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Interview "Hof des Monats Hof des Monats September 2011f" mit Nana Degenhardt
von Müllers Hoff- 27446 Farven

hier geht es zur Fleygur Website von Müllers Hoff

Müllers Hoff bietet rund 100 Islandpferden eine Heimat zum Wohlfühlen.

Unter dem Motto "Zeit für Menschen - Zeit für Pferde" möchten Nana Degenhardt, IPZV-Trainerin A und Team gerne Menschen die Freude und den Spaß an Islandpferden vermitteln.


Sie fördern mit viel Erfahrung, Wissen, Professionalität und Verständnis Islandpferde und ihre Reiter. Mit Energie, Spaß und Geduld wird jeder - egal ob Einsteiger, Freizeitreiter oder Turniercrack, ob jung oder alt - da "abgeholt", wo er in seinem Ausbildungsstand steht oder "stecken geblieben" ist.

Bild: Nana Degenhardt


Fleygur: Nana, so manch einer, der Deinen Müllers Hoff zum ersten Mal besucht hat, dachte dabei im Stillen “Mensch, Immenhof gibt es ja doch noch.” Rund um das wunderschöne, reetgedeckte Fachwerkhaus liegt eine liebevoll gepflegte, professionelle Reitanlage, die alles bietet, was das Pferde- und Reiterherz begehrt. Hast Du Dir mit Müllers Hoff einen Traum verwirklicht?

Nana: So ein Hof ist wirklich schon immer mein Traum gewesen! Schon als Jugendliche aus der Stadt wollte ich auf dem Lande unter einem dicken Reetdach mit Islandpferden, meinem geliebten Englischen Setter und Hofkatzen leben.
In meiner mittlerweile über 30-jährigen Selbstständigkeit mit Islandpferden hatte ich zwei wundervolle Pachthöfe, die mich Stück für Stück zum Traum vom Eigentum brachten. Einige Jahre war ich als reisende Reitlehrerin unterwegs und bekam eines Tages regelrechtes Heimweh nach meinem Jugendtraum, dem Reetdachhof.
Vor 17 Jahren fanden mein damaliger Partner und ich diesen landwirtschaftlich genutzten Hof, der damals fünf Jahre leer stand, da die alten Eigentümer ohne direkte Nachkommen gestorben waren. Dieser Hof, der nach ihren ehemaligen Bewirtschaftern "Müllers Hoff" hieß, war in großen Teilen noch orginal ohne Bausünden erhalten. Baujahr des Haupthauses ist 1536, heute ist der Hof denkmalgeschützt. Es sind also wirklich ehrwürdige Mauern, die ich Stück für Stück islandpferdegerecht, den Gästebedürfnissen angepasst und für Mitarbeiter, meinem Partner Stefan und mich wunderschön renoviere, so, wie ich es mir immer erträumt habe.

Fleygur: Du arbeitest ja schon seit langer Zeit hauptberuflich mit Islandpferden. Nehmen wir mal an, es hätte die Pferde in Deinem Leben nicht gegeben, was hättest Du stattdessen getan?

Nana: Das kann ich mir nicht wirklich vorstellen, da ich schon als Kleinkind lieber mit Stoff-Pferden gespielt habe als mit Puppen. Ich interessiere mich aber auch für Graphik und Fotographie und studierte das auch eine Zeit lang. Irgendwie kamen aber wieder die Pferde dazwischen...

Fleygur: Natürlich gehört auch die Zucht zu Deinen absoluten “Steckenpferden”. Du bist u.a. Besitzerin von Ausnahme-Zuchthengst Kólbeinn frá Steinnesi. Er war unter anderem Deutscher Meister, Norddeutscher Meister und Niedersachsenmeister. Für besondere Aufregung sorgte er aber mit der einzigartigen 10,00 für das starke Tempo Tölt auf der DIM 2004 . Ein Pferd zum “Luftanhalten”. Wie habt Ihr das geschafft und hast Du Ihn selbst dafür trainiert?

Nana: Kolbeinn habe ich vor mittlerweile elf Jahren gekauft. Er wurde in dem Frühjahr fünf Jahre alt und war gerade angeritten aus Island gekommen. Er absolvierte in dem Frühjahr die FEIF-Prüfung und wurde auch Gewinnerhengst 2000 mit der höchsten Note des Jahres von 8,24 Punkten. Also beste Vorraussetzungen für ein geniales Gangpferd mit perfektem, stabilen Fundament. Kolbeinn wurde im Laufe der Jahre mein bester Freund. Als leidenschaftliche, sportlich sehr erfolgreiche Reiterin trainiere ich meine Pferde natürlich selbst. Kolbeinn ist ein Kämpfer und ich hatte genug Spaß und Ehrgeiz, um ihn konsequent und regelmäßig zu reiten.
Es brauchte Geduld und Zeit, bis er genügend Kraft hatte, um seinen genial lockeren Tölt in allen Tempi so durchzuhalten und um so tanzen zu können. Wir haben hier geniales Gelände dafür- endlos weite, große und feste Waldwege, wo wir viel Ruhe und keinen Verkehr haben. Kolbeinn hat mittlerweile rund 200 Nachkommen, die auf riesigen Flächen im Herdenverband aufwachsen. Dank ihres lockeren Töltes sind sie erfolgreiche und heiß geliebte Freizeit- und Sportpartner.

Fleygur: Was bedeutet so ein außergewöhnlicher Erfolg für Dich?

