Am 04. Oktober war Henning Struve
bei uns und hat die Sattelüberprüfung
per Druckpad vorgestellt.
Die Testreihe: Als
Pferde kamen Gletta, die mollige Stute,
und Trausti, Typ eher schmal, zum
Einsatz. Der erste Sattel (Sattel
1) war für breitere Pferde konzipiert,
so dass erwartet werden konnte, dass
zumindest bei Trausti die Druckverhältnisse
subopimal erscheinen würden.
Bei der Überprüfung wurde
ein besonderes Gelpad auf den Pferderücken
gelegt, hierauf kam der Sattel (bei
unseren Tests jeweils ohne weitere
Sattelunterlage). Dann wurde jeweils
ca 10 Minuten pro getestetem Sattel
im Schritt, Trab und Tölt geritten.
Dabei wurde nach jeder Runde die Hand
gewechselt.
Nach dem Reiten wurde das Gelpad von
unten durchleuchtet, um die Verteilung
des Gels im Pad zu visualisieren.
Die Testbilder sehen Sie weiter unten.
Während der gesamten Testaktion
hat uns Hennig Struve zu unseren Fragen
Rede und Antwort gestanden:
Fleygur: Herr Struve,
warum eine Sattelüberprüfung
per Druckpad?
H.Stuve: Ich will
den Reitern, die sich unsicher sind,
ob ihr Sattel dem Pferd wirklich passt,
mit dieser Überprüfung die
Möglichkeit bieten, die Passform
ohne großen Aufwand an Zeit
und Kosten unter realistischen Bedingungen
zu testen.
Viele Reiter nehmen Reitstunden, besuchen
Kurse, trainieren ihr Pferd vielleicht
auch für Turnierteilnahmen, reiten
aber ständig gegen ihre eigene
Pferdeausrüstung an. Daß
dabei die Ausbildungsergebnisse nicht
optimal ausfallen, liegt auf der Hand.
Das Abbild nach dem Reiten, welches
das Druckpad für jeden erkennbar
und nachvollziehbar
liefert, gibt mir die Möglichkeit,
dem Reiter Hinweise an die Hand zu
geben, ob und was mit seinem Sattel
geschehen muß, soll er seinen
Zweck erfüllen.
Um sicher zu gehen, die erzeugten
Abbilder richtig zu interpretieren,
habe ich ausgiebige und lange Testreihen
gemacht und kann so jeden Sattel unabhängig
von Marke-, Modell- und Exterieur
überprüfen.
Fleygur: Was läßt
sich mit dem Druckpad denn alles überprüfen?
H.Stuve: Da wären
Paßform und Polsterung des Sattels,
der Sitz des Reiters auf gleichmäßge
Belastung, vorhandene Sattelunterlagen
auf ihren Zweck hin und natürlich
kann man auch einen neuen Sattel als
Entscheidungshilfe zum Kauf hin überprüfen
lassen.
Fleygur: Müssen
auch äußeren Einflüsse
bei der Sattelüberprüfung
noch berücksichtigt werden?
H.Stuve: In der Tat
hat sich die Notwendigkeit gezeigt,
mehrere Parameter beim Erzeugen des
Druckbildes genau abzugleichen, um
Fehlerquellen auszuschließen,
dazu gehören: Außentemperatur,
Art des Aufsitzens, Dauer des Reitens,
Beleuchtung bei der Auswertung.
Fleygur: Wir haben
mit Gletta und Trausti nun 2 Sättel
überprüft und die Testergebnisse
fotografiert. Zum ersten ging es allein
um die Passform eines Sattels, zum
zweiten auch um den Sitz des Reiters.
Am besten Sie erläutern nun jedes
Bild und die sich daraus ergebenen
Konsequenzen für Pferd und Reiter.
H.Stuve: Erstmal
zum allgemeinen Verständnis:
Das handelsübliche Druckpad enthält
ein relativ dickflüssiges, rotes
Gel. Nach dem Testreiten kann man
bei sehr unpassenden Sätteln
die Fellfarbe des Pferde durch das
Pad erkennen. Nimmt man dieses ab,
kann man auch fühlen, wo mehr-
und wo weniger Gel vorhanden ist,
aber dieses allein ist viel zu ungenau.
Deswegen durchleuchte ich es von unten;
je dünner die Gelschicht, umso
heller die Farbe: von dunkelrot über
rot, orange, gelb bis fast weiß.
Trausti mit dem beliebigen Sattel
1 und Reiter 1:

