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Interview
mit Theo Stamm
Herr
Stamm, Sie züchten seit über 20
jahren Islandpferde und haben inzwischen
ein großes Gestüt mit Reitbetrieb,
Unterricht, Ferien etc . Was bewog Sie dazu,
eine eigene Sattellinie zu entwickeln?
Zu uns kamen viele Pferde, deren Probleme
in der Gangverteilung, bei der Rittigkeit
aber auch im Verhalten auf zu große
Druckpunkte (also Schmerzsymptome) im Bereich
der Lendenwirbel und teils auch auf zu wenig
Schulterfreiheit zurück zu führen
waren. Das Wohl der Pferde war schon immer
mein Anliegen, daher suchte ich nach neuen
Lösungen. Im Jahre 2003/2004 begann
ich dann, diese Ideen umzusetzen. Die heutige
Produktlinie „TesTa“ ist die
perfekte Symbiose zwischen Reiter und Pferd.
Die neuen sanften Kissen sind daher die
Ursache für fein schwingende Pferderücken.
Welche Philosophie steht hinter
Ihren Entwicklungen?
Die Reaktion des Pferderückens bei
der Belastung durch das Reitergewicht sollte
unter Berücksichtigung der Physiologie
gesehen werden. Wir leben heute in einer
Zeit, in der wir deutlich den Schutz aller
Arten in den Vordergrund stellen, warum
dann nicht auch die Art und Weise, wie wir
uns die Pferde zu nutze machen. Das hat
mich bewogen, die Verbindung von Mensch,
Pferd und Natur zu verbessern. Der Sattel
ist die Schnittstelle zwischen Reiter und
Pferd, daher besonders wichtig im Zusammenspiel
und Zusammenwirken.
Inwieweit spielt die Gangverteilung
(vier oder fünf Gänger) eine Rolle
bei der Sattelwahl?
Beim Islandpferd haben wir es mit einer
der problematischsten Pferderassen zu tun
– was die Druckverteilung und derern
Auswirkung auf das Gangverhalten angeht
– die wir uns zu Nutze machen. Sie
sind für mich die besten Pferde auf
unserem Planeten, gleichwohl aber die Schwierigsten.
Das mag negativ klingen, ist jedoch nur
bezogen auf die empfindlichen, kurzen Rücken
und die 5 Gänge, die wir mittels unserer
Einwirkung herausreiten wollen, zu sehen.
Legen wir beim 4-Gang-Trabtölter z.
B. den Sattel und damit das Reitergewicht
zu weit nach vorne, wird der Tölt schlechter
und schwieriger reitbar. Legen wir beim
5-Gang-Passtölter das Reitergewicht
zu weit nach hinten, verstärken wir
die unerwünschte Lateraltendenz. Daher
haben wir zwangsläufig zwei Sattelbäume
entwickelt, die jeweils diesen Gangproblemen
entgegen wirken und so die gewünschten
Gänge positiver beeinflussen. Der Sky
setzt den Reiter weiter vor, der Draumur
weiter zurück. Die Forschungen und
deren Veröffentlichungen, nämlich
den Masseschwerpunkt des Reiters nicht hinter
den 14. Brustwirbel zu setzten, werden dabei
nie außer acht gelassen. Man kann
nicht wirklich mit dem gleichen Sattelmodell
alle Islandpferde reiten.
Der Sky ist ja mit 1730,- Euro
ein Modell der gehobenen Preisklasse; haben
Sie auch etwas für den kleineren Geldbeutel?
Das Modell Sky ist besonders aufwendig
in der Produktion. Einen Baum zu entwickeln,
der einen weichen und leicht federnden Sitz
und frei stehende, weiche Kissenenden zulässt,
ist aufwendig. Die Efterkante musste besonders
verstärkt werden, was die besondere
Form zuließ. Die Berechnung der Druckpunkte
und deren Auswirkungen war sehr aufwendig.
Einige Prototypen mussten erst entwickelt
und wieder verworfen werden. Das Modell
Draumur ist in der Entwicklung etwas einfacher,
aber beide haben natürlich die Vorteile
der auswechselbaren Kopfeisen, was sie länger
nutzbar macht, da die Kammerweite immer
wieder neu angepasst werden kann, und zwar
vom Nutzer selber.