Nana: Es freut mich unendlich und bestätigt das richtige Training. Die tollen Ergebnisse im Sport und in der Zucht lassen die Zweifel verfliegen, ob die Zeit richtig angelegt war, jeden Tag mit dem schönen Pferd reiten zu gehen und bestätigt das Bauchgefühl, das ich die ganze Zeit hatte.

Fleygur: Zur "Immenhof-Atmosphäre” passt, dass man bei Euch auch richtig gut Urlaub machen kann. Was bietet Ihr an und gibt es jetzt im Herbst für Interessierte noch die Möglichkeit, bei Euch ein paar Tage zu verbringen?

Nana: Wir bieten eine denkmalgeschützte Hofanlage mit einzigartigem Ambiente, gemütliche Unterkünfte und leckeres Essen: Ideale Vorraussetzungen also für schöne Urlaubstage – mit oder ohne eigenem Pferd; hier ist der Alltagsstress ganz schnell vergessen. So manch ein Urlaubsgast nahm seinen vierbeinigen Urlaubskumpel gleich mit nach Hause...
Unsere Gästezimmer sind von mir selbst mit viel Liebe zum Detail eingerichtet; mit Holzfußböden, verputzten Wänden, den besten Matratzen und Lattenrosten für wunderbare Träume sowie einem wunderschönen Badezimmer in jedem Raum.
Auf dem Hof sind wir mit 3 IPZV-Trainern tätig. Anke Haar ist Trainerin C und ausgebildete Trainerin für Heilpädagogisches Reiten. Sie ist die geduldigste Frau für ängstliche Reiter, Anfänger oder Kinder, die mit dem Reiten starten. Ankes Geduld ist unerschütterlich.
Sonja Sachs ist Trainerin B. Sie fördert Erwachsene und Jugendliche mit viel Engagement und Leidenschaft. Alle Reiter strahlen nach einer Reitstunde mit Sonja. Sonjas zweite Leidenschaft neben den Islandpferden ist das Kochen und Backen. Mit viel Freude, Geschick und Kreativität wirbelt sie auf "Müllers Hoff" auch in der Küche.
Und ich selbst bin Trainerin A und hole alle Reiter an ihrem jeweiligen Leistungsstand ab. Mein Stärke ist, Pferd und Reiter in ihrer Ausbildung ein riesiges Stück weiter zu bringen und/oder am „wunden Punkt“  zu arbeiten.
Und ja, im Herbst haben wir noch freie Plätze für Urlauber und/oder Teilnehmer in unseren Jugendcamps.

Fleygur: Jetzt gibst Du ja viel Unterricht und bildest Pferde und Menschen aus oder weiter, wer hat Dich in diesem Punkt besonders geprägt? Wer war Dein einflussreichster Ausbilder?

Nana: In meiner reiterlichen Laufbahn haben mich vor allem meine heißgeliebten Islandpferde geprägt. 1974 bekam ich mein erstes Pferd. Einen dreigängigen Islandmix, der mich in seiner dickköpfigen Willensstärke zu einer durchsetzungsfähigen und noch willensstärkeren Reiterin gemacht hat. In den 80er und 90er Jahren, in denen ich hauptberuflich Beritt gemacht habe, gab es noch nicht so viele qualitativ gute Pferde wie heute. Wir Islandpferde-Reiter und Trainer mussten kreativ und geduldig sein, um auch unkooperative, schwierige Gangpferde zu fröhlichen, unkomplizierten Pferden zu machen und sie mit ihren Reitern zusammenzufügen.
Ich habe mich mit vielen Reitweisen und „echten Pferdeleuten“ aus der ganzen Hippologischen Welt auseinandergesetzt. Nach einer Trainer-Reise in die Schweiz, zum Zirkus Freddi Knie, befasste ich mich näher mit cirzensischen Lektionen. Geprägt und bewundert habe ich dabei besonders meinen Freund, den „Friesenpapst" Günther Fröhlich. Am meisten beeindruckt hat mich jedoch Raphael Jurados, ein andalusischer kleiner, unauffälliger Pferdemann der allerhöchsten Klasse. Er ist DER Doma Vaquera Reiter Spaniens und unterrichtet diese Reitweise. Bei diesem faszinierenden Mann habe ich zuerst auf spanischen Pferden gelernt, später nahm ich meine Islandpferde mit zu ihm. Raphael fand es anfangs "unter seiner Würde, Reiter auf solchen Ponys zu unterrichten". Als er jedoch genauer hinschaute, war er regelrecht begeistert und sehr erstaunt über unsere energischen, beweglichen und starken Pferde. Es bereitete ihm unendlich viel Spaß, mich mit ihnen zu fördern. Er brachte es so auf den Punkt, die Pferde zu versammeln und auf die Hinterhand zu setzen, dass er mich mit meinem damaligen Islandpferde-Star „Tjörn“ als perfektes „Stierkampfpaar“ bezeichnete.
Damals begriff ich, dass ich die barocke-spanische Reitweise für unsere Islandpferde sehr viel besser einsetzen kann als die englische Reitweise. Dies hat mich und meine persönliche Reitweise sehr beeinflusst.

Fleygur: Das gibt mir  eine gute Überleitung zu unserer Standardfrage: Mit welcher Person aus dem Pferdebereich würdest Du denn gerne einmal bei einem längeren Ausritt ein Gespräch führen und wenn ja, zu welchem Thema?

Nana: Ich bin an so vielen Reitweisen und Ausbildungswegen interessiert, dass es auf jeden Fall ein Wanderritt sein müsste! ;-)

Fleygur: Vielen Dank für das Interview

Fotos © Müllers Hoff