werden als rohe, ungerittene angeboten.
Ein faules Pferd kommt tagelang nicht aus der Box, damit es beim Ausprobieren wenigstens ein bisschen Gehwillen zeigt.
Nach dem Ausprobieren folgt eine großartige Bewirtung mit reichlich Alkohol, die zu später Stunde zum Vertragsabschluss führen soll.
Lassen Sie sich kein X für ein U vormachen:
Glauben Sie nicht alles, was Ihnen über das Pferd erzählt wird.
Lassen Sie sich nicht zu einem übereilten Vertragsabschluss drängen.
Zweifeln Sie ruhig an der Existenz der aufgezählten ernsthaften Interessenten, aber sagen Sie es nicht.
Verhalten Sie sich überhaupt so neutral wie möglich. Machen Sie die vorgestellten Pferde nicht schlecht, aber zeigen Sie um Himmels willen nicht, dass Sie hellauf begeistert sind.
Auch wenn der Pferdemarkt kein türkischer Basar ist – Pferdepreise sind in der Regel auf Herunterhandeln angelegt. Zur Not verabschieden Sie sich mit großem Bedauern – kann sein, dass der Preis mit jedem Meter in Richtung Hoftor ein wenig sinkt.
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Kurzatmig, steif und zahnlos
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Entscheidung über Leben und Tod
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Irgendwann kommt der letzte Tag Ihres Pferdes, trotz bester Pflege. Meine Lieblingsvorstellung: Mein altes Pferd, mit dem ich gestern noch einen gemütlichen Spaziergang gemacht habe, liegt am nächsten Morgen tot auf der Weide. Es wurde müde, hat sich hingelegt und ist dann sanft für immer eingeschlafen.
Meistens kommt es anders: Die dritte schwere Kolik innerhalb eines Monats, ein komplizierter Beinbruch, bösartige Tumore, extreme Schwäche und Apathie. Nun müssen Sie als verantwortungsvoller Besitzer oder Halter über Tod und Leben entscheiden. Die Kriterien dafür müssen sich ausschließlich am Pferd orientieren: Ersparen Sie ihm unnötige Schmerzen und Stress. Ein sehr altes Kolikpferd mit stark geschwächtem Kreislauf trotz schlechter Heilungsprognose noch zwei Stunden in die Klinik zu transportieren, scheint ziemlich unvernünftig. Ebenso sinnlos kann es sein, ein altes, aber bewegungshungriges Offenstallpferd mit kompliziertem offenem Beinbruch zu operieren und monatelang in die Box zu verdammen. Oder ein dämpfiges Pferd kann so extreme Atembeschwerden bekommen, dass eine Nottötung besser ist als langsames Ersticken.
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