1. Auffallend ist eine Asymmetrie
zwischen links und rechts. Dazu später
mehr.
2. Betrachtet man die rechte (obere)
Seite, ist die Gelverteilung über
ca 80% der Fläche in Ordnung,
wäre sie überall so, könnte
ich den Sattel zur weiteren Verwendung
freigeben.
3. Sehr kritisch aber ist der vorderste
Bereich, hier kam es, durch Abtauchen
des Sattels bei jedem Schritt, zu
enormen Druckspitzen, die bei weiteren
Einsatz des Sattels auf Trausti zu
nicht unerheblichen Schmerzen führen
würden, was sich u.a. durch verkürzter
Vorhandbewegung-, aber auch durch
Arbeitsverweigerung (Stehenbleiben,
Steigen, Buckel, Durchgehen) äußern
könnte. Es besteht dringender
Handlungsbedarf, ohne entsprechende
Änderung dürfte der Sattel
auf diesen Pferd keinesfalls mehr
eingesetzt werden.
Gletta mit dem selben beliebigen
Sattel 1und Reiter 2:

1. Die Asymmetrie ist dieses Mal nicht
gegeben, da auf Gletta auch ein anderer
Reiter zum Zuge kam.
2. Hier zeigt sich eine insgesamt
recht gleichmäßige Gel-
und damit Druckverteilung, aber auch
eine leichte Brückenbildung,
gut erkennbar an der dunkleren Färbung
im Mittelzwieselbereich. Heißt
mit anderen Worten, der Sattel gibt
mehr Druck hinten und vorn ab. Dies
liegt daran, dass Gletta einen leichten
Senkrücken und zu wenig ausgebildete
Rückenmuskeln hat. So ist es
unumgänglich, den Körperbau
( oder die Physiognomie ) und den
Muskelstatus des Pferdes beim Betrachten
des Druckabbildes zu berücksichtigen.
Das Druckpad kann nur die Druckverteilung
sichtbar machen, nicht aber die Begründung
dafür liefern.
3. Dieser Sattel ist gut anpassbar
für Gletta durch entsprechende
Umpolsterung. Man gibt im mittleren
Bereich Polster hinzu, was zur Folge
hat, dass hier der Sattel mehr-, dementsprechend
vorn und hinten weniger Druck abgibt,
der Sattel also gleichmäßig
aufliegt.
Trausti mit beliebigen Sattel 2 und
geritten von Reiter 1:

1. Gut erkennbar ist wiederum die
Asymmetrie erheblich erhöhter
Druck links.
2. Der Sattel selbst liegt recht gut,
mit leichter Tendenz zu hinten mehr
Druck, vorn weniger. Die Ursache liegt
in dem den Konstrukionsprinzip des
Sattel selbst, dieser hat einen nach
hinten verlagerten Schwerpunkt, dementsprechend
würde es bei regelmäßiger
Verwendung des Sattels bei Trausti
zu einer Muskelatrophie im Hinterzwieselbereich
kommen.
3. Für den schiefen Sitz des
Reiters gibt es keine sichtbare Erklärung,
optisch sitzt er gerade auf dem Pferd.
Ich würde empfehlen, die Ursache
bei sich selbst osteopathisch abklären
zu lassen.
Fleygur: Das alles
ist wirklich gut zu sehen und auch
verständlich. Eigentlich sollten
alle Pferdebesitzer davon Gebrauch
machen, oder nicht?
H.Stuve: Nein, nicht
alle. Wer einen vertrauenswürdigen
Sattler hat, der regelmäßig
kontrolliert, wer bei seinem Pferd
keine Auffälligkeiten der Rückenmuskulatur
entdeckt, wessen Pferd klar, locker
und zufrieden läuft, braucht
m.E. keine Passformüberprüfung.
Andererseits sind sich Fachleute (einschließlich
meiner Person) ziemlich einig, dass
bei 70 bis 80% der verwendeten Sättel
Handlungsbedarf besteht.
Aber die Reiter handeln – einerseits
verständlich - ein wenig so,
wie ein Mensch vor dem Zahnarztbesuch:
Sie schieben den Termin immer wieder
hinaus, weil sie ein wenig fürchten,
der Zahnarzt könnte doch etwas
finden.
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