Beim Sky S kann man auch die Kissen auswechseln
und den Rückenveränderungen anpassen.
Somit hat man langfristig Geld gespart.
Aber das Modell Fengur in der 1000,00 €
- Klasse ist auch ein toller Einstiegssattel,
besonders für 4-Gänger oder Kvistur,
der Textilsattel in der 400 € - Klasse,
der ab Dezember auch in Echt-Leder und sehr
viel Schulterfreiheit für 750,00 bis
800,00 € angeboten werden wird.
Wie reagieren Sie, wenn Ihre Sättel
kopiert werden?
Dies bleibt nicht aus, aber bis eine Kopie
(meist schlechter als das Original) auf
dem Markt ist, haben wir bereits wieder
eine Weiterentwicklung am Markt. Das schreckt
mich nicht, das beflügelt. Die Kunden
können dies sehr schnell selber erkennen,
und werden richtig reagieren. Wichtig ist
die hohe Qualität, die wir liefern,
und die perfekte Beratung am Pferd. Damit
die Qualität stimmt, suchen wir mindestens
1 x jährlich die Produktionsstellen
in Argentinien und den weiteren Produktionsländern
persönlich auf und überzeugen
uns von der Ausführung und Qualität
der Arbeit.
Alle Sättel werden in Handarbeit gefertigt,
da ist es wichtig, die Abläufe regelmäßig
zu prüfen.
Führen Sie die Sattelanpassung
in ganz Deutschland durch und was kostet
das?
Natürlich fahren wir in die gesamte
EU, also Deutschland und angrenzende Nachbarländer
wie Österreich, Schweiz, Frankreich,
Niederlande, Luxemburg etc. Die Anpassung
ist kostenlos, wenn der Kunde einen Sattel
kauft, ansonsten berechnen wir einen geringen
Selbstkostenbeitrag der zwischen 90,00 und
120,00 € liegt.
Fahren Sie selber zu jedem Kunden?
Das würde ich gerne, aber leider erlaubt
dies meine Zeit nicht. Wir haben einen sehr
erfahrenen und kompetenten ehemaligen Berufsreiter
und Trainer für uns gewinnen können,
den ich entsprechend geschult habe. Er kommt
aus dem Sattel-Bereich und ist als aktiver
Reiter und ehemaliger Reitlehrer der perfekte
„Berater“ am Pferd. Er berät
z. B. auch die Kunden im Bezug auf die richtigen
Trainingseinheiten zur Verbesserung der
oft schlechten Rückenmuskulatur.
Wie sieht es mit der Garantie auf
die Sättel aus?
Auf die von uns gelieferten neuen Sättel
gewähren wir 2 Jahre Garantie auf das
Leder und 5 Jahre auf den Sattelbaum. Da
der Baum (also das Kopfeisen) nicht in einer
hydraulischen Presse verstellt wird, hält
er auch länger. Daher planen wir, die
Garantie von Draumur und Sky auf 10 Jahre
auszudehnen. Für den Garantiefall bekommt
der Kunde einen Leihsattel.
Nehmen Sie auch gebrauchte Sättel
in Zahlung?
Natürlich nehmen wir auch Sättel
in Zahlung, jedoch nur solche, die auch
relativ kurz sind. Diese werden dann aufgepolstert
und teils für etwas „längere
Pferderassen“, denen sie nicht zu
lang sind weiter angeboten. Trachten oder
alte Keilkissensättel nehmen wir nicht
in Zahlung.
Was bringt die Zukunft? Wir haben
gehört, Sie entwickeln gerade das nächste
Sattelmodell, welches bereits nächstes
Jahr auf den Markt kommen soll?
Ja, Stillstand ist Rückschritt.
Im Jahr 2011 wird es zwei weitere Islandsättel
sowie einen Wanderreitsattel für verschiedene
Klein- und Freizeitpferde (auch Isis) geben.
Lassen Sie sich überraschen, es wird
eine interessante Palette den Markt bereichern.
Noch mehr Wert wird dabei auf Schulterfreiheit
und Austauschbarkeit von Sattelteilen gelegt
werden.
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